Geistige Ressourcen sollen aktiviert werden

Als Kinder haben wir es alle gemacht: tauschen mit Murmeln, Fleisskärtchen, Stickers. Mit der Höhe des Taschengeldes und dem Älterwerden geriet das bei vielen in Vergessenheit. Dabei liegt Tauschen auch in der Erwachsenenwelt im Trend: Der Tauschring Cambodunum mit Tauschstammtischen im Kempodium, in Sankt Mang und in Altusried hat bereits über 160 Mitglieder. Aktiv nehmen sie an diesen Tauschbörsen teil oder die Tausch-Akteure bieten in einem eigenen „Blättle“ ihre Arbeitskraft oder ihr Produkt an.

Angebot und Nachfrage reichen dabei von selbst gemachter Marmelade über Hilfe im Garten bis hin zu einem flotten Haarschnitt oder der gemeinsamen Nutzung von einer teuren Handwerksmaschine. Diese Aktion ist auch in Zusammenhang mit Projekt „Sozial Stadt Kempten“ zu sehen. „Der Tauschring ist eine ökologische Selbsthilfe. Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern es geht ausschließlich um die Aktivierung von geistigen und materiellen Ressourcen“, fasst Melanie Rutherford, zuständig für das Projekt Kooperationen, Aufbau Nachbarschaftshilfe & Tauschring im Stadtteilbüro Sankt Mang, die Vorteile vom Tauschring zusammen. „Und obwohl kein Geld im Spiel ist“, so erklärt Karl-Heinz Kubel schmunzelnd, „geht es bei den Tauschaktionen zu wie bei einer Bank.“ Die fiktive Tauscheinheit „Cambo“ definiert dabei beispielsweise den Wert einer Arbeitsstunde: Zehn Cambo entsprechen 60 Minuten. Das entspricht beispielsweise einer Stunde Rasenmähen, Hausputz, Zuhören, Fahrradreparatur. „Jeder hat also sein eigenes Tauschkonto bei uns“, so Rutherford. Sie selbst hat schon mal „Cambos“ für einen Camping-Urlaub angespart. „Das hat prima geklappt.“ Nicht nur für Eltern Der Tauschring ist nicht nur was für Erwachsene: Auch Jugendliche können hierbei nur gewinnen. Für ein wenig Zeiteinsatz, beispielsweise indem sie für ältere Mitmenschen Wertstoff wegfahren, können sie sich dann ein PC-Spiel von einem anderen Mittauscher gegen „Cambos“ ergattern. Denn durch die engen Kontakte mit anderen Tauschringen im Allgäu finden Tauschaktionen auch immer wieder „Ring“-übergreifend statt – über das Blättle oder auch über das Internet. Der Kemptener Tauschring besteht bereits seit Mitte der 90er Jahre. Ausgehend vom Kempodium hat er inzwischen ebenso Stammtische in Altusried und in Kempten-Sankt Mang. Zu diesen Treffen kann man auch Tauschobjekte mitbringen. In einer moderierten Vorstellrunde sagt jeder, was er zu bieten hat oder braucht – und auf Zuruf oder auch erst später bekommt er dann den „Zuschlag“ oder einen Tipp, wo er den Tausch vollziehen kann, berichtet Kubel zum Ablauf. „Der Tauschring Cambodunum ist vernetzt mit anderen Tauschringen im Allgäu, bundesweit und in Österreich“, erklärt Melanie Rutherford weiter. „Mitmachen kann jeder.“ Als jährliche Gebühr gilt ein „realer Beitrag“ von fünf Euro sowie drei Cambo, die für Material und Zeitaufwand der Verwaltung berechnet werden. Weitere Informationen zum Thema gibt es auch im Internet unter der Adresse www.sanktmang.de.

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