Geschichtlicher Abriss

Vortrag zur Reformation in Isny

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Gerhard Weisgerber mit einer reproduzierten Ausgabe der Luther Bibel, einer der Dreh- und Angelpunkte der Reformationsgeschichte.

Isny – Im Gemeindesaal von St.-Michael war jetzt eine beachtliche Zahl von Zuhörern zusammen gekommen, um sich über die Reformation in Isny zu informieren. Das ist ein umfangreiches Unterfangen, wie Gerhard Weisgerber gleich am Anfang seines Vortrags anführte.

Mehr als zehn Jahre lang hat sich „Isnys Museumsvater“ Martin Kratzert mit diesem Thema beschäftigt und so eine eigene Sicht der Dinge entwickelt, die sich an den überlieferten geschichtlichen Fakten orientiert.

Weisgerber konnte sich nur mit Auszügen der Ausarbeitung in seinem Vortrag festlegen. Hätte er versucht alle 123 Tafeln zur Geschichte Isnys vorzutragen, wären die Zuhörer erst weit nach Mitternacht nach Hause gekommen. Ursprünglich hatte Martin Kratzert diese umfangreiche Recherche als Ausstellung im Museum am Mühlturm geplant und dort außerdem als PowerPoint-Dokumentation.

Dass die Reformation in Isny etwas Besonderes war, trat gleich am Anfang deutlich zutage. Zum Verständnis des schnellen Wechsels Isnys zum Protestantismus muss auch die damalige Situation in Isny berücksichtigt werden. 14 Geistliche gab es damals in der Stadt und mit dem Kloster hatten es die Isnyer auch nicht gerade. Die Leutekirche St. Nikolai war vom Kloster abhängig, die Liturgie wurde auf Latein gelesen und auch der Lebenswandel der Kirchenvertreter war nicht dazu angetan, die Bürger zu begeistern.

Neue Mönche

1501 wurde Philipp von Stein neuer Abt in Isny und 1503 wurde das Kloster „zur Wiederherstellung der Klosterzucht“ mit Mönchen aus Blaubeuren besetzt. Die Isnyer Mönche wurden auf andere Klöster verteilt. Nur der Abt, der Senior und ein Konventbruder blieben. 1505 ließ Philipp von Stein das Kloster mit einer Mauer umschließen und das führte zu neuen Streitigkeiten.

Die Nachricht vom Anschlag der 95 Thesen Martin Luthers an die Pforte der Schlosskirche in Wittenberg (31.10.1517) erreichte Isny recht schnell. Das war eine Folge des recht regen Handelsverkehrs Isnys. 1518 wurde Magister Konrad Frick Prediger in Isny. Er hatte sich für Luthers Lehre interessiert und in seinem Nachlass fanden sich 44 Schriften Martin Luthers. Inzwischen war Martin Luther mit dem päpstlichen Bann belegt, auf der Wartburg in Schutzhaft und bis 1.3.1522 hat er dort die Bibel übersetzt.

1525 war großer Bauernaufstand rund um Isny. Das Kloster selbst stellten die Isnyer unter ihren Schutz. Truchsess Georg von Waldburg, genannt der „Bauernjörg“, schlug mit dem Bundesheer den Aufstand nieder. 1527 übernahm Paul Fagius die Lateinschule in Isny und erhielt von den Bürgern die Übertragung des Predigeramtes. Am 15. November 1530 blieb Isny genau wie Memmingen und Konstanz bei der neuen Lehre und blieb „der evangelischen Sache trotz Gefahren und großen Opfern treu.“ Der erste Teil zur evangelischen freien Reichsstadt war am 11. März 1531 vollzogen als der Stadtschreiber und einige Ratsherren dem Abt eine „Protestation“ überreichten und sich hiermit endgültig zur Reformation bekannten.

Gerhard Weisgerber ging auf das gesamte Geschehen noch differenzierter ein und endete in etwa mit dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Nicht zu vergessen, dass Isny 1631 fast vollständig abbrannte und so seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung weitgehend verlor.

Noch heute ist Isny von den Städten des Umlandes zu unterscheiden. Die Schlichtheit der Hausfassaden, die Art auf Reglementierungen höher einzuordnender Dienststellen zu reagieren und das Hängen an einer evangelisch geprägten Geschichte einer ehemaligen Freien Reichstadt ist gerade bei den älteren Jahrgängen noch immer deutlich.

Manfred Schubert

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