DGB fordert Mindestlohn

"Müssen von ihrer Arbeit leben können"

+
„Arbeit: sicher und fair” ist heuer das Motto der Gewerkschaften bei den Feierlichkeiten am 1. Mai.

Kempten – 2013 wird ein Superwahljahr: Im September tritt die rot-grüne Opposition an, die schwarz-gelbe Regierungskoalition sowohl im Bund als auch im Freistaat abzulösen. Dafür brauchen Steinbrück, Ude, Roth & Co. die klare Unterstützung der Gewerkschaften.

Die traditionellen Maifeierlichkeiten zum Tag der Arbeit in der Kemptener Hirnbeinstraße nahm daher der DGB-Regionalverband Allgäu-Donau-Iller zum Anlass, sich politisch klar zu positionieren.

Im Wahljahr geht es den Gewerkschaften um sichere Arbeitsplätze statt perspektivloser Jobs, um einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro, um Entgeltgleichheit für Männer und Frauen und um ein soziales Europa, nicht um ein „Kaputtsparen” zu Lasten von Beschäftigten, Erwerbslosen und Rentnern in den betroffenen Euro-Krisenländern. „Wir wollen keine Gnade, wir wollen unser Recht”, sagt daher die stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende Ilona Deckwerth von der GEW und spricht auf die jüngsten Steuersünder-Skandale an. Es liege eben nicht im Ermessen des Steuersünders, wie viel er von seinem Vermögen wem als großzügige Spende zu Teil kommen lasse, sondern der Steuergesetzgebung, Abgaben und Steuern zu erheben, um diese je nach Bedürftigkeit und Dringlichkeit wieder der Gesellschaft zukommen zu lassen. „Steuerhinterziehung in großen Dimen- sionen ist eine Straftat, ist ein Vergehen an der Gesellschaft”, so die stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende weiter.

Auf der anderen Seite der Gesellschaft rutschen hingegen immer mehr abhängig Beschäftigte in prekäre Arbeitsverhältnisse. Gemäß den Erhebungen der Gewerkschaften ist hiervon schon jeder vierte Beschäftigte in Deutschland betroffen. Auch die Zahlen für das Allgäu, die der DGB an diesem Tag vorlegte, zeigen diesen Trend auf. Laut DGB liegt der prozentuale Anteil von „Niedriglöhnern” im Allgäu bei rund 20,5 Prozent, d.h. nominal sind rund 36 300 Beschäftigte betroffen. Auch bei den Minijobbern liegt das Allgäu nach DGB-Angaben mit nominal 68 600 bei 227 000 Beschäftigten insgesamt im bundesdeutschen Trend mit immer mehr Beschäftigten mit mehr als einem Arbeitsplatz. „Diese prekären Arbeitsverhältnisse müssen dann vom Staat aufgestockt werden, damit die Betroffenen überhaupt finanziell über die Runden kommen”, so Deckwerth.

So forderte sie gemeinsam mit dem stellvertretenden Regions-Vorsitzenden, Ludwin Debong, am 1. Mai die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro. „Die Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können, eine gute und gerechte Arbeitsmarktordnung ist aus unserer Sicht der beste Garant für gute Arbeit”, so die beiden Kreisvorsitzenden. Aus dem Blickwinkel der Arbeitnehmervertreter werden auch die Lohngleichheit von Mann und Frau, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sprich Betreuungsprogramme für Kinder – kein „Betreuungsgeld”, Renten, die zum Leben reichen und die angesprochene solidarische Lösung der Euro-Krise zentrale Themen dieses Superwahljahres werden.

Nach der Rede Debongs gab es eine Aufführung der DGB-Jugend. Sie fordern in Sprechchören und in Schlagwörtern auf einem Banner „Ausbildung und Arbeit für alle”. „1. Mai – nazifrei”, skandieren sie dazu und riefen so noch einmal eine düstere Zeit der deutschen Gewerkschaftshistorie ins Bewusstsein: Vor genau 80 Jahren zerschlugen die Nationalsozialisten die freie deutsche Gewerkschaftsbewegung. Am Ende erfolglos.

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu

Kommentare