Geschichte erleben

Besuch von der Klasse 4b der Fürstenschule erhielt das kleine, benachbarte „Waschhäuschen“ vergangene Woche. Im Rahmen des „Denkmalprojekts“, in dem Architektur, Schule und Denkmalpflege zusammengebracht werden, erklärten Architekt Hermann Hagspiel und Projektleiterin Ilse Roßmanith-Mitterer den 23 Viertklässlern Bauweise, Historie und einstige Verwendung des unscheinbaren Häuschens.

Bis heute gehört das Waschhaus aus der Barockzeit zum Wohngebäude in der Fürstenstraße 22, „einem einfachen Haus“, wie es damals für die Mittelschicht gebaut wurde. Vor Betreten wurden die Mauern des Waschhauses mit unterschiedlichen Instrumentarien vermessen: Circa 5,20 Meter lang, 2,05 Meter hoch und 3,60 Meter breit wurden die wegen der schiefen Mauern leicht voneinander abweichenden Ergebnisse von Messstab, Maßband und Lasermessgerät auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. „Wir gehen jetzt in ein Denkmal, das in einem schlimmen Zustand ist“, kündigte Roßmanith-Mitterer an, bevor es an die Erkundung des heute als Rumpelkammer genutzten Innenraumes ging. Viel Licht drang auch nach Öffnen von Tür und Fenster nicht in das von Spinnweben und Staub bedeckte Innere. Mit Hilfe einer Taschenlampe konnte die Deckenkonstruktion dennoch gut analysiert werden. Deckenbalken mit angenagelten Latten fanden die Kinder mit kleinen Hilfestellungen des Architekten heraus. Letztere seien, so Hagspiel, vielfach „mit einer Axt eingeschlagen worden, damit der Putz an der Decke auch hält“. „Damals haben die Leute nicht bequem daheim gewaschen, sondern hier“, wandte sich Roßmanith-Mitterer dem noch vorhandenen Kessel zu. Unten sei eingefeuert worden und oben im Waschkessel sei die Wäsche gewaschen oder „auch gekocht worden, wenn sie sehr schmutzig gewesen ist“, erklärte sie seine Verwendung. Aber auch Badewasser habe man darin erhitzt, das dann in einen Zuber gefüllt worden sei, ergänzte Hagspiel. Das ganze Gebäude „ist aus Ziegelsteinen gemauert“ und dann mit Sand und Kalk verputzt worden, „damit es glatt ist“, erkundete Hagspiel mit den neugierig um sich blickenden Schülern. „Große Fensterscheiben sind nicht so stabil“, spekulierte ein Schüler auf die Frage, warum alte Fenster Sprossen haben. Sie hätten Sprossen „weil es früher keine großen Glasscheiben gab und kleinere noch bezahlbar waren“, korrigierte Hagspiel. Nicht weit entfernt, gleich beim Hoföschle, besichtigte die Schülergruppe, wenngleich nur von außen, noch ein zweites Waschhäuschen, diesmal mit dem Luxus eines integrierten, bei schlechtem Wetter recht hilfreichen Trockenraumes.

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