"Notfalls spenden wir eben eine Bank für den Linggpark"

Gedankenaustausch der Stiftsstadtfreunde

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Trafen sich zum Gedankenaustausch: Die Stiftsstadtfreunde mitihrer Vorsitzenden Ilse Roßmanith-Mitterer (3.v.r.).

Kempten – „Eines möchte ich gleich zu Beginn loswerden, unser neues Stadtmuseum ist wirklich toll gelungen.

Besonders das 3D-Modell mit der audiovisuellen Darstellung der Stadtgeschichte Kemptens finde ich faszinierend“, so startete Ilse Roßmanith-Mitterer, die Vorsitzende der Stiftstadtfreunde Kempten e.V., den Gedankenaustausch im ’sLorenz vergangenen Mittwoch. Es sei mal wieder an der Zeit gewesen, sich über die aktuellen Themen auszutauschen, nachdem das letzte Treffen im Mai 2019 eine ganze Weile her sei. Knapp 20 Interessierte hatten sich eingefunden, unter ihnen auch die beiden Stadträte Helmut Hitscherich und Michael Hofer (UB/ödp).

Beim ersten Themenpunkt Zumsteinwiese machte Roßmanith-Mitterer deutlich, dass sie froh sei, „dass das Thema Stadtbibliothek auf diesem Areal vom Tisch ist“. „Das heißt aber nicht, dass wir als Stiftstadtfreunde uns nicht einbringen werden, wenn es jetzt um die Verschönerung dieses Bereichs geht und um die Frage, was nach der Sanierung der Sparkassen-Tiefgarage dort passiert“, betonte die Vorsitzende. Für hitzige Diskussionen sorgte der zweite Themenpunkt Stadtpark. Er sei am 7. Februar zu einer „ungewöhnlichen Jahreszeit“ eröffnet worden und sie könne sich auch vorstellen, warum, sagte Roßmanith-Mitterer schmunzelnd. „Für mich kommt der Stadtpark momentan noch sehr gepflastert rüber.“ Allerdings habe sie Markus Wiedemann vom Tiefbauamt getroffen , der zu ihr gesagt habe: „Bedenken Sie bitte, dass der Humus bald kommt und die ganzen Kiesflächen noch befüllt werden. In ein paar Wochen wird es dann grünen und blühen!“

„Das bleibt trotzdem eine Steinwüste“, so der Zwischenruf von Helmut Hitscherich. Die Vorsitzende der Stiftstadtfreunde appellierte daraufhin an alle Anwesenden: „Ich möchte jetzt noch nicht den Stab brechen über den neuen Stadtpark. Aber mir persönlich tut es sehr leid, dass der kleine Weiher weggekommen ist. Der war ein sehr belebendes Merkmal im Park. Wir warten jetzt einmal ab, aber es müssen wirklich noch viele viele Pflänzchen sprießen, damit das Ganze tatsächlich den Namen eines Stadtparks verdient.“

„Wo sind denn die 6,7 Millionen Euro geblieben? Waren die chinesischen Pflastersteine so teuer oder war das der Transport?“, fragte einer der Anwesenden provokant. Er habe außerdem beobachtet, dass bei den Baggerarbeiten das komplette Wurzelwerk der Bäume kaputt gemacht wurde. „Ich gebe den Bäumen noch drei Jahre. Dann sind die hinüber. Dann brauchen wir uns um die Krähen keine Sorgen mehr machen, weil die Bäume dann einfach umfallen.“

Zwei weitere Themen wurden außerdem vertieft: das neue Spiel- und Klettergerüst für die Kinder und die fehlende Sitzgelegenheiten im angrenzenden Linggpark. „Das Kindergerüst ist für größere Kinder ganz pfundig, aber für Kleinkinder hat es keinen Zweck. Ich habe mich bewusst noch mal mit einem Vater unterhalten, der mit seinem kleinen Kind im Stadtpark war. Ich finde, wir brauchen dringend noch Geräte für kleinere Kinder, Wippen oder Rüttelgeräte“, forderte Roßmanith-Mitterer, was auf breite Zustimmung stieß. Daneben wünsche sie sich als Fan vom angrenzenden Linggpark, dass dieser „ein wenig aufgepeppt“ und dort wenigstens „ein paar Sitzgelegenheiten“ geschaffen werden. Die fehlten völlig. „Sonst spenden wir eben mal eine Bank“, regte eine Dame in der Runde an, was ebenfalls für große Zustimmung aller Stiftstadtfreunde sorgte.

