Gegen Leid kämpfen

Häuptling spricht über das Schicksal eines Volks

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David Taylor im Haus International.

Kempten – David Taylor, Häuptling des Stammes des Adik Caribou und der Anishinaabe, sprach kürzlich im Haus International in zwei Vorträgen über die Geschichte und die reiche Kultur nicht nur seines Stammes und der Anishinaabe, die einmal ein riesiges Gebiet im Norden der USA und im Süden Kanadas bewohnt hatten, sondern auch über einen Völkermord, der bis zum heutigen Tage geschieht.

David Taylor, der mit richtigem Namen Mide Ogichidaa Winini heißt, erzählte darüber, wie eine ganze Nation von fast 100 Millionen Menschen durch die Ankunft der Europäer auf Turtle Island, wie Amerika von den Ureinwohnern bezeichnet wird, über Jahrhunderte hinweg getäuscht, entrechtet und aus niedrigsten Motiven heraus umgebracht wurde. 

Bis 1978 wurden z.B. indianische Kinder aus ihren Familien entführt, um in Internaten „zivilisiert“ zu werden. Ein Viertel aller indigenen Frauen wurde durch die amerikanische und kanadische Regierung zwangssterilisiert. Jährlich werden über 5000 Kinder und Frauen aus den Reservaten heraus entführt und umgebracht, ohne dass die amerikanische Justiz etwas unternimmt. Damit liegen alle Anzeichen von Völkermord vor, und obwohl entsprechende jährliche UN-Berichte und Anzeigen Hinterbliebener vorliegen, unternehmen die Behörden in den USA und Kanada nichts. 

Bis heute werden Indianer auch in ihren Reservaten entrechtet, indem man ihnen ein Geblütsrecht (Blood Quantum) aufzwingt, das Wahlrecht und Landbesitz daran bindet wie reinblütig jemand ist. 

Die Vorstellung, dass eine Entrechtung von Menschen, wie sie Juden in Deutschland nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 erleiden mussten, in den USA noch heute geschieht, war für viele Zuhörer unerträglich, sagt Lajos Fischer, Geschäftsführer des Haus International. Mide Ogichidaa Winini berichtete aber auch von Hoffnung, da sich viele Stammesmitglieder auf Turtle Island unter Inkaufnahme von langen Haftstrafen gegen Unrecht und Willkür wehren, wie z.B. gegen den Pipelinebau quer durch ihr Gebiet. 

Weiterhin teilte er mit, dass sie am Internationalen Schiedsgerichtshof der Vereinten Nationen dafür kämpfen wollen, dass ihr Leid anerkannt wird und sie in Zukunft ein gerechteres und besseres Leben führen können.

kb

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