"Recht sachlicher und ruhiger Austausch"

Gegner und Befürworter des Laubener Baugebietes "Am Drumlin" kommen bei Bürgerversammlung in Dialog

+
Bürgermeister Berthold Ziegler (am Rednerpult) stellte gemeinsam mit Stadtplaner Hubert Sieber (sitzend) und dessen Mitarbeiterin Melanie Weber die Pläne vor.

Lauben – Die Gemeinde Lauben plant ein großes Baugebiet am nördlichen Ortsrand von Heising. Auf der rund 5,8 Hektar großen Fläche sollen in mehreren Bauabschnitten bis zu 45 Einfamilien- und Doppelhäuser sowie sieben bis acht Mehrfamilienhäuser mit einer Fläche von 3,9 Hektar entstehen. Der „Motzhof“ wird abgerissen. Einige Bürgerinnen und Bürgern hatten Anfang September in einem Brief an Bürgermeister Berthold Ziegler und den Gemeinderat eine Vielzahl von Bedenken gegen das in ihren Augen überdimensionierte Projekt vorgebracht. Dem Schreiben war eine Liste mit 100 Unterschriften gegen dessen Umsetzung bzw. Genehmigung beigefügt. Daraufhin hatten die Gemeinde eine Bürgerversammlung anberaumt, bei der die Gelegenheit zum offenen Dialog bestand.

Die Planungen zu dem Baugebiet, das sich nordöstlich der neuen Turnhalle bis zum Alemannenweg in Heising erstreckt, waren seit 2018 in mehreren Gemeinderatssitzungen öffentlich thematisiert worden, das öffentliche Auslegungsverfahren zur Bürgerbeteiligung ist bereits abgeschlossen. Der Erschließungsbeginn ist für April 2020, der Baubeginn für September/Oktober 2020 angedacht. Lage und Größe des ersten Bauabschnittes sind noch nicht beschlossen. So weit wäre also von gemeindlicher Seite alles Wesentliche in trockenen Tüchern. 

Die Verfasser des oben genannten Schreibens wohnen in der Nähe des geplanten Neubaugebietes. Sie möchten das Projekt in seiner jetzt geplanten Form verhindern. In ihrem Text betonten sie, nicht grundsätzlich gegen Baugebiete zu sein. Da jedoch erst kurz zuvor das Baugebiet Tulpenweg erschlossen worden sei, sei die Ausweisung eines weiteren, noch größeren Baugebietes „im Widerspruch zu einer verantwortungsvollen Gemeindepolitik“, heißt es da. 

Weiter mutmaßten sie, die Verabschiedung der Bauplanung bis zum 31.12.2019 basiere auf der bis zu diesem Stichtag geltenden Befreiung von der Ausgleichsflächenregelung. „Diese vermeintliche Ersparnis fördert einerseits den Flächenfraß, andererseits werden hier unweigerlich und ohne Not die letzten Naherholungsgebiete der Gemeinde geopfert.“ 

Große Bedenken äußerten sie auch bezüglich der Lebensqualität der Anwohner – diese werde durch die jahrelange Bautätigkeit sowie durch das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen eingeschränkt. Letzteres werde durch den im selben Gemeindeteil anstehenden Neubau der Seniorenresidenz sowie durch das Bauprojekt „Andreashof“ weiter verschärft. In der vorliegenden Bauplanung sei hierfür keine Lösung erkennbar. 

Rathauschef Berthold Ziegler erklärte, mithilfe der eigens zu dem Thema anberaumten Bürgerversammlung wolle er dem offensichtlich noch bestehenden Gesprächsbedarf Rechnung tragen. Er versicherte: „Wir werden das, was heute gesagt wird, in den Abwägungsprozess mitaufnehmen und im Gemeinderat diskutieren.“ 

Zur Einleitung des Abends stellte der Stadtplaner Hubert Sieber vom beauftragten Stadtplanungsbüro Sieber einige zentrale Details des Planungsentwurfes vor. Er erläuterte die verschiedenen Häusertypen sowie den geplanten Straßenverlauf. Auf der Kuppe des Höhenrückens wird keine Bebauung erfolgen. Hier soll eine öffentliche Grünfläche mit Fußweg, Spielplatz und großen Bäumen entstehen. In puncto Straßenführung sind mehrere parallel entlang der Höhenlinien laufende Ringstraßen geplant, die in eine breitere, gerade Verbindungsstraße mit Gehweg münden, welche in ost-westlicher Richtung am nördlichen Rand entlang des Baugebietes verläuft. In der anschließenden Diskussionsrunde griffen einige Bürgerinnen und Bürger die Bedenken aus der Unterschriftenliste erneut auf. „Eine behutsame Ausweisung von Baugebieten“ und „einen nachhaltigen Umgang mit der Natur“, mahnte eine Rednerin unter dem Beifall vieler Anwesender an. 

Im Gemeindegebiet gebe es doch andere Möglichkeiten zu kleineren Bebauungen für Familien, beispielsweise nördlich oder westlich der Blumenstraße oder südlich der Allgäustraße. Seit Jahren sei der „sehr sehr große Wunsch“ nach Wohnungsbau an die Gemeinde herangetragen worden“, entgegnete Ziegler. Zudem lägen aktuell 15 Anfragen von Einheimischen nach Bauplätzen vor. Dem wolle und könne man nun gerecht werden. 

Weitere Wortmeldungen drehten sich um das befürchtete hohe Verkehrsaufkommen. Diesbezüglich verwies Ziegler auf ein bereits in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten, in das in Folge des Abends auch das Seniorenheim und der „Andreashof“ aufgenommen werden sollen. Nach Vorliegen des Gutachtens werde sich der Gemeinderat mit der genauen Gestaltung und Geschwindigkeitsbeschränkung befassen. Nicht nur Kritiker meldeten sich zu Wort, sondern auch der eine oder andere Befürworter. Ein junger Familienvater begrüßte das Projekt ausdrücklich, denn „als Familie mit drei Kindern findet man keinen Wohnraum“. Für seine Anregung, „die Emotionen ein bisschen runterzufahren und einen vernünftigen Konsens zu suchen“, erhielt auch er Applaus. Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Berthold Ziegler für den „recht sachlichen und ruhigen“ Austausch. Die Bebauungspläne sind im Rathaus einsehbar.

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesen

Zimmer brennt in der Fischersteige
Zimmer brennt in der Fischersteige
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Der erste Waldkindergarten Kemptens öffnet Wipfel, Tipi und Bauwagen
Der erste Waldkindergarten Kemptens öffnet Wipfel, Tipi und Bauwagen
Bauvorhaben in der Breslauer Straße im Gestaltungsbeirat
Bauvorhaben in der Breslauer Straße im Gestaltungsbeirat

Kommentare