Gemeinsam für mehr Vielfalt

Teile der Agrarlandschaft naturnah und zugleich wirtschaftlich gestalten

Kempten – Der Spitalhof in Kempten gehört zu den bundesweit zehn landwirtschaftlichen Betrieben, die an der von der „Umweltstiftung Michael Otto“ und dem Deutschen Bauernverband Anfang 2017 ins Leben gerufenen Studie „F.R.A.N.Z.“ teilnehmen,

„F.R.A.N.Z.“ steht „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft“. Der etwas sperrige Titel sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich für die Studie Partner zusammengetan haben, die sich im Bild der Öffentlichkeit längst nicht immer grün waren. Gemeinsam wurde ein Katalog mit bislang rund einem Dutzend Maßnahmen zusammengestellt, aus dem die Betriebsleiter der teilnehmenden Landwirtschaftsbetriebe und ihre Berater (in Bayern von der Bayerischen KulturLandStiftung gestellt), geeignete Maßnahmen für fünf bis zehn Prozent der Fläche des jeweiligen Demonstrationsbetriebes aussuchen. Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt. Aus Bayern nehmen zwei Betriebe teil, vorgestellt wurde in Kempten der Grünlandbetrieb „Spitalhof“, der zweite bayerische Betrieb ist ein Ackerbaubetrieb in Niederbayern.

Extensives Versuchspotenzial

Die Maßnahmenauswahl und ihre Umsetzung, versicherten Dr. Claudia Kriegebaum von der Bayerischen KulturLandStiftung und Dr. Laura Sutcliff von der Georg-August-Universität Göttingen, werde durch ökologische und ökonomische Forschung begleitet. Die für die Studie ausgewählten Betriebe müssen zudem einigen Anforderungen genügen. So sollten die Betriebe beispielsweise „finanziell gefestigt“ sein und ihre Flächen intensiv bewirtschaften. Auf dem Spitalhof, erläuterte Betriebsleiter Matthias Wiedemann, wurden die für das Projekt vorgesehenen Flächen extensiviert, also nicht gedüngt und erst im September gemäht. Bei intensiver Grünlandwirtschaft wird im Allgäu je nach Lage und Wetter bis zu fünfmal gemäht. Eine der extensivierten Flächen werde zweigeteilt. Ein Abschnitt wird im Mai, der andere im September gemäht. Im Folgejahr wird der Mähzeitpunkt gewechselt. Dadurch bleibe immer ein Bereich als ausreichend langer Rückzugsort für Insekten und somit als Nahrungsquelle für Feldvögel erhalten.

Warten auf bunt blühende Wiesen

Beim Ortstermin machte sich eine gewisse Enttäuschung breit: Inmitten der sattgrünen Intensivweide sieht die aus der üblichen Bewirtschaftung genommene Extensivfläche ein wenig vernachlässigt aus. Ausgewachsenes, braunes Weidelgras liegt flach am Boden, robustere Pflanzen recken sich keck in die Höhe. Expertin Dr. Kriegebaum beeilt sich, in die Zukunft dieser Naturschutzfläche zu blicken: Weil die Flächen meist vom intensiv genutzten, artenarmen Grünland umgeben seien, müsse im Frühjahr nachgeholfen werden. Für eine Nachsaat kommen ausschließlich ausgesuchte Samenmischungen aus der Region zum Einsatz. Bis die sich durchgesetzt haben, müsse darauf geachtet werden, dass sich „unerwünschte Arten“ nicht in die umgebenden Flächen verbreiten. Ein weiteres Problem: Die September-Ernte der Grünland-Naturschutzflächen eignet sich nicht als Tierfutter. Sie muss kostenpflichtig kompostiert werden.

Individuelle Berechnungen

Der teilnehmende Landwirt bekommt die entstehenden Kosten sowie Mindereinnahmen erstattet, wobei Kosteneinsparungen ebenfalls berücksichtigt werden. Die Berechnungen, die das namhafte Thünen-Institut für Betriebswirtschaft für jeden der Betriebe individuell erstellt, können „für ein und dieselbe Maßnahme stark variierende Kosten“ ergeben. Der Erfolg werde an sechs „Organismengruppen“ überprüft. Neben Pflanzen und bodenständigen Tierarten werden Auswirkungen auf die Bestäubung sowie „die bodenbiologische Aktivität“ untersucht. Ziel des Projektes sei letztlich eine Übertragung der Erkenntnisse auf weitere landwirtschaftliche Betriebe. Für die erste Förderperiode bis Ende 2019 beträgt die Fördersumme 3,7 Millionen Euro. Nach Projektende sollen erfolgreich erprobte Maßnahmen in Förderprogramme des Bundes und der Länder einfließen.

Weitere Informationen, etwa über „Hindernisse und Perspektiven bei der Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen“ sind im Internet unter www.franz-projekt.de zu finden.

Jochen Schuh

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