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Gegen "immer mehr, mehr, mehr"

Schüler gehen erneut für mehr Klimaschutz auf die Straße

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Teils drastische Bilder und Worte fanden die Organisatorinnen und Organisatoren auf der Fridays-for-Future-Demo.

Kempten - Als praktisch erwiesen sich am Freitagmittag die Schneehäufen auf dem August-Fischer- und Rathausplatz. Diese nutzten die Organisatoren der Kemptener Fridays for Future-Aktion für Ansprachenan die demonstrierenden Schüler. Immer mehr waren mit ihren Plakaten zur Versammlung zu der zunächst kleinen Versammlung gestoßen. Am Ende zogen nach internen Zählungen rund 600 Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen zum Rathausplatz und übergaben Oberbürgermeister Thomas Kiechle Forderungen für mehr Klima- und Umweltschutz.

Laute Sirenen-Töne hallen plötzlich über den Platz, einer der Schüler steigt mit einem Megafon auf den größten Schneehaufen und gibt Ablauf und Regeln bekannt. Es ist Versammlungsleiter Jonas Götz, der lautstark begrüßt wird und die Gruppe auf ihre Ziele einschwört. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, skandieren die Teilnehmer auf ihrem Weg durch die Stadt. Nach dem Vorbild der schwedischen Schülerin Greta Thunberg gingen die Schüler wie in vielen anderen Städten an diesem Freitag für stärkere Klimaschutzgesetze und ein schnelleres Handeln der Politik auf die Straße. Sie wollen erreichen, dass die Folgen des Klimawandels wie das Artensterben, den Meeresspiegel-Anstieg und die langen Dürreperioden in Schach gehalten werden. „Make the Earth cool again“, „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“, „Weniger Plastik ist Meer“, „Unsere Welt ist wichtiger als Geld“, „Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, die es bald nicht mehr gibt?“ 

Neben Angst schwingt auch Kritik am Kapitalismus auf den Plakatinschriften mit. Dass ihnen Schulstrafen und Verweise drohen, ist den Demonstranten egal. 

Der verabredete Zeitpunkt war 11.45 Uhr, als viele von ihnen noch Schule hatten. Während einige nur eine Viertelstunde oder wegen Freistunden gar nicht schwänzen, sind es bei anderen zwei bis drei Stunden, teils auch Schulaufgabenvorbereitung.

Dabei hatten die Organisatoren Wert darauf gelegt, dass nur ein kleiner Teil der Veranstaltung in die Schulzeit fällt. Es sollen noch mehr Demonstrationen folgen, dann auch am Nachmittag.

Aber die Schüler wollen durch ihr Schwänzen gezielt die Aufmerksamkeit für ihr Anliegen erhöhen, erklärt Jonas Götz gegenüber dem Kreisboten. Und fragt man in die Runde, haben viele der Aktivisten die Unterstützung der Eltern. „Meine Eltern unterschreiben den Verweis gerne“, sagt Sarah Huber vom Allgäu Gymnasium, „es ist ja für einen guten Zweck“.

Aber sind Strafen für eine solche Sache überhaupt nötig „Ja“, erklärte im Vorfeld der Demonstration Markus Wenninger, Schulleiter des Hildegardis-Gymnasiums. „Ich muss dieses Fernbleiben vom Unterricht im Nachhinein pädagogisch bewerten.“

Während die Stadt die Versammlungen eher aus dem Blickwinkel der Versammlungsfreiheit und Sicherheit beurteilt und kein Verbot ausspricht, steht für Wenninger die Schulpflicht im Vordergrund. Von Seiten des Kultusministeriums unterliege das Demonstrationsrecht einer Einschränkung, weil die Schüler auch am Nachmittag Zeit hätten, erklärt der Direktor, dem neben der Aufsichtspflicht auch die Neutralität wichtig ist: „Wenn wir die Schüler für dieses Thema ziehen lassen, müssen wir andere auch für Themen demonstrieren lassen, die gar nicht im Sinne der Klimademonstranten sind.“ Diese Woche will er den betreffenden Schülern anbieten, über das Demonstrationsrecht zu reden.

