Skurriles Symbol

Gedanken zur (Un)-Sinnhaftigkeit der Maskenpflicht in Kindereinrichtungen

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Es ist 8 Uhr 15, die Brotzeittasche ist gepackt, ich mache mich mit meiner Tochter auf den Weg zum Kindergarten. Es riecht nach Sommer, wir radeln genüsslich durch den Morgen. Am Fahrradlenker baumelt der Mund-Nasenschutz, den ich mir noch schnell vom Schlüsselbrett gegriffen habe. Ein paar Eltern stehen mit ihren Kindern im Eingangsbereich, allesamt haben eine Corona-Maske im Gesicht, man wartet.

Ein paar Meter weiter, unterhalten sich ein paar Mamas am Parkplatz noch einen Moment – ganz wie immer und ohne Gesichtsschutz. Auch in der Warteschlange vor dem Kindergarten trägt der ein oder andere die Maske noch in der Hand, die Pflicht gilt erst bei Betreten der Räumlichkeiten, wobei damit für Eltern lediglich ein abgetrennter Eingangsbereich gemeint ist. Es erscheint eine Erzieherin mit Schreibbrett an der Tür. Die Begrüßung nach so vielen Wochen ist verhaltener als man hätte erwarten können. Das ganze Prozedere hat etwas Skurriles. Ich unterschreibe, dass mein Kind heute die Einrichtung besucht und bestätige damit die Gesundheit der ganzen Familie, sowie die Anerkennung der Schutzmaßnahmen. Sodann wird mein Kind von der Erzieherin in die nunmehr heiligen Hallen des Kindergartens eingelassen, deren Zugang Eltern untersagt ist. 

Obwohl wir uns seit Wochen an den Pandemiezustand gewöhnt haben und es müßig geworden ist, die damit einhergehenden Maßnahmen zu hinterfragen, ist die Absurdität derselben doch regelmäßig allzu offenbar. Hätte jemand vor Monaten prophezeit, dass wir unsere Kinder mit Maske im Gesicht der ebenfalls maskierten Erzieherin an der Tür übergeben würden, die Mehrheit hätte denjenigen wahrscheinlich einen Spinner geheißen. Jetzt machen wir alle mit und stören uns kaum daran, dass Gespräche so schwerlich stattfinden können und die persönliche Begegnung zwischen Erziehern und Eltern ins Unnatürlich-Distanzierte ver-bannt wird. Die Ergebenheit der meisten Eltern in dieses Prozedere ist erstaunlich. 

Eine solche Situation wäre noch vor Wochen als ebenso abwegig eingestuft worden, wie wenn man vorgeschrieben hätte, die Kinder morgens vor Betreten der Einrichtung erst mal die Nationalhymne schmettern zu lassen oder irgendein anderes verrücktes Ritual zu vollführen, dessen Sinn und Zweck einem verborgen bleiben. Jetzt stehen wir alle brav in der Schlange, tragen Masken und finden es selbstverständlich, den Kindergarten nicht betreten zu dürfen. 

Nach wochenlangem Shutdown dankbar darüber, dass die Bildungseinrichtungen wieder den Betrieb aufgenommen haben, ist niemand motiviert, die Mundschutz- und „wir-bleiben-drau-ßen“-Regelung groß anzuprangern. Aber die Sinnlosigkeit dieser Maßnahme ist an dieser Stelle so frappierend, dass ich es der Erwähnung wert finde. Ganz zu schweigen von dem merkwürdigen Vorbild, das wir unseren Kindern damit geben. Es scheint nicht von Belang zu sein, dass im Kindergarten gespielt wird, ohne Mindestabstände einhalten zu können. Ebenso wenig, dass sich unsere Kinder schon seit Wochen wieder privat treffen, mit unterschiedlichen Spielpartnern, in unterschiedlichen Familien. Die Eltern ebenso. 

Betrachtet man das soziale Leben von Fa-milien mit Kindern außerhalb der „Zwangszonen“, so hat es sich weitgehend normalisiert. Das Bring- und Abholszenario vor unserem Kindergarten, sowie zahlreiche andere Schutzkonzepte, suggerieren jedoch etwas ganz anderes. Ich frage mich, ob diese in erster Linie darauf ausgerichtet sind, eine Art kollektives „Pandemiebe-wußtsein“ aufrecht zu erhalten. Die Maskenpflicht ist jedenfalls zum wichtigsten Symbol der landesweiten Corona Politik geworden. Das Ergebnis ist dann eine so skurrile Situation wie hier beschrieben, die für unsere Kinder als Normalität daherkommt. 

Beim Warten vor der Tür kommt mir der Gedanke, dass unsinnige Maßnahmen möglicherweise eher den Effekt haben könnten, vernünftiges und eigenverantwortliches Verhalten zu untergraben, weil der logische Bezug zu einer Situation gestört wird. Ich werde jedenfalls das Gefühl nicht los, bei einem absurden Theater mitzuwirken, dessen Sinn und Nutzen keiner Begründung mehr zu bedürfen scheint. Nichtsdestotrotz lege ich, im Eingangsbereich angekommen, meine Maske an, unterschreibe, winke meiner Tochter noch zu und verschwinde wieder.

kmt

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