Problemzone: Memminger Straße

Kurz kam an diesem Abend auch die bekannte Weihnachtskrippe von Ludwig Weiß zur Sprache. Diese werde jetzt nach langem Ringen künftig für eine gewisse Zeit in einer Vitrine im Alpin Museum zu sehen sein. „Diese wunderbare Krippe aus der Biedermeierzeit sollte in einer Schachtel verschwinden. Das wäre doch viel zu schade gewesen“, sagte die Vorsitzende der Stiftstadtfreunde, die sich bei der Standortsuche als bekennender „Krippenfan“ persönlich engagiert hatte.

Viel Lob gab es für den Neubau des AllgäuHospiz in der Madlenerstraße. „Gut gelungen, 16 wunderschöne Gästezimmer, feines Material, schöne Atmosphäre.“ Was man allerdings vom Umfeld des Hospizes nicht sagen könne: „Das ist schon unglaublich, was man an der Ecke Madlenerstraße/Memminger Straße gemacht hat. Dieser Riesenklotz der Sozialbau mit dem Ärzte- und Bürohaus. Furchtbar. Das erschlägt einen förmlich. Daneben verschwinden klitzeklein das Waschhaus und das alte Krankenhaus komplett“, ärgerte sich Roßmanith-Mitterer. Auf die Frage in die Runde, wie das die Anwesenden sähen, gab es ein klares Urteil: „Schon ein übergroßes Gebäude!“ Die Bitte der Stiftstadtfreunde an den Gestaltungsbeirat der Stadt bezüglich der anstehenden Sanierung des Gerhardingerhauses und des Nebengebäudes Kindergarten St. Nikolaus, war deshalb deutlich: „Bitte hier kein neues Monstrum hinbauen, sondern etwas, was sich in das Areal einfügt. Das wäre uns ein großes Anliegen!“

Dauerbrenner: Hildegardplatz

Rege Diskussion gab es auch hinsichtlich der Parkplatzsituation am Gottesackerweg. Die Anwohner der neuen 121 Eigentumswohnungen der Sozialbau beklagten sich über zu wenig Parkmöglichkeiten und forderten Anwohnerparkplätze. Ein Mann, der in diesem Bereich wohnt, berichtete, dass viele Käufer der neuen Wohnungen zwei Plätze in den geräumigen Tiefgaragen kaufen konnten. „Wer kein Geld hat, sich einen Stellplatz zu kaufen, der muss draußen parken. Wer er sich leisten kann, hat einfach zwei Plätze gekauft.“ Das liege aber in der Verantwortung des Bauträgers bzw. des Vermieters, so der Einwand von Helmut Hitscherich. „Dann kann jetzt aber nicht die Öffentlichkeit dafür verantwortlich gemacht werden und Parkplätze in der Nähe des Friedhofs nur noch für Anwohner ausgewiesen werden. Das geht einfach nicht“, stellte Roßmanith-Mitterer klar. Es müsse eh ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden, so die Meinung eines Anwesenden: „Natürlich ist ein Auto super und bequem, aber wir müssen auf Dauer den Autoverkehr in den Städten reduzieren. Der Trend muss weg vom Auto gehen. Da müssen wir uns als Gesellschaft einfach ändern und der ÖPNV natürlich schnell und vor allem erheblich verbessert werden.“

Weitere Themen an diesem Abend waren die Verkehrsführung am Hildegardplatz während des Wochenmarktes und die zukünftige Abfahrt zur Tiefgarage der Sparkasse. Wie lässt sich die Verkehrslage an den Wochenmarkttagen entschärfen? Einbahnstraße? Schritttempo? „Alleine schon das Parken an der Commerzbank ist grenz-

wertig. Da müsste man ein paar schöne Pflanztröge hinstellen, damit da niemand mehr parken kann“, regte die Vorsitzende an. Ein Anwesender machte klar: „Pflanztröge werden da nichts helfen. Man muss einfach nur die Straßenverkehrsordnung endlich auch mal anwenden und durchsetzen. Das ist unbequem, aber richtig. Wer auf Gehwegen parkt und dabei Busse behindert, konsequent abschleppen. Ganz einfach! In anderen Städten geht das doch auch.“

Zum Abschluss haben sich die Stiftstadtfreunde noch über die neue Abfahrt zur Sparkassen-Tiefgarage und deren Gestaltung unterhalten. Ein Thema, das auch in Zukunft noch eine Rolle spielen wird, sobald mehr Informationen vorliegen. 

Kathrin Dorsch

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