Gelungene Premiere im TIK

Überzeugen in der TIK-Eigenproduktion „Paradise for Beginners“: Romain Guion (v.l.), Imma Asensio Jimenez und Dimitri La Sade-Dotti Foto: Tröger

Vieles blieb am Ende offen bei der Tanztheater-Eigenproduktion „Paradise for Beginners“, zugleich Saisonstart im Theater in Kempten und Auftakt zum 12. Kemptener Tanzherbst. Und das war durchaus gut so. Mangels vorgefertigter Antworten bot das durchweg fesselnde und absolut sehens- werte Stück zum Thema – und Spielzeitmotto – „Scheinwelten“ am Freitag bereits in der Pause bei unterschiedlichsten Interpretationsansätzen anregenden Diskussions- stoff unter den Premierengästen. Wurde doch die immerwährende Suche des Men- schen nach Wahrheit thematisiert und die Zuschauer dabei mit der Behauptung konfrontiert, dass wir alle mittels unserer Fantasie sowie einer Portion Selbstbetrug unser eigenes Paradies schaffen können.

Abstrakter als die bisherigen, von Jochen Heckmann choreographierten Eigenproduktionen, geht die Choreographin Caroline Finn der Welt von Schein und Sein in aneinandergereihten, kleinen, bisweilen humorvollen, aber auch ernst-tiefsinnigen Aspekten nach. Homogen stark die drei Protago- nisten Imma Asensio Jimenez, Romain Guion und Dimitri La Sade-Dotti, deren tänzerische Leistung und Ausdruckskraft allein schon für einen genussvollen Abend sorgten. Während die Zuschauer noch ihre Plätze einnahmen, betrachteten sie bereits – noch ganz unaufgeregt – die weißen, leeren Kulissenwände wie interessante Gemälde im Museum. Ein plötzlich entstandener schwarzer Fleck – der sich bald schon zum Gesicht wandelte – auf der Frontkulisse sorgte für Irritation unter den Dreien und brachte schlagartig Bewegung in die Szene. War es das Tor, das sich zu den individuellen Fantasiewelten öffnete? Die Welten, die nur für denjenigen existieren, der sie in sich entdeckt und lebt? Welten, die sich abwechselnd in rasantem Tempo und hektischen, abgehackten Bewegungen abspielten, dann wieder in Zeitlupe, manchmal mit Schnittmengen, die Individuen miteinander verbanden und sich schon gleich wieder in Paralleluniversen auflösten. Starke Lichtgestaltung In ständige Interaktion mit dem Tanzgeschehen traten die Kulissenmalereien von Katharina Neuweg, die auch in einer kleinen Rolle als Tänzerin zu sehen war. Eine besondere Funktion kam dabei dem sich – dank virtueller Möglichkeiten – immer weiter vervollständigendem Frontbild zu, das die in Musik wie Bewegung manchmal fließenden, dann wieder abrupten Wechsel zwischen hektischem Gefühlschaos und versunkener Ruhe, zwischen selbstzerstörerischer Verzweiflung und zufriedener Glückseligkeit unterstreichend be- gleitete. Stark im Spiel der bisweilen absurd anmutenden Scheinwelten war auch die Lichtgestaltung von Günter Schweikart, die dem Ungreifbaren des Stückes flüchtige Substanz verlieh. Erkannte der eine Zuschauer das Leben in einer Anstalt, waren die Kulissen für den anderen schlicht die Begrenzungen zwischen Fantasiewelt und Realität. War die am Ende auftauchende vierte Person etwa ein Spielverderber, der sich die Fantasien der zuvor jeweils in die Haut eines anderen geschlüpften Protagonisten regelrecht einverleibte? Oder war es ein ätherisches Fantasiewesen, das neue Scheinwelten gebar? Oder....? Die „Wahrheit“ liegt bei diesem Stück wohl in der individuellen Fantasiewelt jedes Einzelnen. Der Applaus jedenfalls war begeistert und lang. Weitere Vorstellungen sind am 25. Oktober sowie am 9., 10. und 11. November 2012 im THEaterOben.

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