Widersprüchliche Informationen

Transparenz sieht anders aus

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Finden, dass in dem maroden Gebäude Dornstraße 7 keine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen möglich ist: (v.l.) Rahel Hagspiel, Carmen Cremer und Dirk Patermann.

Mehr Transparenz wünschen sich Dirk Patermann, Carmen Cremer und Rahel Hagspiel was die Unterbringung von Asylbewerbern in Kempten angeht. Konkret geht es ihnen um das Haus in der Dornstraße 7, das laut Stadt ab 1. November als Gemeinschaftsunterkunft für 60 Flüchtlinge bereit stehen soll.

Das hat bei den beiden direkten Nachbarn Patermann und Cremer für Verwunderung gesorgt. Das Haus kennen sie gut, da Hagspiel bis August diesen Jahres noch dort Mieterin gewesen ist und, wie die anderen Mieter dort auch, wegen Grundsanierungsmaßnahmen gekündigt wurde, wie sie erzählten. Dass die dringend nötig sind, weiß Hagspiel aus eigener Erfahrung. Gegenüber dem Kreisboten berichtete sie von feuchten Wänden und Schimmel und auch davon, dass es derzeit keine Heizung im Haus gibt, da die bislang genutzten Ölöfen inzwischen entfernt worden seien. Zudem seien zwei der Wohnungen noch bewohnt. Gemacht wurde bislang nach Auskunft der Drei „nicht viel“. Auch von außen macht das Gebäude zugegebenermaßen keinen Vertrauen erweckenden Eindruck. Mehrfach hätten sie bei der Stadt und auch bei der Regierung von Schwaben nachgefragt, aber keine Antworten bekommen. Bei der Stadt nicht, weil die Regierung von Schwaben für die Gebäude zur Unterbringung zuständig ist und bei der Regierung nicht, weil die dafür zuständige Person laut Cremer „nichts von der Dornstraße wusste“. Statt die Flinte ins Korn zu werfen haben die drei engagierten Menschen daraufhin für einen Leserbrief (siehe Kreisbote vom 18. Oktober) Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt, die inzwischen auf insgesamt über 30 angewachsen sind. Es sei ja „niemand dagegen“, dass Flüchtlinge hier untergebracht werden sollen, betont das Trio unisono, aber „es ist hier kein Viertel, in dem die Leute nebeneinander her leben“, sondern man pflege guten Kontakt quer durch alle sozialen Schichten und Nationalitäten. Deshalb sei ihnen eine „menschenwürdige Unterbringung“ auch im Sinne der bisher gut funktionierend Integration in diesem Quartier ein Anliegen, zumal es um „drei bis fünf Jahre“ gehe. 

Auf Anfrage des Kreisboten erklärte Karl-Heinz Meyer von der Pressestelle der Regierung von Schwaben, dass „für die Anmietung des Objekts Dornstraße in Kempten bisher lediglich ein Angebot vorliegt“. Über den Abschluss eines Mietvertrags sei noch nicht entschieden, zumal „notwendige Sanierungsarbeiten nach unseren Erkenntnissen noch nicht weit fortgeschritten“ und einige Wohnungen noch bewohnt seien. „Es ist deshalb momentan nicht erkennbar, ob es überhaupt und – falls ja – wann zu einem Vertragsabschluss kommt.“ Er bat um Verständnis, dass aufgrund der momentanen Überlastung die Nachfrage, welche Gebäude denn aktuell in Kempten für eine mögliche Unterkunft geprüft werden, nicht beantwortet werden kann. 

Auch Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales, weiß um die Sorgen der Anwohner rund um die Dornstraße 7. Da hier aber die Regierung von Schwaben zustän- dig sei, habe er die Informationen schlichtweg nicht, die auch bei ihm angefragt worden seien. Auch er würde eine bessere Informationspolitik als hilfreich begrüßen, um den Kemptener Bürgern mehr Transparenz bieten zu können. Dass es noch gar keinen Mietvertrag zwischen der Regierung und dem Hausbesitzer gibt, höre er jetzt zum ersten Mal, wie er im Gespräch mit dem Kreisboten überrascht eingestand. Da die eingeplante Gemeinschaftsunterkunft nun – zumindest vorerst – wegfällt liegt der Ball bei der Stadt, die laut Mayer für die „dezentrale Unterbringung“ sorgen muss. Das heißt: Wohnungen finden. Christine Tröger

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