Wie gelingt der Wiedereinstieg?

Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und nach jahrelanger Familienzeit soll es zurückgehen ins Berufsleben. Das jedenfalls erhoffen sich die 19 Frauen und ein Mann, die zu einer Infoveranstaltung in die Kemptener Arbeitsagentur gekommen sind. Eine Vormittagsstelle im Büro oder im Verkauf wäre für die meisten perfekt. Dann könnten sie nachmittags wieder für die Kids da sein. Doch Gleichstellungsbeauftragte Theresia Wildegger winkt ab: „Teilzeit classic ist heute nur noch schwer zu kriegen. Von Ihnen wird Flexibilität erwartet.“

Betretene Gesichter. „Was sollen die Mütter von Schulkindern tun, die weder Oma noch Kinderhort noch Ganztagsschule in der Nähe haben?“, fragt eine der Jobsuchenden. Und wenn man eine Tagesmutter bezahlen müsse, hakt eine andere ein, gehe der Verdienst ja gleich wieder drauf. Bei einem Minijob rentiere sich das auf keinen Fall. Und überhaupt: Wer mache mit den Kindern die Hausaufgaben? „Die Entscheidung berufstätig oder nicht nimmt Ihnen keiner ab“, kontert Theresia Wildegger. „Aber Sie müssen sich fragen, wie sind Ihre beruflichen Chancen, wenn Sie erst in fünf Jahren wieder einsteigen?“ Von Arbeitnehmern werde heutzutage maximale Flexibilität erwartet, kritisiert eine Frau. Die Chefs hingegen zeigten sich gerade Müttern gegenüber wenig entgegenkommend. Die Sache liege auf der Hand, meint die Gleichstellungsbeauftragte. Eine Stelle sei logischerweise auf die Bedürfnisse des Betriebes gestrickt. Wildegger: „Wenn das Haupt-Telefonaufkommen zwischen 10 und 14 Uhr ist, dann braucht der Chef zu dieser Zeit jemanden und nicht von 8 bis 12 Uhr.“ Erschwert werde der Wiedereinstieg durch unflexible Öffnungszeiten der Kindergärten oder fehlender Mittagsbetreuung in den Schulen, klagt eine Jobsuchende. „Sie als Mütter müssen in Ihren Orten diesbezüglich bei den Bürgermeistern vorstellig werden“, rät die Gleichstellungsbeauftragte. Der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung müsse eingefordert werden. Doch da gibt es Widerspruch: „Was nützt mir der politische Weg, wenn ich jetzt sofort arbeiten muss und nicht in drei Jahren?“ Dann müsse man kreativ denken und sich in Sachen Kinderbeaufsichtigung etwa mit anderen Müttern zusammentun, ermutigt Wildegger die Betroffenen. „Der Weg, den Sie gehen wollen, ist natürlich nicht leicht“, räumt die Fachfrau ein, „ich will Ihnen da keine rosaroten Wolken aufmalen.“ Aber die Mühe lohne sich: Eine berufstätige Mutter strahle mehr Selbstsicherheit aus und die Familie verfüge über ein höheres Budget. Arbeitgeber entschieden sich gerne für Wiedereinsteigerinnen - wenn diese zeitlich flexibel seien. „Die Chefs wissen auch, dass Berufsrückkehrerinnen die Familienphase abgeschlossen haben und hochmotiviert sind“, so Wildegger. Auf jeden Fall brauche frau ein Notfallkonzept, falls ein Kind krank werde. Da müsse sie sich auf Eltern, Großeltern, Geschwister oder Freunde verlassen können. Die Gleichstellungsbeauftragte rät den Jobsuchenden, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unkonventionell vorzugehen. So sollten Sie sich nicht nur auf Stellenanzeigen hin bewerben, sondern etwa bei Geschäftseröffnungen oder Firmenjubiläen vor Ort sein und Kontakte knüpfen. Und natürlich sei „Vitamin B“ nach wie vor der beste Türöffner. Daher solle frau mit der Jobsuche offensiv umgehen und den Bekanntenkreis einweihen. Auch zu Initiativbewerbungen rät Wildegger. „Schicken Sie ruhig 20 Bewerbungen auf einmal raus.“ Keine falsche Bescheidenheit Das Alter einer Bewerberin spiele nicht wirklich ein Rolle, so Wildegger. Hier gebe es keine starren Grenzen. Entscheidend sei das Auftreten im Bewerbungsprofil. Über Zeitarbeit solle frau nicht gleich die Nase rümpfen. Zwar müsse sie vorübergehend eine geringere Bezahlung in Kauf nehmen, dafür bestehe jedoch die Chance auf dauerhafte Übernahme in einem Betrieb. Generell sei es ein Manko vieler Frauen, dass sie sich unterschätzen. Aber: Mütter würden täglich ihr Organisationstalent im Haushalt und bei der Kindererziehung beweisen. Wildegger: „Stapeln Sie nicht zu tief.“

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