Unter die Schüler haben sich neben wenigen ganz jungen Zweit- und Drittklässlern auch Teilnehmer älteren Semesters gemischt. Die Ehepaare Nissels und Strobel sind für ihre Enkel gekommen, wie sie sagen: „Nachdem die Alten das verbocken, möchten wir die Jugend unterstützen.“ Sie kritisieren, dass man nicht schon früher angefangen hat, etwas zu unternehmen und aus der Kohle auszusteigen. Sie selbst steigen aufs Rad statt in den Flieger und sind im Urlaub schon von Berlin nach Petersburg bzw. Kempten geradelt. Das Plastiksparen ist aber ein schwieriges Unterfangen, berichten sie aus Erfahrung. „Aber erst einmal muss das Bewusstsein wachsen“, sagt Gotthard Nissels, „das ist ein langsamer und schwieriger Prozess.“ Auch wenn die Aktivisten Sätze äußern wie: „Uns ist es nicht zu viel, einen Verweis in Kauf zu nehmen, wenn Eltern den Tod ihrer Kinder in Kauf nehmen“, scheinen die Jugendlichen auch ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und verändern zu wollen. Ein Mädchen macht vor der Versammlung Werbung für Fußreisen um die Welt, Sarah Huber verreist als Pfadfinderin jetzt schon zu Fuß, viele wollen Plastik einsparen, ein Junge möchte seine Eltern dazu überreden, in ihrem Imbiss die Einwegverpackungen abzuschaffen und einige wollen ihre Schule klimafreundlicher machen.

Auch Aktionsgruppen sind laut Organisator Götz an den Schulen geplant, in denen es um die Ernährung in der Schulkantine oder Müllvermeidung gehen soll. Zum Müllsammeln wollen sich die jungen Leute ebenfalls aufmachen.

Bei den Passanten ruft das Spektakel unterschiedliche Reaktionen hervor. Während eine junge Frau begeistert ist, löst es bei einer Dame, die gerade einen Schuhladen verlässt, Skepsis aus: „Alles schön und recht, aber es hilft ja sowieso nicht.“

Buh-Rufe hallen über den Rathausplatz, als einer der Redner Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (SPD) zitiert. Dieser hätte gesagt, Wirtschaftswachstum und Klimaschutz, wie ihn die Schüler verlangen, seien nicht miteinander zu vereinen. Aber genau das ist das Ziel der jungen Demonstranten. „Auch ich will später Geld verdienen“, sagt der junge Demonstrant und fordert, „wir müssen Wirtschaftswachstum mit Klimaschutz zusammenbringen.“

Konkreter werden die Demonstranten in den Forderungen an Oberbürgermeister Kiechle. Sie wollen einen günstigeren öffentlichen Nahverkehr in der Stadt, neuere Fahrradparkplätze am Bahnhof und verlangen, dass auch im Winter die Radwege geräumt werden. Die Stadt solle auch mehr gegen Einwegplastik unternehmen, im Speziellen gegen Styropor. Und nachts wollen die Demonstranten Strom sparen mit unbeleuchteten Schaufenstern. Das Stadtoberhaupt als Lehrer freute sich über das Engagement der jungen Leute, und auch darüber einige bekannte Gesichter zu sehen.

Er lud die Schüler zu einem Austausch ein, um die Forderungen zu konkretisieren und um ihnen zu zeigen, was die Stadt in dieser Sache „schon geschafft“ hat. „Ich möchte die Schüler gezielt in die Pflicht nehmen“, sagte Kiechle. Ein erstes Rathaus-Gespräch ist für 29. März um 13.30 Uhr – also nach der Schule – geplant.

Susanne Kustermann

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