An »optimaler Lösung gelegen« 

Gestaltungsbeirat will kein neues Polizeigebäude auf dem »Filetstück« Pfeilergraben 

Hier soll das neue Polizeigebäude entstehen, mit Erschließung auf der Seite der Rottachstraße und am Pfeilergraben.
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Hier soll das neue Polizeigebäude entstehen, mit Erschließung auf der Seite der Rottachstraße und am Pfeilergraben.

Kempten – „Es ist keine Abfuhr“, meinte Gestaltungsbeirat Hans-Peter Hebensperger-Hüther gegen Ende der Diskussion, „nur eine für diese Stelle.“ Auch sein Gremiumskollege Helmut Kuess bezeichnete den anvisierten Ort für einen Neubau der Polizeidienststelle am Pfeilergraben als „eine schlechte Wahl“, wenn auch aus Sicht der Polizei „schlüssig“. 

Das von der Stadt aktuell angemietete und als öffentlicher Parkplatz genutzte Grundstück ist im Besitz des Freistaats. Das Gebäude, in dem ehemals das Gesundheitsamt beheimatet war, wird bereits von der Polizei genutzt. Vorgestellt wurde das Bauvorhaben von Cornelia Bodenstab, Leiterin des Staatlichen Bauamts. Kripo, Polizeiinspektion und operativer Ergänzungsdienst sollen am Pfeilergraben künftig gemeinsam in einem viergeschossigen Gebäude untergebracht werden, was von der Höhe her zum Umfeld passe.

Für den „in Absprache mit der Stadt“ geplanten Gestaltungswettbewerb – natürlich werde die öffentliche Hand „letztlich den Daumen auf der Lösung be- halten wollen“ – sollen laut Bodenstab „keine Baugrenzen festgesetzt“ werden, um „die beste Lösung für Kempten“ finden zu können. So würde die Stadt noch „einen Grünstreifen“ dazu geben, „damit wir uns besser bewegen können“. Auf Nachfrage von Hebensperger-Hüther gab Bodenstab an, dass es keine offene, sondern eher eine „Hofbebauung“ werde, mit Zugang über eine „Schleuse“ ähnlich wie bei der Residenz mit dem Amts- und Landgericht.

Die Tiefgarage für Dienstfahrzeuge soll über die Rottachstraße erschlossen werden, mit einer „Notausfahrt“ am Pfeilergraben. Wohl sei der Kreisel ungünstig, aber die Stadt plane, die Situation mit der Unterführung im Laufe der nächsten fünf Jahre eh umzubauen.

Ursprünglich sei auch die Ari-Kaserne ins Auge gefasst worden, antwortete Bodenstab auf Kuess’ Frage, ob andere Standortoptionen geprüft worden seien. Allerdings beanspruche der Bund dort bereits ziemlich viele Flächen und die Stadt wolle schließlich auch noch etwas. Umgeben von Feuerwehr, Justiz und Polizeiverwaltung sah Bodenstab den Pfeilergraben als ideal und „mittlerweile begrüßt auch die Stadt den Standort“, wie sie meinte.

Das „terrassierte“ Gelände erschien Hebensperger-Hüther aber schon aus topographischer Sicht „nicht geeignet“. Zudem fördere es nicht die Öffentlichkeit. Für den angrenzenden Hofgarten als öffentlicher Ort wäre es aus seiner Sicht aber günstig, wenn er auch von öffentlich genutzten Plätzen umgeben werde. Zudem bezweifelte er, dass eine Realisierung der Pläne überhaupt möglich sei, da die Umgestaltung der Erschließungssituation noch länger nicht in Angriff genommen werde und auch die „alle als denkmalgeschützt eingetragenen Bäume“ entlang der Rottachstraße nicht stehen bleiben könnten. Der Ort sei „immens wichtig für Kempten“ und deshalb seines Erachtens „einfach falsch“ für das Vorhaben.

Auch Beiratskollege Thomas Glogger sah ein Problem darin, dass es zwar ein öffentliches Gebäude sein würde, es aber „die Öffentlichkeit nicht sucht“ und sich deshalb auch nicht mit dem Hofgarten „vernetzt“. Die Fläche sei ein „Filetstück“ und das Gebäude würde den Hofgarten beeinträchtigen, meinte Glogger. Er schlug vor, „als Zwischenschritt“ noch zwei, drei andere Standorte im Umgriff zu untersuchen: Das als Sportplatz genutzte angrenzende Grundstück Ecke Orangerieweg/Rottachstraße; den großen Parkplatz westlich der Ämtergebäude an der Rottachstraße; die Parkplätze bei der Feuerwehr.
Zudem sprach sich der Gestaltungsbeirat für eine städtebauliche Untersuchung aus, um die Potentiale der „Achse Rottachstraße“ auszuloten und auch zu überlegen, wie die Stadteinfahrt hier überhaupt aussehen soll.

Oberbürgermeister Thomas Kiechle hob die Bedeutung des Polizeistandorts für Kempten hervor und versprach, die Anregungen aufzugreifen, weil auch ihm „an einer optimalen Lösung gelegen“ sei.

Christine Tröger

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