"Alles, alles war immer perfekt!"

Georg und Janina Teuber stoßen auf 60 Jahre Ehe an

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Janina und Georg Teuber feierten ihre Hochzeit vor 60 Jahren

Kempten – Wer dies wie Janina Teuber nach 60 Jahren Ehe sagen kann, kann von großem Glück reden. Schon die mit einem Kranz, der Zahl 60 und einem weißen Schleier geschmückte Eingangstür zum Reihenhaus auf dem Bühl zeugt von einem großen Tag. Georg und Janina Teuber feiern heute Diamantene Hochzeit.

Auf die Frage, wann und wo sie sich kennengelernt haben, antwortet Georg Teuber: „Uns haben Engel zusammengeführt.“ Georg, aufgewachsen mit neun Geschwistern im oberschlesischen Halemba in der Nähe von Kattowitz, fährt im Zug zu einer neuen Arbeitsstelle in Richtung Westen. Janina fährt an diesem Tag im gleichen Zug nach Klodzko (Glatz), wo beide umsteigen müssen. 

Sie fahren weiter nach Bad Reinerz, wohnen im selben Hotel und arbeiten im selben Krankenhaus. Janina ist nach ihrem Abitur Diplom-Krankenschwester, Georg gelernter Maurer. Danach treffen sie sich in der Disko zum Tanzen. „Wir könnten uns doch wieder treffen“, meint Janina. So treffen sie sich jedes Wochenende über Wochen und Monate hinweg. Nach einem Jahr beschließen sie, für immer zusammenzubleiben und zu heiraten. 

Für Georg Teuber war besonders schmerzhaft, dass seine Familie nach dem Krieg umgesiedelt wurde und sie seither in einer Kellerwohnung wohnen mussten. Dort heiratete er am 24. Oktober 1959 seine Janina. Auf seine Einwände, es sei ja nur eine Kellerwohnung bei den Eltern gewesen, versichert ihm Janina: „Alles, alles war immer perfekt, Georg!“ Vorher hatte er ihr einmal versprochen: „Wenn du mich heiratest, baue ich dir ein Haus!“ Bis dahin war aber noch ein langer Weg.

Schließlich wohnte das frisch vermählte Paar acht Jahre lang in einer eigenen Wohnung in Bad Reinerz in Niederschlesien. Dort kam auch 1960 Tochter Brigitte zur Welt. Wegen der Arbeit verschlug es die junge Familie nach Oberschlesien. Dort wurde der Traum vom eigenen Haus dann endlich wahr. Ganz allein, nur mit Hilfe seiner jungen Frau, baute Georg Teuber ein „super Haus“, wie beide einstimmig versichern. 

Der lange gehegte Wunsch, nach Deutschland auszureisen, erweist sich als schwierig, weil die Eltern alt und schwach sind. Im Jahr 1980 ist es dann endlich so weit. Nur mit ein paar Koffern reist die kleine Familie nach Deutschland, offiziell zu Besuch bei Verwandten, denn Georgs Brüder leben bereits in Deutschland. In Polen in der Kommunalpolitik tätig, musste er seinem Bürgermeister versprechen, zurückzukommen, was er aber nicht vorhatte. Nur ein Monat Urlaub war ihm für die Ausreise gegönnt. 

In Kempten angekommen fand Georg Teuber sofort Arbeit bei einem Wohnungsbauunternehmen. Bis zu seiner Pensionierung war er dort tätig und damit sehr glücklich. Mit seinem Chef fühlte er sich verbunden wie mit einem Bruder. Auch Janina fand bald eine Anstellung: als Diplomkrankenschwester im Kreiskrankenhaus Kempten, 20 Jahre lang als Nachtschwester und immer allein im Dienst. Zuerst musste sie allerdings Deutsch lernen. Dafür musste sie neun Monate lang jeden Tag, im eisigen Winter oft unter Tränen, nach Augsburg zum Sprachkurs fahren, da es damals in Kempten noch keine Sprachkurse gab. „Wir haben immer gearbeitet, waren nie arbeitslos“, betonen beide Eheleute stolz. 

Heute wohnt das rüstige Ehepaar idyllisch am Stadtrand in einem Reihenhaus mit Garten und Blick über eine Viehweide mit Kühen auf den Grünten und die ganze Allgäuer Bergkette. Viele Ausflüge im eigenen Auto haben sie gemacht, seit sie hier wohnen und viele Reisen: mit dem Bus nach Skandinavien, London, Paris, Mailand und Ibiza. Besonders die Schlösser in Bayern und in anderen Ländern haben es ihnen angetan. Dafür haben sie sich extra einen Reiseführer gekauft. Auch Tochter Brigitte hat sie immer gerne auf den Schlössertouren begleitet.

Im Winter sind die Teubers früher gerne Langlaufen gegangen. Eines Tages stellten sie fest, dass auch „alte Leute“ noch Abfahrtski fahren. Warum sollen wir das nicht probieren, meinten sie, und kauften sich eine komplette Skiausrüstung. Dann ging es zum Skilaufen nach Oberjoch, Balderschwang und ein paarmal zum Skiurlaub nach Laax in der Schweiz. 

Oberbürgermeister Thomas Kiechle freute sich besonders über ein paar persönliche Anekdoten über seinen Vater. Den damaligen Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle hat Georg Teuber persönlich gekannt. Er traf ihn öfters beim Einkaufen von Baumaterial in der nahe gelegenen Baustoffhandlung. Sie seien ja fast Nachbarn gewesen, meint Janina Teuber. Sie sei früher immer zum Milchholen zum Nachbarhof der Familie Kiechle gegangen. 

Richtig gefeiert wird die Diamantene Hochzeit erst am Wochenende, denn da kommen auch die beiden Enkeltöchter mit ihren Partnern aus München. Sie hoffen, dass die Ältere der beiden kommen kann, denn sie ist hochschwanger. Bald werden Georg und Janina Teuber Urgroßeltern. Darauf freuen sie sich schon sehr. Dann ist alles wieder perfekt.

Uschi Ostermeier-Sitkowski

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