Genüsse in Moll

Eine Zeitreise mit den Münchner Symphonikern

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Chefdirigent Kevin John Edusei beim Herbstkonzert in der Klassik-Box.

Kempten – Eine Zeitreise, oder eher Zeitsprünge auf musikalischer Ebene durften die Gäste letzten Sonntag in der sehr gut gefüllten Klassik-Box beim Herbstkonzert unter dem Titel „Westwärts“ erleben. 

Die Münchner Symphoniker eröffneten mit ihrem Chefdirigenten Kevin John Edusei die aktuelle Konzertsaison in der Klassik-Box in Kempten.

1898 lehnte Edward Elgar einen Kompositionsauftrag für das große „Three Choirs Festival“ in Gloucester ab und schlug seinen jungen und sehr talentierten Schüler Samuel Coleridge-Taylor vor. Dessen „Ballade a-Moll op. 33“ verzauberte am Sonntagabend wie auch damals die Zuhörer. Was bewegte die Welt seinerzeit noch? Pierre und Marie Curie entdeckten das Radium, Bertold Brecht wurde in Augsburg geboren, Graf Zeppelin ließ ein Patent für lenkbare Luftfahrzeuge eintragen und Kaiserin Sisi wurde am Genfer See durch einen Stich ins Herz ermordet.

Im Dezember 1939 erklang erstmals das „Konzert für Violine und Orchester“, das William Walton für den legendären Geiger Jascha Heifetz quasi passgenau auf die Violine geschrieben hatte, bis heute eine fantastische Formel für Zauberkünstler auf der Geige. Die gefeierte koreanische Geigerin Fabiola Kim, Jahrgang 1991, begann als Vierjährige ihr Studium und gab drei Jahre später mit dem Seoul Philharmonic Orchestra ihr Konzertdebüt. Also mit ihr die bestens passende Besetzung, um William Waltons Zauberformel in der Klassik-Box zu zelebrieren. 1939 war das Todesjahr von Sigmund Freund und der österreichische Rockmusiker Peter Kraus erblickt in München das Licht der Welt.

Nach der Pause dann ein zeitlicher Sprung zurück ins Jahr 1893. Antonín Dvorák wurde nach Amerika gerufen. Nach intensivem Studium der Lieder von Plantagensklaven, Indianern und Spirituals schuf er Sinfonien aus der Neuen Welt. Sinfonie Nr. 9 e-Moll op.95 intonierten die Münchner Symphoniker.

Es war irgendwie ein ernster Abend, Musik in Moll, Edusei gab entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten keine Einführung und machte – bis auf einen kurzen Moment – ein ernstes Gesicht. Aber in erster Linie waren die Gäste wegen der Musik gekommen. Und hier durften die Zuhörer wieder höchst zufrieden sein. Ach ja, was war sonst noch los 1893? Karl May schreibt Winnetou, die amerikanische Frauenrechtlerin Lucy Stone stirbt in Boston und als einheitliche Uhrzeit wird in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit eingeführt. Freuen wir uns auf neue musikalische Zeitreisen und darauf, solche Leckerbissen in Kempten genießen zu dürfen.

Achim Crispien

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