Gefühlsregungen im Fokus

»Leben statt Schweben« geht in eine neue Runde

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Alina Alltag (r.), Leiterin Amt für Kommunale Jugendarbeit, und SJR-Mitarbeiterin Veronika Natterer (l.) im Gespräch mit Vertretern der Presse.

Kempten – Die Präventionskampagne „Leben statt Schweben“ geht in ihre 14. Saison. Doch während sie sich früher mit solchen Problemen wie Jugendkriminalität, Drogen- und Alkoholkonsum beschäftigte, widmet sie sich jetzt den Gefühlsregungen der Jugendlichen und dem richtigen Umgang damit.

Denn nach der Definition der Leiterin der Abteilung „Kommunale Jugendarbeit“ Alina Alltag sind unkontrollierte Gefühle der „Urkern dessen, warum Jugendliche zu Drogen oder Alkohol greifen“.

Das ist auch der Hauptgrund dafür, warum die diesjährige Veranstaltungswoche vom 26. bis 30. November unter dem Motto „E-Motions – Achterbahn der Gefühle“ stattfindet. Wie Alltag und die studentische Mitarbeiterin des Stadtjugendrings (SJR), Veronika Natterer, erklärten, sind in dieser Woche insgesamt sieben Workshops im evangelischen Gemeindehaus geplant, die unterschiedliche Teilaspekte des Problems behandeln. An diesen nehmen Schüler aller Schulen Kemptens, die sich zur Veranstaltung angemeldet haben, teil.

Den Umgang mit Gewalt & Co. kann man lernen

Am kommenden Montag, 26. November, finden gleich zwei Veranstaltungen statt, an denen Jugendliche und zwei speziell ausgebildete Pädagogen, dafür aber keine Schullehrer, teilnehmen werden. Das liegt daran, dass die Anwesenheit der Lehrer die Schüler hemmen könnte, frei über ihre Gefühle zu sprechen, wie Alina Alltag erklärte. Die erste Veranstaltung am Montag heißt „Digimotions“ und hat das Thema „Respektvoller Umgang mit Internet“. Dabei werden die teilnehmenden SchülerInnen von den Pädagogen Marcus Zahnleiter und Christian Seitz unterrichtet, wie sie mit Hasskommentaren, Kritik und Trollen umgehen können, damit diese ihnen nicht schaden. Außerdem erarbeiten die TeilnehmerInnen den Leitfaden zum Bewerten von Netzinhalten.

Die zweite Veranstaltung setzt sich mit dem richtigen Umgang mit Aggression sowie mit Gewaltprävention auseinander. Dabei werden solche Fragen wie „Was ist Gewalt?“, „Wie kann man von der Seite sicher wirken?“, „Wie gehe ich mit Gewalt um?“ und „Wie werde ich weder Opfer noch Täter?“ vom Spezialisten Wolfgang Dollansky behandelt. Am Dienstag, 27. November, werden die behandelten Themen anhand von Theaterstücken visualisiert, die vom Ensemble „Mensch: Theater!“ vorgeführt werden, und anschließend eingehend diskutiert. Diese Kombination ist darauf zurückzuführen, dass Theaterstücke ohne Nachbesprechung nach Ansicht Alltags nicht die erwünschte Wirkung zeigen.

Auch am Mittwoch, 28. November, steht ein Theaterstück auf dem Programm, aber nicht nur: Um 19 Uhr ist eine weitere Veranstaltung, „Am Puls: Aggression – das neue Tabu“, geplant. Anders als an den anderen Veranstaltungen der Reihe dürfen auch Eltern der Kinder und überhaupt alle Interessierten daran teilnehmen. Den Schwerpunkt der von Sabine Baumberger organisieren Veranstaltung bildet das Thema, wie Eltern mit Aggression umgehen können.

Das Wichtigste: Die Kontrolle über die eigenen Gefühle

Am Donnerstag, 29. November, geht es darum, das Thema „Digimotions“ zu vertiefen und mithilfe eines Planspiels im Langzeitgedächtnis der Jugendlichen zu verankern. Dieser Trick basiert auf der Erkenntnis, dass das aktive Mitspielen das Verständnis der Teilnehmer für neue Themen verbessert und das Erlernte länger im Gedächtnis haften lässt. Im Anschluss daran nehmen die Schüler am Multiplikatoren-Workshop teil. Beim Workshop wird den Teilnehmern beigebracht, wie sie ihre Gesundheit und psychische Balance auch in schwierigen Situationen erhalten können. Dies ist insofern wichtig, als dass heutige Schüler unter ständigem Leistungsdruck stehen. Dieser wiederum führt zu enormem Stress, der Nervenzusammenbrüche und inadäquate Reaktionen verursachen kann. Wie man dagegen vorgeht, erklären Dajana Wolf und Christoph Bürk.

Abgeschlossen wird die Workshop-Woche mit der abschließenden Behandlung des Themas „Digimotions“. Der wichtigste Aspekt, der dabei im Vordergrund stehen wird, ist der Umgang mit eigenen Aggressionsreaktionen. Denn nach heutigen Erkenntnissen sind Aggressionen der wichtigste Antreiber des Menschen. Gefährlich werden sie nur, wenn sie unkontrolliert werden. Daher werden die Schüler lernen, ihre Aggression bewusst zu steuern und für ihren Nutzen zu verwenden. Auch dafür ist Wolfgang Dollansky zuständig.

Wachsendes Interesse für die Kampagne

Finanziert wird die diesjährige Kampagne des SJR Kempten und des Amtes für Jugendarbeit sowohl von der Kreissparkasse als auch vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums sowie zum ersten Mal von der „Regionalentwicklung Oberallgäu“. Dies zeuge vom wachsenden Interesse für die Kampagne, so dass die Organisatoren von einer jährlich besseren Finanzierung ausgehen, was ihre Arbeit mit schwierigen Jugendlichen und an der Bewältigung der für Jugendliche typischen Probleme effizienter machen werde.

Konstantin Udod

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