Generationenübergreifende Demo

"Wenn ihr nicht handeln wollt, dann handeln WIR. Fridays for Future."

+
Rund 2000 Menschen aller Generationen drängten sich um die Bühne auf dem Rathausplatz.

Kempten – Ganz schön was zu wuppen hatte am Freitag Gunnar Hartmann aus Haldenwang. Der 17-jährige Schüler der Freien Schule Albris bildete mit Megafon in der Hand die Spitze des Demonstrationszuges, der auf dem Weg vom Startpunkt August-Fischer-Platz, den Freudenberg hinunter bis zum Ziel Rathausplatz beständig anschwoll. Am Ende waren es laut Polizei etwa 2000 Menschen aller Generationen, die sich mit der Fridays-for-Future-(F4F)-Bewegung solidarisch zeigten.

Diese hatte am vergangenen Freitag weltweit zu Großdemonstrationen aufgerufen. Auf Plakaten standen Slogans wie: „Für Schnitzel brennt der Regenwald“ oder „Füße sind wie Autos, nur besser“. Lautstark forderten sie mehr und vor allem einen schnelleren Klimaschutz. „Klima-Schutz, Klima-Schutz, Klima, Klima, Klima, Schutz, Schutz, Schutz“, „Kohle Stopp, hopp, hopp, hopp“ wurden skandiert und „Gaffer“ aufgefordert, sich dem Zug doch lieber anzuschließen. 

Und gleich am Kopf des Zuges sorgte ein Transparent für Klarheit über die Zielsetzung: „Wenn ihr nicht handeln wollt, dann handeln wir. Fridays for Future.“ 

Um die Bühne am Rathausplatz wurde es dann richtig eng. Neben auflockerndem Rahmenprogramm kamen unter anderem der Fahrradclub (ADFC) zu Wort und Patrizia von „Extinction Rebellion“ rief zum „zivilen Ungehorsam“ auch der Erwachsenen auf, „bis die Regierung endlich handelt“. Ihre Forderungen an die Regierung: 1. Sag die Wahrheit“, 2. „Handelt jetzt“ und 3. „Politik muss neu gelebt werden“. 

Als Interviewpartner bat Gunnar Hartmann Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle auf die Bühne, der sich „beeindruckt“ von der großen Teilnehmerzahl in Kempten und auch weltweit zeigte. Klar sei für ihn, „das Ziel eint uns alle, nämlich mehr Klimaschutz“. In den letzten 20 Jahren sei hier in Kempten dafür auch schon viel geschehen. Beifall erntete Kiechle dafür, dass seit kurzem ein F4F-Mitglied im Klimaschutzbeirat ist. Wir „sind mitten dabei“, die Klimaschutzziele der Stadt auf die Pariser Klimaschutzziele 2015 umzuschreiben und weiter zu verschärfen. Unter anderem habe man bereits eine Solaroffensive gestartet. 

Dennoch, bremste Hartmann den Optimismus des OB, verfehle Kempten die Klimaziele 2019 „meilenweit“. Kiechle seinerseits mahnte an, dass es gelte, „achtsam gegenüber der Natur umzugehen“, aber auch gegenüber den Mitmenschen und sich nicht nur auf das Thema Klimaschutz zu beschränken. Ein Thema sei sicher der ÖPNV und „wir wollen und werden die Busangebote verbessern“, versprach er. Zugleich wies er aber darauf hin, dass „es auch andere Themen in der Politik zu beachten gibt“. 

Die Frage aus dem Publikum, warum es ab der 11. Klasse keine Buskarte mehr gebe, begründete Kiechle mit den insgesamt schon hohen Zuschüssen für den ÖPNV. 

Statt Beifall laute Buh-Rufe erntete er für die Seilbahn-Pläne und seinen Hinweis, dass diese CO2-neutral sei. Auf den Youtuber Rezo angesprochen, sagte Kiechle, dass er sich so etwas gar nicht anschaue und noch für die „old school“, nämlich den direkten Kontakt, stehe. Auf jeden Fall sei es beim Klimaschutz gut, „wenn ihr da Druck und Dampf macht“. Aufgabe der Politik sei es dann „gute und richtige Entscheidungen zu treffen, die auch nachhaltig und langfristig richtig sind“. 

In vielen Sachen habe Kiechle „schon recht“, man könne „nicht immer nur die Politik für alles verantwortlich machen, meinte Isabel aus einer Gruppe von Rapunzel in Legau. „Schöne, allgemeine Worte“ habe der OB gesprochen und auch das Attribut „ausweichend“, nannte Elfriede Sailer, die mit dem Rad aus Sulzberg gekommen war, nach dem Interview. An ihr wird deutlich, dass auch die ältere Generation Handlungsbedarf sieht. Sie ist Teil einer Gruppe, die hier die Initiative „Rettet den Grünten“ vertrat und die – bei weitem nicht als einzige an diesem Tag – die schlechten Radwege in Kempten kritisierte. 

„Nicht so wirklich“ überzeugt hat Kiechle die Kemptenerin Claudia und ihre Tochter Brigitte. Als konkrete Maßnahme sieht Claudia dass die Stadt als Anteilseigner des Stromanbieters AÜW dafür sorgt, dass nur noch regenerative Energie zum Einsatz kommt. 

„Nicht überzeugend“ ist das Fazit zu Kiechles Auftritt von Sepp Heinzelmann aus Durach. Auch er kritisiert die schlechte Infrastruktur für den Radverkehr in Kempten. „Man räumt dem Auto viel zu viel Bedeutung und Platz ein“, pflichtete ihm der ebenfalls Duracher Bernd Holzhauser bei. 

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Aus dem Bachtelweiher wird so schnell wohl kein Badegewässer
Aus dem Bachtelweiher wird so schnell wohl kein Badegewässer
Erstklassige Weiterbildung mit WBS TRAINING in Kempten.
Erstklassige Weiterbildung mit WBS TRAINING in Kempten.
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Architekturstudentin nimmt Stiftsbleiche ins Visier
Architekturstudentin nimmt Stiftsbleiche ins Visier

Kommentare