Es geht nicht um das "Nein" sagen

Lothar Prinz (links) und Markus Nessler kämpfen gegen einen Windpark in Beuren. Foto: Schubert

Lebensqualität, Lebensraum und Natur für Mensch und Tier zu erhalten, dafür kämpft der Verein „Natürlich für’s Allgäu“. Der Verein formierte aus einer starken Gruppe, die sich gegen den Bau von Windkraftanlagen auf dem Beurener Berg ausspricht. Mittlerweile zählt „Natürlich für’s Allgäu“ über 500 Mitglieder. Gegenüber dem KREISBOTEN begründeten die Vorsitzenden Lothar Prinz und Markus Nessler jetzt, warum sie gegen einen Windpark in Beuren sind.

Die Gruppe „Natürlich für’s Allgäu“ begann sich im Sommer 2010 zu formieren, nachdem erste Berichte über die geplante Errichtung der Rotoren auf dem Beurener Berg im Umlauf waren. Im Januar stellten sich die Windkraft-Gegner offiziell in einer dafür einberufenen Versammlung vor und am 9. Januar wurde der Verein gegründet. Lothar Prinz ist Vorsitzender. Der 48-jährige Software- entwickler hat sich mit einigen Gleichgesinnten vehement gegen das Projekt ausgesprochen. Und es blieb nicht bei leisen Protesten. Mittlerweile gehören über 500 Beurener und Sympathiesanten dem Verein an. Bei einer Einwohnerzahl von rund 800 in Beuren sind 500 volljährige Mitglieder einer Protestbewegung die deutliche Mehrheit im Isnyer Teilort. Das ist dann schon kein Keil mehr, der in die Dorfgemeinschaft getrieben wurde, sondern ein ziemlicher Hammer. Noch ist alles in der Schwebe. Wahrscheinlich im September wird in der Regionalversammlung über den Anhörungsentwurf entschieden. Der Regionalverband als direkt dem Wirtschaftsministerium unterstellte Dienststelle sitzt an den Ausarbeitungen. Sie haben (schon unter der alten Regierung) die Aufgabe übertragen bekommen Standorte für Windkraftanlagen genauer zu definieren und bemühen sich, so objektiv und umweltverträglich wie möglich, um geeignete Standorte. Der Protest der Anwohner wird weiter gehen und Lothar Prinz als erster Vorsitzender und sein Stellvertreter Markus Nessler fürchten sich nicht vor Gegenwind. „Es geht nicht nur darum, ob man eine 180 Meter hohe Windkraftanlage als einen massiven negativen Eingriff in das gewohnte Landschaftsbild empfindet oder nicht“, erläuterten die beiden gegenüber dem KREISBOTEN. Der großflächig angelegte Bau von Windparks verändere insbesondere durch die Infraschall-Emissionen die Lebensbedingungen aller in der Region Oberschwaben lebenden Menschen und Tiere nachhaltig. Die möglichen Folgen müssten deshalb im Vorfeld sorgfältig geklärt und abgewogen werden. Nur „Nein“ gesagt wird bei „Natürlich für’s Allgäu“ nicht. Lothar Prinz und Markus Nessler versicherten im Gespräch, dass alle Möglichkeiten auf den Prüfstand kommen. „Es gibt übrigens Alternativen zur Windkraft. Bekanntlich ist die Region zwischen Donau und Alpen – das sogenannte südliche Molassebecken, besonders für die Nutzung der Tiefengeothermie geeignet. Dieser Ansatz wird von uns favorisiert“, so Prinz und Nessler. Die Art der Energiegewinnung erfordere relativ geringen Flächenverbrauch. Unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Wind weht, lasse sich bedarfsorientiert Strom und Wärme produzieren. Zahlreiche solcher Anlagen sind in Deutschland bereits in Betrieb. Viele weitere sind im Bau oder in konkreter Planung. Konkrete Gründe „Die Ablehnung der Windkraftanlagen hat konkrete Hintergründe und wird durch Gutachten mehrerer Institute bestätigt“, verdeutlichten die beiden. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften, das Robert Koch Institut und verschiedene andere Wissenschaftler haben die gesundheitlichen Folgen näher definiert. Benommenheit, Schwindelgefühl, zunehmende Müdigkeit, Abnahme der Atemfrequenz und eine Störung der nächtlichen Cortisolrhythmik sind unter anderem dabei festgestellt worden. Zum Erscheinungsbild der Anlagen hat Nessler neben vielen anderen Bedenken eines festgestellt. „Wir reden immer von Windrädern, gar vom ‘Windrädle’ – Gemeint sind aber Anlagen mit der Höhe des Stuttgarter Fernsehturms und wenn Sie jemanden erzählen, auf dem Beurener Berg werden fünf bis sechs Fernsehtürme aufgestellt, kann derjenige sie wahrscheinlich für verrückt erklären.“ Die Höhe der Anlagen bestimme auch den Grad der Belastung durch Infraschall. Nach Meinung von Experten auf diesem Gebiet sind die Schwingungen noch in mehreren Kilometern Entfernung messbar. Weitere Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.beuren21.de.

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