Geordnet oder gar nicht feiern

Wo es sich für den Rest des Jahres Kinder und Familien in der Idylle der Illerwiesen gut gehen lassen, toben sich jedes Jahr im Frühsommer die Schulabgänger aus. Da das aber jetzt verboten wurde, will die Stadt den Schülern eine Alternative bieten. Foto: Matz

Dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist, musste der Ausschuss für öffentliche Ordnung am Mittwoch erkennen. Schließlich ist die Stadtverwaltung heuer de facto als Veranstalter der alljährlichen Schulabschlussfeiern in den Illerwiesen aufgetreten und hat damit geduldet, was eigentlich verhindert werden sollte: Übermäßiges Trinken durch Jugendliche. „Wir haben das in Kauf genommen“, bilanzierte Stadtdirektor Wolfgang Klaus. Damit ein solches Paradoxon nicht noch einmal passiert, hat der Ausschuss auf Anregung von Stadtrat Peter Wagenbrenner (CSU) die Verwaltung beauftragt, ein Konzept für zukünftige Schulabschlussfeiern zu erarbeiten. Vorstellen können sich die Stadträte unter anderem eine gemeinsame Feier im Illerstadion oder eine enge Abstimmung mit Kemptener Bars und Discotheken. Feiern in der Öffentlichkeit sind dagegen künftig grundsätzlich verboten.

Sind die letzten Klausuren geschrieben – oder hat bloß der Kumpel oder der Kumpel eines Kumpels eine wichtige Prüfung bestanden – , ist das natürlich ein Grund zu feiern. Und so ziehen Jahr für Jahr die Kemptener Schüler im Juni und Juli in die Illerwiesen, um es dort krachen zu lassen – mit zum Teil erhebliche Kollateralschäden und Nachwirkungen wie ganze Müllberge. Mittlerweile scheint das idyllische Areal sogar so beliebt zu sein, dass Schüler aus umliegenden Gemeinden, in denen das Feiern verboten ist, nach Kempten kommen. Doch damit soll nun Schluss sein. Bislang hatte die Stadt die Feiern geduldet, da man davon ausgegangen war, dass es sich lediglich um Verstöße gegen die Grünanlagensatzung handle, die tolerierbar seien. Künftig aber will die Stadtverwaltung selbst die Oberhoheit über die Schulabschlussfeiern haben. Ein entsprechender Beschluss des Ausschusses erfolgte einstimmig. So soll künftig verhindert werden, dass es Schüler und Jugendliche so wie in diesem Jahr unter den Augen des Ordnungspersonals von Stadtverwaltung und Polizei allzu bunt treiben. Wegen des Lärms und des vielen Mülls in der Vergangenheit hatten Verwaltung und Polizei die Feiern heuer „intensiv begleitet“. Dabei wurde deutlich, dass es um viel mehr als die Grünanlagensatzung geht: „Vielmehr wird unter der Vorgabe, dass den Jugendlichen das Feiern ihres Abschlusses ermöglicht werden soll, faktisch das geduldet, was gerade nicht nur aufgrund der städtischen Satzungen, sondern vor allem aufgrund jugendschutzrechtlicher Vorgaben verhindert werden sollte“, erklärte Sabine Colberg, Leiterin des Rechts- und Ordnungsamtes: „Der exzessive Alkoholkonsum Jugendlicher und Heranwachsender sowie die damit einhergehenden Folgen.“ Ein weiteres bloßes Begleiten und Tolerieren der Exzesse dürfe es also nicht geben, betonte Colberg. „Das würde für die Stadt ein unberechenbares Haftungsrisiko aufgrund der faktisch übernommenen Veranstalterrolle bedeuten“, so die Amtsleiterin weiter. Kein totales Verbot Allerdings gebe es nur zwei Alternativen: Entweder man verbietet sämtliche Schulabschlussfeiern im öffentlichen Raum generell wie heuer nach einer Woche Dauerparty, oder man bietet den Schülern einen offiziellen Schulabschluss-Event, eine „schools-out-party“ an, erklärte Colberg. „Das erleichtert den Bruch mit der bisherigen schlechten Tradition und stellt ein nachvollziehbares Argument für das Verbot dar.“ Bei den Stadträten stieß dieser Vorschlag auf breite Zustimmung, schließlich wollte keiner den Schülern das Feiern gänzlich verbieten. Allerdings muss nun ausgearbeitet werden, wie eine solche Party organisiert werden kann. Vor allem müsse beachtet werden, dass Jugendliche unter 16 an keinen Alkohol kommen können. Zudem müssten strenge Einlasskontrollen vorgenommen werden. Bürgermeister Josef Mayr (CSU) sprach in diesem Zusammenhang von einem „gemeinsamen Treffen in einem kontrollierten Rahmen“. Peter Wagenbrenner, Initiator der Diskussion, meinte: „Wir brauchen so etwas wie einen WM-Effekt – das Spiel ist aus und alle gehen auf den Rathausplatz“, sagte er. Möglicher Austragungsort in diesem Fall könnte das Illerstadion sein. Fraktionskollege Stephan Prause regte dagegen an, das Gespräch mit den Kemptener Disco- und Barbesitzern zu suchen, die nach Absprache ihre Locations gegen Miete den Kemptener Schülern zur Verfügung stellen könnten.

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