Gemeinderat sagt "Nein"

Netto-Markt in Weitnau abgelehnt – Erfolgt der Bau dennoch?

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Da das bestehende Geschäft zu klein ist, soll auf der Freifläche gegenüber ein neues Gebäude errichtet werden.

Weitnau – Bei der letzten Gemeinderatsitzung stand die geplante Ansiedlung eines Netto-Marktes ganz oben auf der Tagesordnung. Aufgrund des erwarteten Interesses fand die Sitzung daher im Saal des Gasthofes „Goldener Adler“ statt. Und tatsächlich kamen über 40 Zuhörer.

Gleich eingangs wies Bürgermeister Alexander Streicher darauf hin, dass „keine schädlichen Auswirkungen zu erwarten sein dürfen“. Allerdings müsse dies nur bei Märkten mit einer Größe ab 800 Quadratmetern geprüft werden. Der geplante Netto-Markt soll jedoch unter dieser Grenze liegen. Von Seiten des Landratsamtes gebe es keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Bauvorhaben.

Damit übergab Streicher das Wort an Werner Kollmann. Sowohl das Gebäude des ehemaligen Feneberg, als auch die Freifläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich im Besitz der Familie Kollmann. 

Auf der Suche nach einem neuen Mieter für den leerstehenden Laden sei man mit Netto in Kontakt getreten. Da die vorhandene Ladenfläche zu klein für einen Netto-Markt sei, war das Gespräch auf die Freifläche gekommen. Durch eine Netto-Ansiedlung hoffen Kollmanns, auch das leerstehende Geschäft wieder vermieten zu können.

Netto-Gebietsleiter Expansion, Peter Kuster, stellte daraufhin sehr ausführlich den Konzern dar und betonte die Vorteile für die bestehenden Läden. So solle es in dem Weitnauer Markt weder Bäckerei noch Fleischerei am Eingang geben. Kuster zählte mehrere Gemeinden auf, in denen die Kooperation zwischen einem sogenannten Vollsortimentler wie Rewe oder Feneberg und einem Discounter wie Aldi, Lidl oder Netto sehr gut gelinge. „Weitnau wäre der erste Ort, an dem das nicht funktionieren würde“, so der Gebietsleiter.

Klaus Eichendorfer von der Bauträgerfirma KIZ, die bereits mehrere Netto-Märkte errichtet hat, zeigte eine Visualisierung des Projektes. Um das Gebäude besser dem Ortsbild anzupassen, würde auf ein Flachdach verzichtet und ein Satteldach verwendet. Das Gebäude solle nach den neuesten Energiestandards gebaut werden und damit zu den modernsten Netto-Läden gehören.

Von diesen Ausführungen ließen sich jedoch nicht alle Gemeinderäte überzeugen. Sie befürchteten Einbußen für die bestehenden Geschäfte. Auch mitten im Ort einen Discounter zu haben, war vielen ein Dorn im Auge. Und da war auch die Sorge, was mit dem Gebäude geschehe, wenn die Mietverträge ausgelaufen sind. In der Gemeinde gibt es bereits einige leerstehende Objekte. Denn auch Online-Händler drängten immer mehr auf den Markt.

Kuster gab Preis, dass die ersten 15 Jahre eigentlich benötigt werden, damit sich das Projekt überhaupt auszahle und er daher auf jeden Fall von einer Verlängerung der Verträge ausgehe. Ob es aber nach Mietvertragsende einen Rückbau gäbe, sei nicht ganz klar. Eichendorfer bemerkte, dass der Markt so gestaltet werden würde, dass auch eine anderweitige Nutzung denkbar sei.

Einige Gemeinderäte sehen aber lieber ein neues Altenheim an der Stelle errichtet, als einen Discounter. Auch die positiven Aussichten kamen in der fast eineinhalbstündigen Debatte zur Sprache. Am Ende sprachen sich acht Gemeinderäte dafür aus, dem Vorhaben grundsätzlich zuzustimmen, zwölf Gemeinderäte waren dagegen.

Doch: Verbieten kann der Gemeinderat den Bau damit nicht. Sofern die baurechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, kann der Markt gebaut werden, da die Fläche bereits als Mischgebiet ausgewiesen ist. Werden alle Vorgaben erfüllt, muss dem Bauantrag stattgegeben werden. Andernfalls kann auch das Landratsamt die Zustimmung erteilen. Dies würde die Eröffnung zwar verzögern, jedoch nicht verhindern. Ob der Bau dennoch erfolgt, stand bis Redaktionsschluss noch nicht sicher fest.

Bianka Hauck

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