Bürger wehren sich

"Ich bekam einen dicken Hals"

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Fiona (rechts) und ihre Schwester Leonie zeigen Baureferentin Monika Beltinger (hinten rechts) Bilder aus der Dreherstraße, wo die beiden Schulkinder und ihre Freunde fast täglich spielen. Gerhard Bachl (links) hofft, dass dies trotz der Bebauung der Halde-Nord weiterhin möglich ist.

Kempten – Als ehemaliger Mittelgewichtler und Mitgründer des Star-Box-Clubs-Kempten ist Gerhard Bachl eine richtige Kämpfernatur.

Nun steht er zwar nicht mehr im Ring, aber zusammen mit seiner Frau Susanne und weiteren Mitstreitern tritt er jetzt gegen andere ″Gegner″ an − die vagen Absichten der Stadt, das geplante Wohngebiet Halde-Nord aus südlicher Richtung zu erschließen.

„Ich bekam einen dicken Hals, als ich aus der Presse von den Bauplänen der Stadt erfuhr“, sagte Gerhard Bachl am Freitagabend vergangener Woche im großen Saal des Pfarrheims „St. Michael“. Seine Frau und er hatten diese Bürgerinformation organisiert. Bachl selbst war von der großen Resonanz überrascht. Der Pfarrsaal, der Platz für knapp 230 Leute bietet, war rappelvoll. „Ich rief bei der Stadt an und musste erst einmal Luft ablassen“, erzählte Bachl weiter. Die Kemptener Baureferentin Monika Beltinger habe ihn erst einmal beschwichtigt.

Die aufgebrachten Bürger und vor allem Anwohner des Baugebiets zu beruhigen, schien auch die Hauptaufgabe von Monika Beltinger an die-sem Abend zu sein. „Wir stehen bei der Entwicklung erst am Anfang. Wir wollen sehen, was wir bei der Planung berücksichtigen müssen.“ Bislang gebe es nur ein Grundkonzept für das Wohngebiet Halde-Nord. Es sei ein offenes Geheimnis, dass in Kempten großer Bedarf an Wohnraum bestehe. „Uns ist klar, dass die Fläche nur in mehreren Schritten bebaut werden kann.“ Der erste Bauabschnitt solle möglichst schnell realisiert werden. Mit dem zweiten Bauabschnitt werde man vermutlich erst in 20 Jahren beginnen können. Für die Bebauung des gesamten Gebietes benötige man wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte.

Baureferentin Beltinger versprach den Bürgern, dass die Erschließung nicht über die Halde-Süd erfolge, sondern über den Kreisverkehr bei der Firma Dachser. Das heißt, die „Tobias-Dannheimer-Straße“ würde verlängert.

Für Ärgernis sorgt jedoch vor allem die geplante Verkehrsanbindung an die Heiligkreuzer Straße im Westen, die dann über eine Grünbrücke und den „Dachser-Kreisel“ mit der Nordspange verbunden wäre. „Hier wird man mit Lärmproblemen rechnen müssen“, so Beltinger. „Die Anbindung muss so sein, da es sonst eine Bremsung gibt.“ Gleichzeitig dürfe die geplante Anbindung natürlich nicht zum Durchgangsverkehr einladen.

Christoph Bodenstab hatte dabei starke Bedenken. „Die Anbindung an die Heiligkreuzer Straße ist nicht zielführend.“ Autofahrer aus Thingers, die über die Nordspange zur A7 wollen, würden ebenfalls verleitet, diese zu benutzen. Außerdem seien die Anliegerstraßen für den Schwerlastverkehr der Baufahrzeuge nicht ausgelegt. Und die Kreuzung Memminger Straße/Lotterbergstraße ent-wickele sich immer mehr zu einem Nadelöhr für den Verkehr. Er erntete großen Applaus.

„Wie wollen Sie den Bauverkehr von der Halde-Süd fernhalten“, fragten einige Bürger Beltinger. Auch Bachl, der selbst im Oberen Haldenweg wohnt, befürchtet einen Verkehrskollaps. Er forderte die Bürger auf, die kommenden Sitzungen des Bauausschusses zu besuchen. Denn die Stadträte dürften eines nicht vergessen. „Sie wurden von uns für uns gewählt.“

Franziska Kampfrath

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