Solo-Klarinettistin glänzt bei Frühlingskonzert des Orchestervereins Kempten

Virtuos und meisterhaft

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Die Solistin Agnese Skrastina spielt virtuos und einfühlsam Carl Maria von Webers Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 in Es-Dur.

Kempten – Einen Bogen vom Spätbarock bis zur Frühromantik spannte der Orchesterverein Kempten am Samstag bei seinem Frühjahrskonzert im Kornhaus. Während der Aufführung mit dem Titel „feuriger Aufbruch“ war auch Carl Maria von Webers Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 in Es-Dur zu hören.

Dabei brillierte die junge Lettin Agnese Skrastina als Solistin. Zunächst stattete der Schurke und Weiberheld Don Juan dem Kornhaus einen Besuch ab. Bei der Originalfassung von Christoph Willibald Glucks Ballettsuite „Don Juan oder Der steinerne Gast“ wussten die Musiker, die verschiedenen Charaktere der Sätze hervorzuheben. So erklang das ein- leitende Allegro sehr akzentuiert. Das Andante grazioso lud zum Träumen ein. 

Die Serenade begann mit einem beein- druckenden Solo der Oboe, das vom Zupfen der Streicher begleitet wurde. Das Allegro forte risoluto spielte das Orchester beschwingt, das Moderato des fünften Satzes ertönte tänzerisch. Rhythmisch sehr sicher zeigten sich die Musiker beim Grazioso, wobei auch Kastagnetten zu hören waren. Das Moderato des achten Satzes hatte einen leicht verspielten Charakter. Im Allegro attacca ahmte das Orchester gekonnt das Zittern von Don Juans Gästen nach, die sich vor dem Komtur als steinernen Gast fürchten. Sehr dramatisch wurde es im letzten Satz Allegro non troppo. Die Musik verwendete Gluck später noch einmal in seiner Oper „Orpheus und Eurydike“. 

Homogene Klänge 

Insgesamt präsentierte sich der Orchesterverein bei der Ballettsuite, die der Komponist 1761 erschuf, homogen und meist sicher in der Intonation. Zwischen den Sätzen erzählte Johannes Hitzelberger als Rezitator die Handlung nach, was ihm mit klarer Stimme und deklamierend äußerst gut glückte. Romantisch wurde es schließlich bei Carl Maria von Webers zweitem Klarinettenkonzert in Es-Dur, das 1811 als Auftrags-werk entstand. Die erst 22 Jahre alte Klarinettistin Agnese Skrastina zeichnete sich in allen drei Sätzen durch höchste Virtuosität und Sicherheit aus. Das Allegro, das der Sonatenform folgt, begann mit vollem Orchesterklang. 

Die Solistin bewies eine große Vielseitigkeit in der Dynamik und harmonierte gut mit den anderen Musikern. Die schwierigen, großen Tonsprünge meisterte die Lettin souverän. Allerdings spielte das Orchester manchmal etwas zu laut. Im zweiten Satz (Romanza. Andante) hob Agnese Skrastina hervorragend das Opernhafte hervor, was ihr durch die einfühlsame und teilweise melancholische Interpretation gelang. Im Finalsatz (Alla polacca), der zu den anspruchsvollsten der gesamten Klarinettenliteratur gehört, begeisterte die Solistin durch rhythmische Finesse. 

Mit atemraubender Präzision gab sie die schnellen Läufe und dramatischen Passagen wieder. Die Zuhörer im fast ausverkauften großen Kornhaussaal belohnten Agnese Skrastina mit tosendem Applaus. 

Holzbläser herausragend 

Nach der Pause widmete sich der Orchesterverein der bekannten Jupiter-Sinfonie in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Im heiteren Allegro vivace unterstrichen die Musiker den Kontrast zwischen Hell und Dunkel. Das Andante cantabile spielten sie mit der nötigen düsteren Dramatik. Im Menuetto erklang ein rührseliger, wehmütiger Unterton. Durch eine Fülle an Klangfarben überzeugte das Orchester im Finale Allegro molto, mit dem sich Mozart zur Fuge bekannte. Während der Jupiter-Sinfonie offenbarten die Violinen besonders bei höheren Passagen kleine Schwächen und waren nicht immer homogen. Eine herausragende Leistung im gesamten Konzert boten die Blech- und vor allem die Holzbläser. 

Großes Lob gebührt auch der musikalischen Leitung von Mary Ellen Kitchens, die ausdrucksstark, leidenschaftlich und mitreißend dirigierte.

Franziska Kampfrath

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