Geschichten aus Mailand

Auf der Handwerksmesse in Mailand traf Christoph Erber (rechts) einen bayerischen Blasmusikanten. Foto: privat

Während Deutschland gegen Ende Dezember im Schnee zu versinken drohte, musste ich hier bei meinem Zivildienst in Mailand bis jetzt lediglich ein einziges Mal den Schulhof räumen. Dies war am letzten November- und gleichzeitig ersten Adventswochenende, an dem auch der traditionelle „bazar di natale“, der Weihnachtsbasar, in der Schule stattfand.

Wie ich bereits berichtete, hatte ich schon viel über den Basar gehört und meine großen Erwartungen wurden dann auch zu Genüge erfüllt. So wurden beispielsweise in fast jedem Klassenzimmer Stände mit Waren aufgebaut, die neben Kleidung auch Kosmetikartikel, Bücher oder Spielzeug anboten. Desweiteren wurde eine Bar mit Tresen zusammengebaut und dadurch ein komplettes Klassen- zimmer in ein Café verwandelt. Dieser enorme Umfang bedeutete für mich dann aber in erster Linie eine Menge Arbeit, da jede Menge Kisten, Stühle und Tische herumgetragen werden mussten. Ebenfalls wurde das Schulhaus, der Jahreszeit entsprechend, mit Tannenzweigen geschmückt und dekoriert. Somit habe ich von der eigentlichen Veranstaltung dann auch leider gar nicht so viel mitbekommen. Ein toller Eindruck ist aber nichtsdestotrotz geblieben, da ich auch so noch genug Zeit hatte, die einzelnen Stände zu betrachten. Beeindruckt hat mich dann eine Woche später auch der große Mailänder Weihnachtsmarkt. Dieser findet alljährlich an den Tagen um den 7. Dezember herum statt. Der Schutzpatron von Mailand, St. Ambrosius, wurde nämlich an diesem Tag im Jahr 374 n.Chr. zum Bischof von Mailand geweiht. Um den Tag zu feiern findet im Stadtzentrum der sogenannte „Oh bej! Oh bej!“-Weihnachtsmarkt statt, der bereits bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht. Damals wie heute verzaubert der Markt mit seinen vielen Buden voller Süßigkeiten und Spielzeug natürlich vor allem die Kinder, die ihm auch seinen Namen verliehen haben. Der Kinder-Ausruf „Oh bej! Oh bej!“ bedeutet übersetzt in etwa so viel wie „Oh wie schön! Oh wie schön!“. Die Schönheit steht auch jedes Jahr im Dezember bei der sogenannten „L’Artigiano in Fiera“ auf dem Mailänder Messegelände im Mittelpunkt. Dabei handelt es sich um eine internationale Messe für Kunsthandwerk, auf der Produkte aus über 100 Ländern präsentiert und zum Verkauf angeboten werden. Die Messe will den Besuchern darüberhinaus auch die Möglichkeit geben, in die Kultur und Arbeitsweisen der einzelnen Aussteller einzutauchen. Besonders spannend war für mich der deutsche Pavillon, der mit Leuchtturm, Strandkorb und Biergarten alles zu bieten hatte, was im Ausland als „typisch Deutsch“ angesehen wird. Dort habe ich dann interessante Gespräche mit einem Blasmusikanten aus Bayern, einem Kunstdrucker aus Thüringen und einem Kerzengießer aus Mecklenburg-Vorpommern geführt. Der Bayer sorgte auch für eine richtig gute Stimmung und konnte das überwiegend italienische Publikum ein ums andere Mal mit fetziger Blasmusik begeistern. Zu meiner Freude wurde auch ein großes Augenmerk auf das leibliche Wohl gelegt. Unter anderem habe ich so während meines Besuches dann außer deutschen auch noch französische, ungarische, spanische, brasilianische und holländische Spezialitäten probiert. Viel gegessen wurde in der Weihnachtszeit auch in meiner Schule, weshalb ich dann auch die eine oder andere Überstunde in der Küche leisten musste. So fand beispielsweise am 4. Advent ein gemeinsames Abendessen mit Schülern, Eltern und Lehrern statt. Zudem fanden in der Schule dann auch noch zwei Theateraufführungen statt. Dargestellt wurden die Weihnachtsgeschichte mit der Geburt Christi sowie die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies. Nachdem ich die Weihnachtszeit im schönen Allgäu verbringen durfte, werde ich mich auch im neuen Jahr wieder mit weiteren Erlebnissen aus Mailand melden.

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