Zwei Mehrfamilienhäuser statt alter Hof 

Gemeinde Dietmannsried stellt elf neue Mietwohnungen zur Verfügung 

Der alte „Nick-Hof“ am Ortseingang von Überbach wird bald der Geschichte angehören. Die prächtige Linde vor dem Anwesen aber soll erhalten bleiben.
+
Der alte „Nick-Hof“ am Ortseingang von Überbach wird bald der Geschichte angehören. Die prächtige Linde vor dem Anwesen aber soll erhalten bleiben.

Dietmannsried/Überbach – Die Marktgemeinde Dietmannsried setzt ihr Engagement im kommunalen Wohnungsbau fort. Direkt am nördlichen Ortseingang von Überbach (das Dorf ist ein Ortsteil Dietmannsrieds), wird in Kürze ein großer, alter Bauernhof abgerissen. An seiner Stelle errichtet ein Bauträger zwei barrierefreie, behinderten- und rollstuhlgerechte Mehrfamilienhäuser. Eines davon wird die Gemeinde erwerben und dort elf kommunale Mietwohnungen anbieten. 

Die Gemeinde habe sich für diese Legislaturperiode per Grundsatzbeschluss das Ziel gesetzt, die Wohnraumsituation in allen fünf Ortsteilen zu verbessern, erinnerte Bürgermeister Werner Endres in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung. Diese Chance biete sich nun in Überbach. Bei dem ehemals landwirtschaftlichen Anwesen in der Hauptstraße 2 (im Dorf bekannt als „Nick-Hof“) liefen die Planungen seit gut einem Jahr. „Es geht hier um das ‚Eingangstor‘ nach Überbach und wie wir uns das vorstellen“, betonte Endres. Mit einer früheren Bauvoranfrage an derselben Stelle sei der Gemeinderat „nicht so glücklich“ gewesen. „Gott sei Dank sind wir nochmal in die Planungen eingestiegen.“ Die aktuelle Entwurfsplanung sieht den Abriss des Hofs und den Neubau zweier energieeffizienter Mehrparteienhäuser nach KfW40 EE-Standard und voraussichtlich in Holz-Hybrid-Bauweise (Stahlbeton-Skelett mit vorgehängter Holzfassade) vor. Eines davon wird parallel zur Staatsstraße 2377 errichtet, der Giebel des zweiten, südlich gelegenen Gebäudes wird im rechten Winkel dazu in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Die Investitionskosten der Gemeinde liegen bei ca. 3,5 Millionen Euro.

So könnten die beiden Mehrfamilienhäuser aussehen. Über die konkreten Planungen des Gebäudes links ist noch nichts bekannt; das rechte wird die Marktgemeinde erwerben.

In der Gemeinderatssitzung stellte Michael Gibbesch, Geschäftsführer des Büros FG Architektur in Sonthofen, die aktuelle Entwurfsplanung zu diesem Gebäude vor. Es soll auf einer Gesamtwohnfläche von 815 Quadratmetern elf Mietwohnungen beherbergen: im Erdgeschoss zwei Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie eine Vier-Zimmer-Wohnung für besondere Nutzungsvarianten wie z.B. Senioren-Wohngemeinschaft, Großfamilie o.Ä., im ersten Ober- und Dachgeschoss sind weitere Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen geplant. Alle werden komplett rollstuhlgerecht sein (somit je fünf bis acht Quadratmeter größer als regulär) und über Balkon/ Garten mit Schiebetür sowie Badezimmer ohne Badewanne, dafür mit Fenster verfügen. Im Untergeschoss werden sich Kellerabteile sowie je ein gemeinsamer Wasch-, Trocken- und Fahrradabstellraum befinden. Unter beiden Gebäuden wird eine gemeinsame Tiefgarage mit 26 Stellplätzen und mehreren E-Ladesäulen verlaufen. Elf weitere Besucherparkplätze sind vor dem Gebäude vorgesehen. Für die Wärme-, und Energieversorgung sind eine gemeinsame Heizzentrale für beide Gebäude, Wärmepumpe und eine Aufdach-Solaranlage mit Pufferspeicher geplant. Die Stromversorgung wäre über ein Mieterstrommodell denkbar. Dabei könnten die Mieter den überschüssigen am Haus erzeugten Strom ohne den Umweg über öffentliche Netze nutzen.

Trotz der explodierten Holz- preise könne er seine Empfehlung zur Holz-Hybridbauweise aufrechterhalten, betonte Michael Gibbesch. Seine Erfahrung mit anderen Bauprojekten in jüngster Zeit habe gezeigt, dass sich die tatsächlichen Mehrkosten im Rahmen hielten. Zudem sei die Menge an benötigtem Holz für die hier vorgesehene Fassade sehr überschaubar, werde also den finanziellen Rahmen kaum belasten. „Falls es doch zu teuer wäre, können wir immer noch flexibel umschwenken.“ Der Förderantrag soll nach Möglichkeit noch heuer gestellt werden. In der Gemeinde werden verschiedene Zuschussmodelle abgewogen. Endres: „Der Topf des kommunalen Wohnraumförderprogrammes ist sehr voll.“ Eine Sorge, die viele Überbacher umtreibt, geht die prächtige, ortsbildprägende, über 100-jährige Linde an, die vor dem jetzigen Hof direkt am Straßenrand steht. Sie soll – genau wie ein weiterer stattlicher alter Baum auf der Rückseite des Hofes – erhalten bleiben, versicherte Bürgermeister Endres.

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ganztagsbetreuung für Grundschüler bringt neue Herausforderungen
Kempten
Ganztagsbetreuung für Grundschüler bringt neue Herausforderungen
Ganztagsbetreuung für Grundschüler bringt neue Herausforderungen
»Kein Verbrenner mehr ab 2024« 
Kempten
»Kein Verbrenner mehr ab 2024« 
»Kein Verbrenner mehr ab 2024« 
Corona-Ticker Kempten: Neue Lockerungen für Landkreis Lindau
Kempten
Corona-Ticker Kempten: Neue Lockerungen für Landkreis Lindau
Corona-Ticker Kempten: Neue Lockerungen für Landkreis Lindau
Rot illuminierte Gebäude gemahnen an das Leid der Eventbranche
Kempten
Rot illuminierte Gebäude gemahnen an das Leid der Eventbranche
Rot illuminierte Gebäude gemahnen an das Leid der Eventbranche

Kommentare