Gesichter des Lebens

Eine besondere Dokumentation hat der Oberstdorfer Fotograf Reiner Metzger mit „Gesichter einer Stadt – Fotografien aus Kempten“ geschaffen. Als „subjektiv und dennoch repräsentativ“ bezeichnete OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) den Bildband, dessen Originalaufnahmen mit Erscheinen des Buches aktuell im Börsensaal des Kemptener Kornhauses zu sehen sind.

Im Buch stehen 80 Aufnahmen Kemptener Bürgerinnen und Bürger den 15 Aufnahmen menschenleerer Örtlichkeiten der Stadt gegenüber – allesamt Repräsentanten der Gesichter Kemptens im beginnenden 21. Jahrhundert. Die Ausstellung wurde um einige weitere Aufnahmen aus dem Fundus ergänzt. Viele der Portraitierten waren zur Buchvorstellung und Ausstellungseröffnung in den voll besetzten Kornhaussaal gekommen. Entsprechend dicht war das anschließende Gedränge vor den Fotowänden, auf der Suche nach dem eigenen Portrait, oder um all die anderen bekannten und unbekannten Gesichter zu entdecken. Zu sehen sind Gesichter, die Lebensspuren zeigen, die nicht durch gekünstelte Fröhlichkeit entstellt oder durch technische Manipulation verfremdet sind. Die Tiefe der analogen schwarz-weiß-Fotografien gibt das jeweilige Motiv direkt und ungeschminkt wieder. Manchmal ein Gesicht in Großaufnahme, oft Gesichter in ihrer Arbeitsumgebung oder in der Intimität ihres Wohnraums. Keine Werbeaufnahmen Mit Werbeaufnahmen haben auch die Stadtansichten wenig zu tun. So unbemäntelt wie die menschlichen hat Metzger die dinglichen Gesichter ins Visier genommen. „Es ist die Kunst Reiner Metzgers, das scheinbar Alltägliche ins Zeitlose zu entrücken. Hier wird das Abbild zum Sinnbild“, zitierte Netzer den Gründungsdirektor der Düsseldorfer Kunsthalle, Karl Ruhrberg, zum Schaffen des Fotografen. Zwei Jahre lang hat Metzger Kemptens Gesichter mit der Kamera eingefangen. Anfangs über Kontaktvermittlungen durch Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber und Christa Eichhorst aus dem OB-Büro, später durch Weiterempfehlungen oder auch Ansprechen von Menschen auf der Straße. Kaum einer habe „Nein“ gesagt, wie Metzger bekundete. „Viel Gespür für Menschen“ attestierte ihm Brigitte Kornberger vom BR in ihrer Laudatio. Er habe in seinen Fotos zurückgefunden zu den Menschen, die er im Bild phasenweise eher „ausradieren wollte“. Mit seiner aktuellen Arbeit wolle er einfach einen Querschnitt einer mittelgroßen Stadt zeigen. Kemptens Museumsleitung und OB hätten ihm vertraut und die Stadt Kempten als Herausgeber des Buches erkoren. Die in Kempten bereits sechste Ausstellung Metzgers ist noch bis zum 17. Januar im Börsensaal des Kornhauses zu sehen.

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