Geplante Spontanität

Es ist ein ganz normaler Abend in der Bibliothek der Hochschule. Studenten sitzen über ihren Lehrbüchern und Unterlagen, bereiten sich auf ihre Prüfungen vor. In großer Schrift steht auf einem Schild am Eingang „Bitte Ruhe einhalten“ Doch um 17.50 Uhr ist es vorbei mit der Ruhe. Lautes Gejohle ertönt von draußen, die Tür geht auf und unzählige Studenten strömen in die Bibliothek. Der Grund? Der erste so genannte „FlashMob“ in Kempten am vergangenen Donnerstags.

„FlashMobs“ sind Menschenaufläufe, die scheinbar spontan zusammen kommen, das Hier und Jetzt feiern und überschüssige Energie ablassen – mit Gesängen, Umarmungen und scheinbar vollkommen sinnfreien Aktionen. Dabei verläuft ein „FlashMob“ alles andere als spontan. Schon lange im Voraus wird vor allem über das Internet die Aufsehen erregende Aktion geplant. Auch in Kempten organisieren sich die Teilnehmer in der Internet-Studenten-Community „StudiVZ“. Dort meldeten sich schnell über 500 Studenten zum FlashMob an. Auch wenn dann lange nicht alle kamen. Über Mundpropaganda wurden Freunde und Bekannte vom Vorhaben informiert. Viele schüttelten den Kopf, fragten nach dem Sinn der Aktion. Es ist eigentlich Aktionskunst ohne direkte Aussage. Beim Kemptener „FlashMob“ wurde die Hochschul-Bibliothek kurzerhand in eine Diskothek verwandelt. Laute Musik ertönte aus aufgestellten Boxen. Es wurde gejohlt, geklatscht und getanzt. Bei den „FlashMobs“ ist der Überraschungseffekt genauso wichtig wie die verdutzten Gesichter der Passanten. So war es schon beim ersten Mob, der sich in New York ereignete. Seit einigen Jahren nun geistert der Trend auch durch Deutschland. Im Internet ist bereits eine FlashMob-Szene entstanden. So schlagartig diese Aufläufe entstehen, so schnell lösen sie sich auch wieder auf. In der Regel dauern sie nur kurz an. So auch in Kempten. Nach nur zehn Minuten verließen die FlashMobber wieder die Bibliothek und es kehrte wieder die alltägliche Ruhe ein.

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