DIE LINKE sieht politischen Handlungsbedarf auch im Allgäu

Nicht alles läuft rund

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Susanne Ferschl und Xaver Merk kandidieren bei der Bundestagswahl für die Partei DIE LINKE.

Kempten – Der Parteienwettstreit für die Bundestagswahl befindet sich in der heißen Phase. Aus dem Allgäu bewerben sich seitens der Partei DIE LINKE Susanne Ferschl und Xaver Merk um einen Sitz in Berlin.

Susanne Ferschl tritt für den Wahlkreis 257 (Ostallgäu/Unterallgäu) an und steht auf der Landesliste auf Platz drei. Für das Oberallgäu/Lindau (Wahlkreis 256) geht Xaver Merk als Direktkandidat ins Rennen.

Der gelernte Schriftsetzer Xaver Merk (64), wohnt in Senden und war unter anderem über 35 Jahre in unterschiedlichen Funktionen gewerkschaftlich engagiert. 29 Jahre gehörte er der SPD an, bevor er 2006 dieser wegen der Agenda-Politik den Rücken kehrte und in die WASG eintrat. Seit 2007 bereichert die DIE LINKE, nach dem Zusammenschluss von WASG und PDS so getauft, die Parteienlandschaft. Warum nach so langer Zeit die Trennung von den Sozialdemokraten? Ab einem bestimmten Zeitpunkt wollte er „den Spagat nicht mehr machen“, zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen vertreten zu müssen – einerseits für die Prinzipien der Gewerkschaft zu werben, anderseits die Politik der SPD zu verteidigen, morgens anders zu reden als abends, erklärt er seine Entscheidung. Seit 2014 ist er Mitglied im Vorstand der Linkspartei, außerdem fungiert er seit Dezember 2016 als Kreisvorsitzender Allgäu.

Die 44-jährige Susanne Ferschl lebt in Kaufbeuren und hat diesen Umweg nicht gemacht. Sie ist seit drei Jahren Mitglied bei den LINKEN und gehört dem Landesvorstand Bayern an. Ferschl absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Chemielaborantin und hat eine Qualifikation als Business-Coach und Mediatorin. Bereits 1994 trat sie der Gewerkschaft NGG bei. Als Betriebsrätin, später freigestellte Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Mitglied im europäischen Betriebsrat eines großen Lebensmittelkonzerns wurde sie unmittelbar mit der ihrer Einschätzung nach verfehlten Sozialpolitik von rot-grün konfrontiert und fand ihre politische Heimat in der Linkspartei. Aktuell ist sie außerdem Regionsvorsitzende der NGG im Allgäu.

In einem lockeren Gespräch mit dem Kreisboten nahmen die beiden zu unterschiedlichen Themen Stellung und skizzierten, wofür sie sich stark machen wollen. In der Region, so Merk, hake es beim ÖPNV erheblich. Ein Beispiel: der dringend notwendige zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Ulm-Oberstdorf, von kommunaler und landespolitischer Seite auf den Weg gebracht, scheitere bis jetzt daran, dass der Bundesverkehrsminister notwendige Mittel nicht freigibt. „Das ärgert mich maßlos“, betont Merk und möchte mitwirken, dass hier etwas vorangeht. Vieles aus dem Wahlprogramm der LINKEN lässt sich auch auf das Allgäu herunterbrechen, so Susanne Ferschl. Auch wenn man immer wieder hört: „Bayern geht’s gut“, stimme das nicht immer. Der Pflegenotstand mit Auswirkungen auf Personal und Patienten, die Tariflohnsituation, Jobsicherheit, die Mieten, und die Rentenproblematik, „das alles findet auch hier statt“. DIE LINKEN habe auf die teilweise rückgewandte Politik konstruktive Lösungen anzubieten.

Zur Sprache kommt die Situation im Tourismusbereich des Allgäus. Merk mahnt, dass der Fremdenverkehr im Allgäu beschädigt wird, wenn alles so weiterläuft wie bisher und plädiert für „Erholung statt Massenabfertigung“. Susanne Ferschl schlägt gleich noch den Bogen zum geplanten Bau der Skischaukel am Riedbergerhorn und frägt sich „Wie lange könnte sie genutzt werden in Anbetracht des Klimawandels?“. Im Falle von Center Parcs, dem Ferienpark, der im Urlauer Tann entsteht, fehlt seitens der Institutionen ein schlüssiges Konzept, wie man in der Region mit diesem Projekt umgeht, mahn Merk an.

Nicht gut findet Susanne Ferschl, wie man die Unterbringung von Flüchtlingen handhabt, die jetzige Verteilpraxis erschwere die Integration. Die Konzentrierung auf Orte schaffe Probleme auf beiden Seiten, bewirke die Überfüllung von Kindergärten und schaffe Unmut unter den Migranten. Fluchtursachen, die laut Ferschl durch die neoliberale Marktwirtschaft verschärft werden, müssen vor Ort bekämpft werden. Hier stellt sich Xaver Merk ausnahmsweise an die Seite des Entwicklungshilfeministers Dr. Gerd Müller (CSU), wo gute Ansätze erkennbar seien. Dem Ministerium stünden allerdings für eine wirksame Umsetzung zu wenig Mittel zur Verfügung. Merk hätte auch gleich eine Lösung parat: die notwendige finanzielle Ausstattung des Ministeriums würde er in erster Linie bei Bundesverteidigungsministerin holen. Weitere Themen: Bildung und Rente. Bildungsgleichheit für Schüler, sie sei nicht gegeben. Auch die Allgäuer LINKEN sprechen sich für die kostenfreie Bildung sowie ein unabhängiges BAFöG aus. „Wir wollen“, so Ferschl, „dass in die Rente alle einzahlen, Beamte mit eingeschlossen“.

Der Staat, so die Überzeugung von Susanne Ferschl und Xaver Merk, muss sich dringend um Bildung, Gesundheit, Rente und Mobilität besser kümmern.

Hildegard Ulsperger

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