Geschichten aus Mailand

Christoph Erber auf der „Isola Madre“. Im Hintergrund sind der Lago Maggiore, das Städtchen Stresa und ein hügeliger Ausläufer der Alpen zu sehen. Foto: privat

Christoph Erber ist derzeit Zivildienstleistender in einer Mailänder Waldorfschule. In unregelmäßigen Abständen berichtet der 19-Jährige im KREISBOTEN von seiner Arbeit und seinen Erlebnissen.

Vor nun mehr vier Wochen wurden die italienischen Kinder von ihren Lehrern in die Sommerferien entlassen. Die Waldorfschule hier in Mailand, an der ich seit September ein Freiwilliges Soziales Jahr mache, sorgt aber trotz Ferien dafür, dass ich auch weiterhin genug zu tun habe. Der Grund dafür ist, dass meine Schule Sommerferien (und das scheint in Italien durchaus üblich zu sein) in den ersten Wochen der Ferien eine Art Ganztagesbetreuung für die vier- bis 12-Jährigen anbietet, deren Eltern noch keinen Urlaub haben. Aufgrund der Tatsache, dass die Sommerferien in Italien knapp drei Monate dauern und viele Eltern ihre Kleinen über diesen langen Zeitraum nicht alleine zuhause lassen wollen, stößt das Angebot der Schule auch auf dementsprechend großes Interesse. Im Schnitt wollen pro Woche rund 80 Kinder betreut werden. Obwohl es sich eigentlich um eine sogenannte „scuola estiva“, also um eine „Sommerschule“ handelt, stehen insbesondere der Spaß und das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Der „Stundenplan“ umfasst deshalb vor allem Aktivitäten wie Malen, Basteln, Kochen, Turnen oder das gemeinsame Musizieren. Das Programm erstreckt sich dabei jedoch auch über die Schulmauern hinaus. So gehen die Kinder beispielsweise regelmäßig zusammen mit den Lehrern ins Schwimmbad oder in den Park, wo sie dann nach Herzenslust herumtoben können. Aber auch der Besuch eines der zahlreichen Museen hier in Mailand stand bereits auf dem Plan. Für die meisten Kinder stellte allerdings eine Klassenfahrt zu einem Bauernhof auf dem Land den bisherigen Höhepunkt dar. Tagsüber durften sie dem Bauer bei seiner Arbeit mit den Tieren helfen und anschließend mit der Bäuerin einen Teil des Gemüsebeets ernten und umgraben. Aus dem Gemüse aus dem Garten wurde später ein Salat gemacht, den die Kleinen dann zusammen mit selbst gebackenem Brot verspeisten. Im Anschluss unternahmen wir noch einen kleinen „Verdauungsspaziergang“ durch den nahe gelegenen Wald. Nach der Rückkehr übernachteten wir dann erschöpft aber zufrieden mit unseren Schlafsäcken in der Scheune, bevor es am nächsten Morgen mit dem Bus wieder zurück nach Mailand ging. Nach getaner Arbeit kehrte ich der Stadt dann aber auch bald schon wieder den Rücken zu, um den Norden Italiens weiter zu erkunden. So unternahm ich am folgenden Wochenende einen Tagesausflug in das rund zwei Zugstunden entfernte Turin. Die Stadt selbst verband ich vor meinem Besuch hauptsächlich mit dem Autobauer FIAT und dem berühmten Turiner Grabtuch, welches ich aber leider nicht zu Gesicht bekam. Tatsächlich spielte Turin aber auch in der italienischen Geschichte eine bedeutende Rolle. Im Zuge der Vereinigung Italiens im Jahr 1861 übernahm es für einige Jahre die Hauptstadtfunktion des jungen Königreichs Italien. Zu dieser Zeit wurde neben den zahlreichen Schlössern und Palästen des Königshauses Savoyen auch das Wahrzeichen Turins, die „Mole Antonelliana“, gebaut. Diese beherbergt heute das nationale Filmmuseum und ist darüber hinaus auch auf der italienischen Zwei-Cent-Münze abgebildet. Besonders beeindruckt hat mich dabei der Glasaufzug im Inneren, der frei schwebend durch den Hauptraum hindurch bis zur Aussichtsplattform auf 85 Metern führt. Von dort hatte ich eine wunderbare Sicht über die Stadt und auf die in der Ferne liegenden Alpen. Noch näher kam ich den Bergen dann während eines anderen Ausfluges, der mich an den in den Alpen gelegenen Lago Maggiore führte. Dort besichtigte ich die sogenannten „Borromäischen Inseln“, die gemein als das Wahrzeichen des Sees gelten. Der Name geht auf ein italienisches Adelsgeschlecht zurück, in dessen Besitz sich die Inseln seit dem zwölften Jahrhundert befinden. Auch heute dienen die Inseln der Familie noch als Sommerresidenz, die sich vor allem durch ihre weitläufigen Gartenanlagen mit einer großen Anzahl an seltenen Pflanzen und exotischen Blumen auszeichnen. Im Gedächtnis wird mir vor allem der Anblick der zahlreichen Papageien, Fasanen und weißen Pfaue bleiben, die dort frei herumlaufen. Besonders gefallen haben mir aber auch die unterirdischen Grotten auf einer der Inseln, die auf beeindruckende Art und Weise mit Mosaiken aus Muscheln verziert waren. Gegen Abend ging es dann mit der Fähre zurück aufs Festland, wo ich noch einen kurzen Spaziergang durch den Kurort Stresa machte. Mit dem Zug und einer Menge schöner Eindrücke kehrte ich dann in die Stadt zurück, von der ich mich bereits in naher Zukunft verabschieden werde, um nach Deutschland zurückzukehren. Ob und wie ich den Weg über die Alpen dann gefunden habe, werde ich in meinem nächsten Bericht schildern.

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