Interview mit Jazzmusiker und Echopreisträger Sebastian Studnitzky

"Musik muss ein Gefühl vermitteln"

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Der Berliner Jazzmusiker Sebastian Studnitzky kommt am Freitag, 28. Juli mit seinem Streicherprojekt „Memento“ zum APC-Sommer.

Der Jazzpianist und -trompeter Sebastian Studnitzky verbindet Jazz mal mit Klassik, mal mit Elektro oder Pop. Nächste Woche kommt der Echo-Preisträger nach Kempten. Beim APC Sommer wird er zusammen mit Kemptener Musikern sein Streicherprojekt „Memento“ im Archäologischen Park Cambodunum aufführen.

Mit dem Kreisboten spricht Studnitzky über außergewöhnliche Auftrittsorte, das Kemptener Konzert und seine Lieblingsmusik.

Herr Studnitzky, Sie spielen ja beim APC-Sommer im Archäologischen Park Cambodunum, der Kemptener Römer-Ausgrabungsstätte. Was war die außergewöhnlichste Location, in der Sie bisher gespielt haben?

Studnitzky: „Oh (lacht), ich hab schon mal bei den ägyptischen Pyramiden gespielt, eine isländische Eishöhle kann ich auch anbieten.“

Dann ist der Archäologische Park gar nicht so außergewöhnlich für Sie.

Studnitzky: „Also üblich ist es jedenfalls nicht.“

Sie spielen Ihr Streicherprojekt Memento mit zwölf Allgäuer Musikern. Wie haben Sie sich zusammengefunden?

Studnitzky: „Das liegt in der Konzeption des Projekts mit einem Jazztrio und klassischen Musikern. Ich kann es mit meinen Berliner Musikern spielen, aber ich spiele auch gern mit Musikern vor Ort. Das Programm ist so konzipiert, dass man es auch an ein bis zwei Tagen einproben kann. Ich werde ein, zwei Tage vor dem Konzert nach Kempten kommen. Dann werden wir proben.“

Das klingt nach einer kurzen Probenzeit.

Studnitzky: „Es müssen gute Musiker sein und das Konzert muss gut vorbereitet sein. Das ist insofern der Fall, als dass alle die Noten bereits haben. Jeder bereitet sich individuell vor, dann führen wir alles zusammen.“

Ist die Besetzung die gleiche wie auf dem Album? Oder gibt es Änderungen?

Studnitzky: „Nein, die ist eine andere. Es gibt die Musik in verschiedener Besetzung. Ich spiele sie manchmal mit ganz großem Orchester und manchmal nur mit einem Streichquartett. Auf dem Album ist ein Streichkammerorchester zu hören und die Besetzung in Kempten ist ein Streichquintett und ein Holzquintett mit zwei Schlagwerken. Das ist eine der Varianten, die es gibt. Ich stimme immer mit den Veranstaltern ab, was vor Ort realisierbar ist.“

Sind mit der Kemptener Zusammensetzung noch weiter Termine geplant?

Studnitzky: „Vielleicht entsteht daraus ja noch eine längerfristige Kooperation oder wir machen nächstes Jahr noch einmal was zusammen, aber geplant ist noch nichts.“

Was sind die besonderen Herausforderungen an diesem Konzert?

Studnitzky: „Die Herausforderung besteht schon darin, die Musiker zusammenzubringen, in der Probenarbeit einen Groove zu erzeugen. Die Jazzmusiker und die klassischen Musiker, das sind ja teilweise zwei Welten. Andererseits wird das Projekt genau dadurch so interessant: Alle bringen ihre eigenen Qualitäten ein und wir schaffen etwas Gemeinsames.“

Aber die Örtlichkeit ist keine Herausforderung?

Studnitzky: „Das ist mir ehrlich gesagt gar nicht so bewusst (lacht). Aber wir als Jazzmusiker sind beruflich sowieso Improvisatoren und setzen uns ständig mit neuen Locations und Situationen auseinander.“

Nichts Besonderes also für Sie.

Studnitzky: „Eine Eindrucksvolle Umgebung hat natürlich schon eine Rückkopplung auf die Musik. Wenn die Stimmung und das Licht schön sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es magisch wird, natürlich größer.“

Sie verbinden in ihrer Musik ja verschiedene Musikstile. Warum?

Studnitzky: „Ja, ich komme aus einem klassischen Elternhaus, habe als Kind viel Rock und Pop gehört und dann Jazz studiert. Mir macht es großen Spaß, die verschiedenen Stilrichtungen zusammenzufügen. Fürs Publikum ist das auch interessant. Es kommen Leute mit Jazz-Hintergrund und Leute mit Klassik-Hintergrund. Und es gibt Leute ohne Hintergrund, die kommen, weil sie die Musik interessant finden. Und alle sehen dann, dass auch die anderen Stilrichtungen Spaß machen können.“

Was hören Sie privat für Musik?

Studnitzky: „Relativ wenig (lacht).“

Ja, wirklich?

Studnitzky: „Mein Lieblingssound ist eigentlich die Stille; Wind oder Regen oder so etwas. Wenn ich Musik höre, dann die ganz großen Klassiker, wie Bach oder Miles David.“

Welche Kriterien muss gute Musik denn für Sie erfüllen?

Studnitzky: „Emotion finde ich wichtig. Musik ist ja in erster Linie eine Sprache, die ein Gefühl vermittelt. Es geht gar nicht so sehr um den technischen Aspekt. Ich finde es schön, wenn die Leute beim Musikhören etwas fühlen oder sich Bilder vorstellen.“

Sie machen ja gefühlvolle Musik. Das Album ist meditativ bis melancholisch, aber bisweilen auch spannungsgeladen und dramatisch.

Studnitzky: „Ja, wie so eine Art Filmmusik ohne Film.“

Ja, genau. Haben Sie denn eine Emotion, wenn sie an Kempten denken?

Studnitzky: „Ich war noch gar nicht so oft dort (lacht) und es ist sehr lange her. In den letzten Jahren war ich mehr in Skandinavien unterwegs. Ich freue mich auf jeden Fall auf schöne Landschaften. Das ist auch das Schöne an dem Projekt. Dadurch, dass wir es mit lokalen Musikern machen, sind wir etwas länger dort und haben mehr Bezug zur Örtlichkeit.“

Das Interview führte Susanne Kustermann.

Weitere Informationen zum Jubliäums-Programm des APC-Sommers von Donnerstag, 27. Juli, bis Sonntag, 30. Juli gibt es unter www.klecks.de und www.museen-kempten.de.

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