Hilfreiche Tipps

Was muss ich beim Rollstuhlschieben beachten?

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Besonders hilfreich war für die Teilnehmer das praktische Training. Hier erläutert Therapeutin Slavka Pocurekova den Übergang an der Bordsteinkante.

Kempten – Soll ich helfen? Kann ich das überhaupt? Will derjenige meine Hilfe denn tatsächlich? – Fragen wie diese tauchen bei einem persönlich im Alltag schon mal auf, wenn man jemanden im Rollstuhl am Fuße einer Steigung oder im Kampf mit einem holprigen Untergrund sieht… oder ein Angehöriger nach einem Schlaganfall plötzlich im Rollstuhl sitzt.

Jetzt hat das Koordinationszentrum bürgerschaftliches Engagement „Gemeinschaft bringt´s“ in Kooperation mit der Körperbehinderte Allgäu/ Mobiler Dienst Villa Viva ein „Rollstuhltraining“ für Angehörige und Interessierte angeboten. „Wir möchten Vorurteile aufbrechen und zugleich niedrigschwellig auch den Zugang zu einem möglichen Ehrenamt eröffnen“, erläuterte Elvira Schmid vom Koordinationsbüro die Workshop-Idee.

„Bedenken Sie, dass der Rollstuhlfahrer – beispielsweise ein Schlaganfallpatient – ja in dem Moment, wo Sie schieben, von Ihnen abhängig ist. Also sprechen Sie mit ihm, wenn Sie ihn beispielsweise bei einer Bordsteinkante leicht nach hinten kippen“, informierten die Therapeuten. Beim Selbstversuch stellte eine Angehörige fest: „Es ist wirklich irritierend, wenn man geschoben wird, und dann ruckartig nach hinten gerissen wird.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch, wie sicher sich jemand im Umgang mit dem Rollstuhl beim Schieben zeigt. „Jede Unsicherheit überträgt sich auf den, der im Rollstuhl sitzt“, so Paolo DeMartin, einer der beiden Therapeuten der Fachdienste Villa Viva. „Die Kommunikation zwischen Schieber und Rollstuhlfahrer ist wichtig. Man sollte sagen, was man vorhat oder auch fragen, was der Mensch im Rollstuhl will.“

Ziehen angenehm

Angenehm fand eine Teilnehmerin übrigens nicht das Schieben, sondern das Ziehen. „Gerade auf unebenen Strecken wird dabei durch die großen Hinterräder mehr vom Ruckeln aufgefangen. Wird man dagegen vorwärts geschoben, tanzen die kleinen Räder über die Fläche und man wird mehr durchgeschüttelt.“ Obacht ist beim Überqueren der Bordsteinkanten gefragt. Hier verkeilen sich die kleinen Vorderrä- der leicht. Hilfreich waren bei dem Training vor allem die eigenen Erfahrungen der Teil-nehmer im Rollstuhl. „So entwickelt man selbst ein besseres Gefühl dafür“, bestätigte ein Teilnehmer.

Für das Koordinationsbüro war dieses erste Training eine wertvolle Erfahrung. Elvira Schmid: „Das werden wir sicherlich in anderer Form noch einmal wiederholen.“

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