Bundesminister Dr. Gerd Müller macht beim Besuch in der Heimat Halt im Rathaus und im HI

Freudige und interessante Stationen

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OB Thomas Kiechle (li.) schaut Dr. Gerd Müller beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Kempten über die Schulter.

Kempten – Volles Programm absolvierte der örtliche Bundestagsabgeordnete Dr. Gerd Müller, seit Dezember 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei seinem diesmal offiziellen Besuch in Kempten. Er war der Einladung von OB Thomas Kiechle ins Kemptener Rathaus gefolgt, wo nicht nur ein Eintrag ins Goldene Buch auf der Agenda stand.

Denn, wie Kiechle es formulierte, verbanden „glückliche Umstände“ den Besuch des Bundespolitikers mit einem „wichtigen Ereignis“: „Kempten erhält heute aus Ihrer Hand die Auszeichnung als Fairtrade-Town“. Für die Stadt sei damit die „Überprüfung der Beschaffungskriterien“ bei Produkten und Dienstleistungen verbunden, bei denen künftig verstärkt auf die Verantwortung „für die am Produktionsprozess beteiligten Menschen in Bezug auf menschenwürdige Produktionsbedingungen und eine faire Bezahlung“ geachtet werde. Gleiches soll künftig bei Ausschreibungen eingefordert und berücksichtigt werden. Zusätzlich sehe sich die Stadt auch in der Verantwortung das Thema „Nachhaltige Entwicklung“ voranzubringen. Über Plattformen und Netzwerke soll das Wissen über globale Zusammenhänge und nachhaltiges verantwortungsbewusstes Handeln für Kinder wie Erwachsene zugänglich gemacht werden, so Kiechle weiter. Ziel sei die Befähigung, „effektiver und offener mit Herausforderungen globaler Entwicklungsthemen umzugehen“.

Seit 1992 „engagieren sich Bürgerinnen und Bürger in der Agenda 21 in Kempten für einen nachhaltigen Lebensstil“, würdigte das Stadtoberhaupt den Einsatz. Beispielsweise mit dem Projekt „Allgäu Kaffee“, das 2002 vom Arbeitskreis „Soziale Verantwortung“ der Agenda 21 Kempten ins Leben gerufen worden sei. Durch den Titel „Fairtrade-Town“ erhalte der Gedanke „global denken, lokal handeln“ nochmals größere Bedeutung.

So war es Müller eine besondere Freude, nach seinem Eintrag ins Goldene Buch auch die Urkunden für Kempten als nun „Fairtrade-Stadt“ zu unterzeichnen und damit das Bekenntnis Kemptens für soziale Verantwortung zu besiegeln. Denn, wie er betonte, „wenn wir für solche Probleme wie Ebola“, giftige Müllhalden in den Ländern der Dritten Welt – unter anderem aus Elektroschrott der Industrienationen, Klimawandel, Ausbeutung von Arbeitskräften, mangelnde Bildung oder Ressourcenverbrauch – „nicht die Verantwortung übernehmen“, dann kämen diese Probleme zu uns. Um „mit dem Einkaufskorb helfen“ zu können, müsse man aber erst aus der Manipulation der Werbung raus und sich auf Waren aus der Region konzentrieren. Statt einem Freihandelsabkommen bräuchten wir ein sozial-ökologisches „Fair-Handelsabkommen“, so seine Überzeugung.

Dieter Overath, Geschäftsführer von Fairtrade Deutschland, zeigte ein gewisses Verständnis dafür, dass Niedrigpreiswaren nicht Fairtrade seien. „Skandalöser“ sei, bei hochpreisigen Produkten kein Fairtrade einzusetzen. In einer Runde mit den Fraktionsvorsitzenden sowie den Dekanen der katholischen, evangelischen und altkatholischen Kirche hatte Müller bereits vor der offiziellen Veranstaltung über Themen wie Fairtrade und Asylpolitik diskutiert.

Eine Reihe von Fragen hatte Müller bei seinem anschließenden Besuch im Haus International (HI), wo Gabriele Heilinger, Vorsitzende des Trägervereins, eine kleine Überraschung zum Besten gab. Im von ihr geleiteten und im Haus angebotenen Deutsch-Integrationskurs habe keiner gewusst, wer zum Beispiel der Deutsche Bundespräsident sei. „Aber zwei kolumbianische Au-Pair Mädchen kannten Sie“, was mit seinem noch nicht lange zurückliegenden Besuch in deren Heimatland zusammenhänge.

Interessiert drehte der hohe Gast eine Runde durchs Haus und nahm auf, was Geschäftsführer Rudi Goschler über die seit mehr als 30 Jahren dort geleistete Arbeit für ein positives Zusammenleben von zugewanderten und einheimischen Menschen erläuterte. Lajos Fischer, der diesen Sommer die Nachfolge Goschlers – er verabschiedet sich wie berichtet in den Ruhestand – antreten wird, ergriff die Gelegenheit Müller für diesen Herbst erneut einzuladen – mit positiver Resonanz. Diesmal für eine Gesprächsreihe mit Persönlichkeiten, die mit Interkulturalität zu tun haben.

Von Christine Tröger

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