Geschichten aus Mailand

Auf dem „Carnevale di Venezia“ traf Christoph Erber (Mitte) zahlreiche Träger der traditionellen Masken. Foto: privat

Im Gegensatz zu den in Deutschland noch recht kühlen Temperaturen konnte ich hier in Mailand, wo ich für ein Jahr meinen Zivildienst absolviere, bereits in den letzten Wochen fühlen, wie der Frühling so langsam einzieht.

Anlässlich des schönen Wetters entschied ich mich am letzten Februarwochenende spontan dafür, einen Tag in Venedig zu verbringen. Dank der italienischen Bahn war ich in weniger als zweieinhalb Stunden Fahrt in der „Lagunenstadt“. Mein Zielbahnhof „Venezia Santa Lucia“ lag im historischen Zentrum der Stadt, das ungefähr so groß wie Kempten ist. Dieser in der Lagune gelegen Teil Venedigs wird durch eine knapp vier Kilometer lange Brücke, die „Ponte della Libertà“, mit dem Festland verbunden, wo heute die große Mehrheit der Venezianer lebt. Am Bahnhof angekommen, stand ich dann auch schon direkt am bekanntesten der über 150 Kanäle Venedigs, dem „Canal Grande“. Zufälligerweise begann an genau diesem Wochenende auch der weltbe- kannte „Carnevale di Venezia“, weshalb sich außer mir noch jede Menge weitere Touristen in die Stadt gereist waren. So konnte ich einen prächtigen Umzug mit den für den venezianischen Karneval typischen traditionellen Masken beobachten. Gefallen hat mir vom ersten Moment an, dass die Stadt mir das Gefühl vermittelte ein paar Jahrhunderte in der Geschichte zurückversetzt worden zu sein. Die dichte, mittelalterliche Bauweise mit ihren engen und verwinkelten Gassen sorgte aber leider auch dafür, dass ein schnelles Vorankommen aufgrund der Massen von Urlaubern nahezu unmöglich wurde. Dennoch hat mich die Stadt mit ihren großartigen historischen Bauwerken sehr beeindruckt. Vor allem der Markusplatz mitsamt der „Basilica di San Marco“, dem Markusdom, war ein großartiger Anblick. Zum Schluss fehlte mir jedoch die nötige Zeit und Lust mich weiter durch die Massen von Touristen zu zwängen, um neben den wichtigsten auch noch weitere der zahlreichen Sehenswürdigkeiten Venedigs zu betrachten. Ähnlich spontan wie für die Fahrt nach Venedig hatte ich mich schon ein paar Wochen zuvor dafür entschieden, ein Fußballspiel des AC Mailand gegen den FC Parma zu besuchen. Leider musste ich bis nach Spielbeginn anstehen um eine Karte zu bekommen, sodass ich erst gegen Mitte der ersten Halbzeit meinen Platz gefunden hatte. Noch während des Anstehens offenbarten mir zahlreiche Jubelschreie aus dem Stadioninnenraum, dass ich bereits die ersten beiden Tore für den AC Mailand verpasst hatte. Glücklicherweise trafen die Mailänder in der zweiten Hälfte noch zweimal auf sehenswerte Weise. Der FC Parma wurde so mit einem, meiner Meinung nach verdienten, vier zu null nach Hause geschickt. Begeistert hat mich neben dem tollen Spiel aber auch das großartige Guiseppe-Meazza-Stadion, in dem die beiden großen Mailänder Fußballvereine (AC Mailand und Inter Mailand) ihre Heimspiele austragen. Wie viele Fußballfans sicher wissen, fand dort Ende Februar auch das Champions League Achtelfinale zwischen Inter Mailand und Bayern München statt, welches ich jedoch nicht im Stadion verfolgen konnte. Nichtsdestotrotz habe ich auch so einige aus Deutschland angereiste Fans in der Innenstadt getroffen. Die feierten den FC Bayern auch schon vor seinem Sieg mit zahlreichen Schlachtgesängen vor dem Mailänder Dom. Kritisch beäugt wurden sie dabei nicht nur von der italienischen Polizei sondern auch von den leicht irritiert dreinblickenden Mailänder Passanten. Ein weiteres Thema, das die Italiener im Moment wahrscheinlich genau so stark bewegt wie der Fußball, ist die Debatte um ihren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Nachdem selbiger seit Jahren mit seinen Sexskandalen immer wieder Schlagzeilen machte, die im Ausland mehrheitlich für Unverständnis und Kopfschütteln sorgten, schien die italienische Bevölkerung stets hinter ihrem Regierungschef zu stehen. Jedoch zeichnet sich seit den letzten Monaten mehr und mehr ab, dass die Zeit des „Cavaliere“, wie er sich selbst gerne nennt, wohl bald vorbei ist. Das zeigen nicht nur die aktuellen Umfragewerte sondern auch meine persönlichen Erfahrungen. Beispielsweise fanden sich Anfang Februar viele zehntausend Italienerinnen in den größeren Städten zu Demonstration zusammen, wie auch hier in Mailand. Unterstützt von ihren Vätern, Ehemännern und Freunden protestierten sie gegen die Verbreitung eines sexistischen Frauenbildes in der italienischen Gesellschaft. Mit Schildern wie „Italien ist kein Bordell“ protestierten sie gegen die durch sein Handeln propagierte Rolle der Frau in der Gesellschaft und forderten den Minister auf, sein Amt niederzulegen. In jedem Fall bin ich sehr gespannt, wie sich die Dinge hier weiter entwickeln werden, da die Rufe nach einem Rücktritt Berlusconis täglich lauter werden. Mehr dazu gibt es in meinem nächsten Artikel.

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