"Gewaltiges Vakuum" bereitet Sorgen

Diskutierten über den Fachkräftemangel: Annegret Fabry-Dorner (v.l.), Leiterin der Altenpflegeschule Immenstadt, Joachim Pape, Personalleiter bei Swoboda, Dominique Dauser vom Forschungsinstitut für betriebliche Bildung aus Nürnberg (fbb), Heinz Müllenbeck, Geschäftsführer des Geschäftsfeldes Aus- und Weiterbildung im IHK-Bildungshaus in Augsburg, Moderator Robert Otto, Rainer Wohlhöfner, Personalleiter SRI, Anton Klotz, stellvertretender Landrat, und Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit in Kempten. Foto: Tröger

Der Fachkräftemangel war Thema der Podiumsdiskussion zum Abschluss des Projekts „Perspektive Süd“ im Kemptener Kornhaus am Dienstag vergangener Woche. Die geradezu schon abschreckenden Ausbildungs- und auch Arbeitsbedingungen im Pflegebereich beklagte Annegret Fabry-Dorner , Leiterin der Altenpflegeschule in Immenstadt, und wünschte sich gute Ausbildungsmöglichkeiten sowie „mehr Flexibilität“ von der Agentur für Arbeit.

Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit in Kempten und Memmingen, bestätigte gerade beim Pflegepersonal eine „sehr große Nachfrage, die man nur bedingt erfüllen kann“. Allerdings müsse „Qualität vor Quantität“ stehen. Da in den kommenden Jahren deutlich weniger Schulabsolventen zur Verfügung stünden, müssten verstärkt auch Migranten integriert werden. Als wichtig erachtete er, „dass Arbeitnehmer sich durch Weiterbildung fit halten, um ihre Arbeit bis zum Rentenalter zu erhalten. Hier sah Rainer Wohlhöfner, Personalleiter bei SRI Radio Systems GmbH, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in der Pflicht, um dem immer schnelleren Wandel gerecht zu werden. Joachim Pape, Personalleiter bei Swoboda in Wiggensbach, erkannte eine größere Bereitschaft zur Fortbildung insbesondere bei „höher Qualifizierten“. Problematisch seien Qualifizierungsmaßnahmen oft wegen mangelnder Sprachkenntnisse oder bei Frauen, die Arbeit und Beruf verbinden müssten. Wie Wohlhöfner, wünschte er sich „mehr Transparenz in Bildungsangeboten“ und richtete einen Appell auch an die Allgäu GmbH: „Wir werden als Urlaubsregion wahrgenommen, aber nicht in gleichem Maße als Region mit attraktiven Unternehmen für Arbeitnehmer“. Dadurch sei es schwierig, Personal von außerhalb zu gewinnen. "Nichts Neues" Eine noch stärkere Sensibilisierung der Jugendlichen für eine rechtzeitige Berufswahl mahnte Heinz Müllenbeck Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung im IHK Bildungshaus Augsburg und betonte zugleich, dass Fachkräftemangel „ja nichts Neues“ sei. Letztlich sei immer entscheidend, dass „der richtige Mensch mit der richtigen Qualifikation zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist“. Er regte eine „Solidarisierung“ gerade von kleinen Betrieben an, um die Personalentwicklung, auch mit Blick auf den internationalen Wettbewerb, bewältigen zu können. Zwei „Hauptaspekte“ machte Anton Klotz, stellvertretender Landrat und Bürgermeister von Haldenwang, für Gemeinden aus: Möglichst familienfreundliche Strukturen und gute Qualifikationsmöglichkeiten, zum Beispiel durch Berufsorientierung an Mittelschulen. Er sprach von einem „gewaltigen Vakuum“ im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes (HOGA), wobei einige Ausbilder noch begreifen müssten, dass „ich junge Leute nicht ausnutzen kann“. Es könne nicht sein, dass von zehn Köchen die Hälfte ihre Abschlussprüfung nicht bestehe. „Das liegt doch am Ausbilder, nicht an den jungen Leuten“, wetterte Klotz. Ein „sehr konjunkturabhängiges Interesse“ von Unternehmen an Qualifizierungsmaßnahmen merkte dagegen Dominique Dauser vom Forschungsinstitut für betriebliche Bildung aus Nürnberg (fbb) an. Handlungsbedarf sah sie insbesondere bei Nachqualifizierungsangeboten zum Beispiel für Leute die sprachlich nicht fit genug seien und deshalb keine Förderung bekommen könnten. Dadurch werde „berufliche Fortbildung wegen Sprachproblemen verhindert“, statt darauf einzugehen.

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