Gestaltungsbeirat Kempten 

Keine Wiedervorlagen gefordert

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Unter anderem den Neigungswinkel des Daches, die Hausecke und auch einige Fenster des Mehrfamilienhauses in der Immenstädter Straße möchte der Gestaltungsbeirat schöner im Gesamtbild integriert sehen.

Es war einmal das älteste reine Weinlokal Kemptens und gehört seit vielen Jahren schon zum Besitz der Gebrüder Reischmann. Das „Goldene Fässle“ in der Promenadestraße bildet das südwestliche Eck des Modehauses Reischmann und soll nun für die Öffentlichkeit wieder zum Leben erweckt werden.

Es sei „Liebhaberei“ betonte Roland Reischmann vor dem Gestaltungsbeirat Anfang dieser Woche, mit der das Einkaufserlebnis im Modehaus nochmals attraktiver werden soll. Wie die Sanierung und Umnutzung des Einzeldenkmals, und dessen Verbindung mit dem Modehaus angedacht wird, erläuterten CEO Dieter Blocher und sein Mitarbeiter vom Stuttgarter Architekturbüro blocher partners.

„Bindeglied“ zwischen beiden Gebäuden soll der Innenhof mit einem gläsernen Aufbau sein, wodurch im Erdgeschoss eine „Symbiose“ aus Verkauf und Restaurant inklusive Außenbestuhlung entlang der westlichen und südlichen Hausfront entstehen soll. Auch ein unterkellerter Durchgang zwischen „Fässle“ und Kaufhaus sei denkbar. In den oberen Stockwerken ist unter anderem ein Beauty- oder Loungebereich geplant, mit direktem Zugang zum Modehaus, und in der etwas zurückgesetzten vierten Etage ein Barbereich mit Außenterrasse. Beirätin Katja Aufermann versprach sich hier einen Ort, „an den man gerne geht“ und der auch ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Stadtpark und Fußgängerzone sei. In der Glasfassade sah sie eine „eigene Sprache“ gegenüber dem 1960er-Jahre-Bau des Kaufhauses. Allerdings wünschte sie sich „mehr Licht von oben“ und fürchtete, dass das Glas im Original eher dunkel „und intransparent wirken“ würde und auch ein „Band“ wünschte sie durch eine Glasfläche ersetzt. Blocher erklärte, dass es schon aus energetischen Gründen keine komplette Glasfläche geben werde, „sondern partiell auch geschlossene Panele“.

Beirat Norbert Dietzinger empfand die „Diskrepanz“ zwischen Modell und Plan „schon sehr groß“, verbunden mit dem Wunsch, die transparentere Variante zu realisieren. Zu klären gab er die Frage mit auf den Weg, ob als Sonnenschutz vertikale Lamellen, die „nicht wie eine geschlossene Wand“ wirken würden, sinnvoller seien als die aktuell geplanten Vertikalrollos. Erwin Hagenmaier (CSU) störte sich dagegen daran, dass sich der Neubau mit dem Glasdach dazwischen „über das ­Fässle stülpt“, während das Gebäude mit einer Fassade, die gerade hochgehe, eigenständig bleiben könne. Auch über eine weitere Gaube statt der jetzigen Dachluke für mehr Licht im Dachstuhl soll nachgedacht werden. Geplant ist die Fertigstellung für Herbst nächsten Jahres.

Mehrfamilienhaus Immenstäder Straße

Die erste Variante für einen Neubau in der Immenstädter Straße 19 war einhellig abgeschmettert worden. Die, nach einem Wechsel des Planers nun vom Architekturbüro Jehle überarbeitete Fassung gab nur mehr für wenige Beanstandungen Anlass, die nochmals nachgebessert werden sollen. Wie berichtet, soll dort ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten, Gewerbeflächen und eine Tiefgarage entstehen, als Ersatzbau für das bestehende Eckhaus: L-förmig passe es sich in der Struktur in die Umgebung ein, so Christian Jehle, mit fünf Geschossen, einem Mansarddach, vier Stellplätzen im Innenhof und einer Tiefgarage mit 16 Stellplätzen und Zufahrt von der Allgäu- straße her, die Fassadenaufteilung „klassisch“. Als ein „sehr zufälliges Element“ bezeichnete Beiratsvorsitzender Prof. Carl Fingerhuth die Ecke mit einem Pfeiler und wünschte sich „mehr Würde“ für das Haus durch eine geschlossene Ecke. Auch erschien ihm der Sockel als „zu massiv“ im Gegensatz zu den Nachbargebäuden, an deren Erscheinung er auch die Neigung des seines Erachtens zu wuchtig geratenen Mansarddaches angepasst sehen wollte. Anmerkungen, deren Umsetzung sich Jehle „sehr gut vorstellen konnte“. Anders den Vorschlag, statt der großen Rampe für die Tiefgarage einen Autolift zu installieren, denn er bezweifle, dass das in Kempten angenommen werde. Vielmehr würden die Leute in der Regel schnell unzufrieden, „sobald sie mehr als ein paar Sekunden auf ihr Auto warten müssen“.

Hotel auf dem Brauhausgelände

Nachgebessert haben auch Fischer & Gibbes Architekten beim geplanten Hotel auf dem ehemaligen Brauhausgelände (der Kreisbote berichtete). Sie stellten zwei Varianten zur Auswahl: eine, die dem potentiellen Pächter besser gefalle und die von ihnen und dem Bauherrn bevorzugte. Letztere war auch der einhellige Favorit des Gremiums. Der optisch markanteste Unterschied zwischen beiden: die „gelungenere“ Variante zeigt eine klarere, wenn auch strengere Struktur, unter anderem durch eine klassische Anordnung der Fenster, die in der anderen Variante versetzt zu sehen sind. Dietzinger begrüßte, dass die beiden Gebäude in der bevorzugten Variante von Haus aus „getrennt voneinander aufgefasst wurden“. Es sei „eine Lösung, der wir Zustimmen können“. Dennoch regte er an, noch etwas mit der Traufhöhe zu spielen, um zu verbessern, dass „der Zwischenbau so dicht am Baukörper“ sei. Baubeginn ist für das Frühjahr 2018 geplant.

Keines der Bauprojekt muss nach erneuter Planungsanpassung nochmals vorgelegt werden.

Christine Tröger

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