Gestaltungsbeirat berät unter anderem über geplantes Bauvorhaben auf dem Brauhausgelände

Ein 200 Betten Hotel "mit viel Kraft"

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So könnte das geplante Hotel neben der Brauhausvilla in der Beethovenstraße aussehen (Ansicht Nord). Der Baukörper soll sich entlang der Königstraße Richtung Süden/Fasshalle bis zur Einfahrt der bestehenden Tiefgarage ziehen.

Kempten – Die Bauarbeiten an der Fasshalle auf dem ehemaligen Brauhausgelände sind noch in vollem Gange, die Planungen für die zwei verbleibenden Baufelder an der Ecke Königstraße/Beethovenstraße laufen aber bereits: dort soll ein Hotel mit über 200 Betten entstehen. Nachdem die Mitglieder des Gestaltungsbeirats den Standort am Montagvormittag besichtigt hatten, wurde am Nachmittag in einer öffentlichen Sitzung über das Erscheinungsbild des geplanten Gebäudes beraten.

Zwei grundsätzliche Konzepte habe der Investor in seiner Schublade, erklärte Michael Gibbesch von Fischer & Gibbesch Architekten. Eines sehe ein 4-Sterne-Superior Hotel vor, das andere gehe in Richtung Motel One, ein Hotel mit kleinen Zimmern und Gemeinschaftsräumen. Beide in Frage kommenden Betreiber würden aber nicht erwähnt werden wollen, so Gibbesch. Die aktuelle Planung des Hotels sei „fast unterschriftreif“. So sollen die beiden Baufelder 1a und 1b verbunden werden. Im Baukörper Nord soll ein Sockelgeschoss mit Klinker-Fassade, Walmdach und einem Vordach über dem Hoteleingang entstehen. In diesem Kopfbau soll die Eingangshalle mit Bar und der Frühstücksbereich untergebracht werden. Der Baukörper Süd soll leicht zurückversetzt werden und mit einer grauen Fassade versehen werden. Im dritten Obergeschoss sollen die Fenster versetzt eingebaut und die Fassade weiß verputzt werden. Der Zwischenbau könnte mit großen Glasflächen versehen und das Dach begrünt werden.

Städtebaulich sei bei diesen Planungen „alles richtig gemacht“ worden, so das Resümee von Beiratsmitglied Norbert Diezinger. Eine Schließung des Blocks an dieser Stelle sei „unheimlich wichtig“. Der dominanten Brauhausvilla (siehe Visualisierung) – „ein richtiger Kasten mit viel Kraft“ – müsse man etwas gegenübersetzen. Allerdings war sich das Gremium einig, dass der hohe Kontrast des geplanten Hotels zu viel ist, man sollte vielmehr mit nur einer Oberfläche planen, um eine Einheit zu erreichen. Bei dem Zwischenbau könnte man gestalterisch eventuell noch mehr durch eine Lochfassade herausholen. Schöner hätte man es gefunden, wenn man die bestehende Tiefgarage im Gebäude verschwinden lassen hätte können, allerdings ende das Baufenster an dieser Stelle, so dass die Einfahrt nicht überbaut werden kann. „Dieser Klumpfuß zwischen Brauhaus und Hotel ist aber nicht so schön“, so Diezinger.

„Ich war auch der Meinung, dass das Kopfgebäude am Boden sitzen muss und nicht fliegen darf“, betonte Gestaltungsbeiratsvorsitzender Prof. Carl Fingerhuth. Das Haus müsse „neben dem Monster nebenan“ Volumen haben, durch den Einfang mit dem Vordach habe es dort aber ein „Loch“. Der Kopfbau und auch das Umfeld sollte noch einmal sorgfältig angeschaut werden, denn Funktion allein reiche nicht, so Werner Binotto. Auch Katja Aufermann wünschte sich, dass die Freifläche des Hotels in der nächsten Sitzung des Gestaltungsbeirats deutlicher dargestellt wird.

Neubau des Allgäu Hospiz

Schon im November vergangenen Jahres stand der Neubau des Allgäu Hospiz auf der Agenda des Gestaltungsbeirats (der Kreisbote berichtete). Nachdem Binotto damals ein Walmdach anstatt eines Flachdachs angeregt hatte präsentierte Stephan Walter von f64 architekten eine Version mit einem asymmetrischen Dach mit asymmetrischem First, das auch eine innere Nutzung verspreche. Von der Madlener Straße aus würde das Dach steiler und präsenter werden als auf der anderen Seite. Eine andere Möglichkeit sei ein asymmetrisches Satteldach auf dem zweigeschossigen Gebäudetrakt. Wie vom Gestaltungsbeirat angeregt, sei auch der eingeschossige Baukörper überarbeitet worden, sodass die aktuelle Planung jetzt eine „geschlossene Fläche, die die Gebäude nicht zergliedert“, vorsehe. Die Fenster sollen dort in einem regelmäßigen Raster angeordnet werden. Im Obergeschoss des zweigeschossigen „Gebäuderückens“ zum ehemaligen Krankenhaus hin allerdings werde die Regelmäßigkeit der Fenster bewusst vernachlässigt, um Einblicke in die Freifläche mit den Loggien zu vermeiden und ausreichend Privatsphäre zu gewährleisten. Das ursprüngliche Konzept der Stellplatzanlage soll laut Walter beibehalten werden, aber man könne das Grün erhöhen. Die Weiterüberarbeitung sei den präsentierten Ergebnissen nach „sehr erfolgreich“ gewesen, „die eingebetteten Grünräume erscheinen weicher“ und auch die Spaliere seien ein schönes Element, so Binotto. Auch die geordnete Fassade erntete Lob. Dennoch empfahl er, das Walmdach dem Satteldach vorzuziehen, denn das gebe „eine ruhigere Linie“ und zusätzlich Volumen. Ansonsten wäre der Neubau des Hospiz zu klein an dieser Stelle, so Binotto abschließend.

