Urteil wohl früher als geplant

Prozess gegen ehemaligen Drogenfahndungschef läuft

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Der Angeklagte Armin N. am Montagvormittag im Gerichtssaal

Kempten – Muss der ehemalige Leiter der Kemptener Drogenfahndung, Armin N., für sechseinhalb bis sieben Jahre ins Gefängnis? Über diese mögliche Gesamtstrafe wurde am Montagmorgen beim Prozessauftakt gegen ihn beratschlagt.

Eine Strafe, die sich im Prozessverlauf allerdings noch nach oben oder unten verändern kann, je nachdem, ob bei den Vernehmungen noch unerwartete Details herauskommen. Dem Angeklagten werden unter anderem zwei tätliche Übergriffe im Januar 2014 gegenüber seiner Frau vorgeworfen, bei denen er diese auch zu sexuellen Handlungen gezwungen haben soll.

Bezüglich dieser Vorwürfe gab es bereits einen Täter-Opfer-Ausgleich, bei dem N. 35.000 Euro an das Opfer (seine Frau) bezahlt und ein Geständnis in Bezug auf die sexuellen Übergriffe abgelegt hat – soweit er sich, bedingt durch seinen damals massiven Drogenrausch, erinnern konn-te. Er zweifelte jedoch auch die Aussage des Opfers zum Tathergang während seiner Erinnerungslücken nicht an. Der im Vorfeld verhandelte und von beiden Seiten akzeptierte Ausgleich soll dem Opfer eine erneute Konfrontation mit dem Tatgeschehen ersparen – mit strafmildernder Wirkung. Er äußerte sein „tiefes Bedauern“ gegenüber seiner Frau, seinen Eltern, seinen Kindern, seinen Kollegen bei der Polizei. Mit dem Verfahren hoffe er einen endgültigen Schlussstrich unter „das unseligste Kapitel meines Lebens ziehen“ zu können.

Ein paar Mal hat der Angeklagte beim Verlesen der Anklageschrift schwer geschluckt, einmal auch den Kopf geschüttelt. Sonst wirkte er erstaunlich emotionslos. Die unschönen Details wurden ebenso öffentlich verlesen wie die restliche Anklageschrift, in der es des Weiteren vor allem um den Besitz von 1,8 Kilo Kokain geht.

Noch vor Prozessbeginn hat Peter Preuß, Sprecher der Staatsanwaltschaft München, auf Nachfrage des Kreisboten erklärt, dass es bei der Herkunft des Rauschgifts keinerlei Anhaltspunkte gebe, die einen Zusammenhang mit mafiösen Verbindungen herstellen. Ebenso sei „kein Zusammenhang feststellbar“, zwischen der Kokain-Affäre und dem laut Süddeutscher Zeitung damit mög- licherweise in Verbindung stehenden Selbstmord eines Kemptener Staatsanwaltes im Frühjahr 2014. „Spekulieren kann man immer“, meinte er.

Armin N. stellte jedoch schon zu Beginn der Verhandlung ein zweites Geständnis in Aussicht: woher das Kokain kommt. Der Ansturm der Zuschauer am Montag war übrigens nicht so groß wie befürchtet – der Gerichtssaal war aber trotzdem gut voll. Mehr zum Prozessauftakt folgt im Laufe des Dienstags hier auf www.kreisbote.de.

Christine Tröger

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