Nach Strafanzeige nun doch Happy-End

Gemeinderat mobilisiert mit Spendenaufruf 9000 Euro für die Opfer der Explosion in Beirut

Clemens Moll, Bürgermeister von Amtszell.
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Gleich zwei gute Nachrichten sorgten am Mittwoch für „große Erleichterung“ bei Clemens Moll, Bürgermeister von Amtszell.

Wangen/Amtszell – Kaum glauben konnte es Clemens Moll, Bürgermeister von Amtszell, dass Ende September gegen ihn Strafanzeige erstattet wurde, denn eigentlich wollte er nur helfen. Zusammen mit den Gemeinderäten hatte Moll einer Spendenanfrage des Internationalen Libanon-Ausschusses in der Sitzung am 21. September zugestimmt. Einen Euro pro Einwohner wollte die Gemeinde an die Libanonhilfe spenden und mit der Spendensumme in Höhe von 4200 Euro die Opfer der Explosionskatastrophe in Beirut unterstützen. Über die Aufstockung des Betrages des gemeinnützigen Amtszeller Vereins „Füreinander-Miteinander“ um weitere 800 Euro, freuten sich die Ratsmitglieder sehr.

Seit drei Jahren gehört die baden-württembergische Gemeinde dem Internationalen Libanon Ausschuss Allgäu an und pflegt durch die Teilnahme am Programm „Kommunales Know-how für Nahost“ vom Bundesentwicklungsministerium gute Kontakte in den Libanon. So unterstützt die Gemeinde das libanesische Dorf Rhasaine beim Aufbau einer Biogasanlage. Nach Molls Aussagen würden dort sehr viele Flüchtlinge leben, entsprechend hoch sei dort auch das Müllaufkommen. Als ein zweites, weiteres Problem betitelt er die Energieversorgung, die in Rhasaine nur stundenweise funktioniere. Mit einer Biogasanlage könnten dort gleich zwei Probleme gelöst werden.

Da im Gemeindegebiet von Amtszell einige Unternehmen und Landwirte vertreten sind, die sich im Bereich Biogasanlagen spezialisiert haben und auskennen, werde das Projekt, teilweise ehrenamtlich, von ansässigen „Biogaskompetenzen“ begleitet, sagt Moll.Der Beschluss die Explosionsopfer in Beirut mit der „Ein-Euro-pro-Einwohner-Spende“ zu unterstützen, wurde nach Molls Aussagen nicht „einfach entschieden, um irgendwo auf der Welt mal etwas Gutes zu tun“, sondern aufgrund ihrer bestehenden, engen Verbindungen in den Libanon. Das Geld sollte als Soforthilfe dem von Christian Springer gegründeten Verein der Orienthelfer zu Gute kommen und direkt vor Ort eingesetzt werden.

Doch ein Wangener Bürger, der aus Zeitungsberichten von diesem Spendenprojekt erfahren hatte, sah dies anders und erstattete gegen den 40-jährigen Amtszeller Bürgermeister Strafanzeige wegen Veruntreuung von Steuergeldern. Aufgrund dieser Anzeige hatte der Gemeinderat in der letzten Sitzung, am 19. Oktober gegen die ursprüngliche Spendenzusage gestimmt. Im gleichen Zug hatte der Rat jedoch eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um BürgerInnen und Unternehmen zu motivieren, freiwillig für die Explosionsopfer zu spenden.

Über den ortsansässigen Verein „Füreinander Miteinander“, zu dessen Vereinszweck u. a. die Internationale Not- und Katastrophenhilfe gehört, wird diese Spendenaktion abgewickelt. Mittlerweile sei diese auch sehr erfolgreich angelaufen, bestätigt Moll und verkündete am Abend in einer E-Mail an den Kreisboten, den „absoluten Hammer“, dass inzwischen eine Summe von 9000 Euro an Spendengeldern ein-gegangen sei. Aber nicht nur diese Botschaft war für den Amtszeller Bürgermeister an diesem Tag Anlass zum Feiern. Bereits mor-gens hatte ihn die Ravensburger Staatsanwaltschaft informiert, dass kein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet werde und es auch zu keiner Anklage kommen werde, für den Amtszeller Bürgermeister „eine große Erleichterung“.

Tamara Lehmann

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