"Gell, du bring’sch die Zeitung?"

Brita Köster verteilt seit über 30 Jahren den KREISBOTEN im Kemptener Stadtteil Rothkreuz. Foto: Bitsch

Im Juli feierte Brita Köster ihren 70. Geburtstag – ihre zufriedene, lebensfrohe Ausstrahlung jedoch wirkt erfrischend jugendlich. Umgeben von ihren Enkeln, genießt sie den Ruhestand, sitzt am liebsten in ihrem Garten, der als „Zaubergarten“ gut Schauplatz eines Märchens sein könnte. Wenn Brita Köster aus ihrem bunten, bewegten Leben erzählt, fühlt man sich zurückversetzt in eine vergangene Zeit: Die Kriegsjahre, die sie als Kind noch miterlebt hatte, Vertreibung und Aussiedlung aus der Heimat und schließlich die Ankunft in Kempten/Rothkreuz.

Es war ein schwieriger, gefährlicher Weg, doch für Brita Köster und ihre Geschwister auch eine Reise voller spannender Abenteuer. Stundenlang könnte man ihr zuhören, wenn sie die lustigen, aber auch traurigen Geschichten des „Familienlieblings“, eines kleinen Esels, wiedergibt, der den ganzen beschwerlichen Weg der Aussiedlung mitmachte – und in den 1950-er Jahren in Kempten eine gewisse Berühmtheit erlangte. Manch einer mag sich daran noch erinnern ... Wie kam Brita Köster aber nun als Austrägerin zum KREISBOTE? Alles begann mit einem sehnlichen Wunsch ihres ältesten Sohnes Thomas: Er wollte unbedingt ein Rennrad haben. Doch das war teuer, und so musste sich Thomas selbst etwas dazuverdienen, damit das Rennrad angeschafft werden konnte. Im November 1977 wurde der Vertrag mit dem KREISBOTEN unterschrieben, die Familie Köster übernahm die Verteilung im Kemptener Stadtteil Rothkreuz – und bald darauf ging der Wunsch von Thomas in Erfüllung. Der jüngere Sohn Helge, der als Marathonläufer täglich trainierte, nutzte seinerseits die Austragstour als „Trainingseinheit“. So wurde das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Brita Köster selbst trägt auch heute noch den KREISBOTE in Rothkreuz aus. „Gell, du bring’sch die Zeitung?“ wurde und wird sie dabei von vielen Kindern begrüßt, die sie kennen, ihr manchmal helfen und dann mit einem Lutscher belohnt werden. „Das Verteilen des Kreisboten hält mich in Bewegung, so bleibe ich fit“, meint Brita Köster lachend. Selbst Regen und Schnee machen ihr selten etwas aus, sie ist bei Wind und Wetter draußen. Seit einigen Jahren spendet sie das Geld, das sie für die Verteilung des KREISBOTEN bekommt, an die Organisation „Beit Shalom Peruhilfe e.V.“ Freunde von Brita Köster arbeiten in den Slums von Lima und helfen dort, die katastrophalen Lebensbedingungen zu verbessern. „Den Menschen, denen ich beim Zeitung Austragen begegne, sage ich immer: Denken Sie daran, dass Sie einen guten Zweck unterstützen, wenn Sie den Kreisboten lesen.“

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