Parkhaus Bahnhofstraße gegenüber dem Forum

Einmal mehr stand auch das geplante Parkhaus an der Bahnhofstraße gegenüber des Forums auf der Tagesordnung (der Kreisbote berichtete). Wie Architekt Klaus Maucher von Maucher & Höß Architekten in seiner Präsentation erklärte, sei die Einfahrt bei der Überarbeitung der Pläne aus dem Kreuzungsbereich an der Bahnhofstraße herausgenommen worden. Er würde den südlichen Baukörper aber gerne um ein halbes Geschoss erhöhen, damit zum Forum hin 2,40 Meter mehr Fassadenfläche entstünden. Auch das Erdgeschoss soll um einen halben Meter angehoben werden, um „dem Ganzen mehr Luft zu verschaffen“. Maucher war der Meinung, dass das Parkhaus an dieser Stelle gut ein weiteres Geschoss vertragen könnte und sich durch die zusätzliche Höhe besser gegenüber dem Forum einfügen würde. Auch Diezinger teilte diese Meinung: „Städtebaulich ist der Baukörper nicht zu hoch.“ Allerdings kämpfe man dabei mit der vorgegebenen Geschossflächenzahl und mit den Vorgaben des Bebauungsplans. „Es gibt immer noch Befreiungsbestände“, verwies OB Thomas Kiechle auf einen möglichen Weg, die zusätzliche Höhe zu rechtfertigen.

Durch die Überarbeitung habe das Parkhaus „deutlich gewonnen“, so Katja Aufermann. Sie bedauerte allerdings, dass es sich um ein „reines Parkhaus“ handle, ohne alternative Nutzung. Aufermann schlug daher vor, den Spitzbereich mehr einzurücken, zwei Stellplätze weniger zu planen und die Umfahrung im Parkhaus etwas nach Innen zu versetzen und diesen gewonnenen Platz einer anderen Nutzung zuzuführen. Die begrünte Außenfassade sah Fingerhuth als „was künstliches“ an und auch Diezinger betonte, dass eine vertikale Begrünung mit einem großen Aufwand verbunden sei. „Wir im Gremium sind uns nicht sicher, ob eine Bepflanzung der Fassade das richtige ist.“

"Erfundenes Haus" in der Immenstädter Straße

Viel Kritik von Seiten des Beirats erntete das von Architektin Johanna Chechelski vorgestellte Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten, einem Büro und einer Tiefgarage als Ersatzbau für das jetzige Gebäude in der Immenstädter Straße 19, an der Ecke zur Allgäuer Straße. Da sich „der Bauherr irgendetwas außergewöhnliches“ an dieser Stelle wünsche, präsentierte sie einen „sehr modernen, individuellen Baukörper“, der sich trotzdem in die Umgebung einfügt und alle Merkmale des Altstadtbauens berücksichtige, so Chechelski. So sah der vorgestellte Entwurf ein Gebäude mit einem steilen Satteldach, einer Lochfassade und Natursteinverkleidung (auch auf dem Dach), einer schräg verlaufenden Traufe und Kastenfenster vor. „Modern bauen heißt heute nicht mehr, sich vom Bestehenden abzusetzen,“ betonte Fingerhuth. Die Baufluchten seien genau aufgenommen und somit alles richtig gemacht worden, allerdings handle es sich bei den vorgestellten Plänen um ein erfundenes Haus, „das sich radikal vom Bestehenden distanziert“, vor allem durch die schräge Front und „den Glasturm vor den Kinderzimmern“. Das Haus sei flach und das in einer Gegend mit einer Vielzahl von Vor- und Rücksprüngen an den Gebäudefassaden. Das Haus sei hier nicht am richtigen Platz. Dieser Meinung schlossen sich auch die anderen abstimmungsberechtigten Mitglieder des Gestaltungsbeirats an. Diezinger betonte zudem, dass das gesamte EG für Büros genutzt werden sollte, da durch die starke Befahrung kein lebenswertes Wohnen gegeben sei. Aufermann sah auch die Stellplatzfläche als problematisch an, denn man brauche Fläche zum Rangieren, die nicht gegeben sei. Ihr Wunsch: Stellplätze auf der Freifläche verschwinden lassen, um Fläche für die Bewohner zu gewinnen, beispielsweise für einen Baum, eine Bank oder einen Sandkasten. Die Verhältnisse seien alle viel zu eng, schloss sich auch Binotto dieser Meinung an. Auch die Balkone auf der Südseite seien durch das Nachbargebäude „total verschattet“. „Wir würden der Stadt Kempten nicht empfehlen, dieses Haus so zu bauen“, so der abschließende Rat von Prof. Fingerhuth.

Lea Stäsche

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