"Es gibt keine Alternative"

Einen neuen Weg wollen die Kliniken Oberallgäu und das Klinikum Kempten-Oberallgäu gemeinsam beschreiten, um die Krise der Krankenhäuser in Kempten zu beenden: Eine gemeinsame Holding soll das Klinikum Kempten-Oberallgäu, das seit Jahren Defizite anhäuft, auf Kurs bringen und dauerhaft sanieren. An der Dachgesellschaft sind der Landkreis und die Stadt Kempten je zur Hälfte beteiligt. Der Vertrag soll zum 1. April 2010 unterschriftsreif sein. Geschäftsführer des Klinikums Kempten-Oberallgäu wird – befristet auf drei Monate – ab Januar 2010 Andreas Ruland, Geschäftsführer der Kliniken Oberallgäu.

Wohin die Reise gehen wird, stellte der Oberallgäuer Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken Oberallgäu in der jüngsten Kreistagssitzung klar: „Wir sind darauf angewiesen, neue Wege zu gehen.“ Im Gegensatz zum Klinikum Kempten-Oberallgäu, das in den vergangenen drei Jahren ein Defizit von mehr als sechs Millionen Euro angehäuft habe, stünden die Kliniken Oberallgäu nach Abschluss der Sanierungsphase mit einem Plus da, wies Kaiser auf den Erfolgskurs hin. In intensiven Gesprächen habe sich in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sich die beiden Kliniken nur in einem „strukturierten Miteinander“ entwickeln könnten, fasste Landrat Kaiser die Ergebnisse zusammen. Die Aufsichtsräte der beiden Klinik-Gesellschaften haben sich auf Gründung einer Dachgesellschaft verständigt. Sowohl der Kemptener Stadtrat als auch der Oberallgäuer Kreistag haben sich geschlossen hinter das Konzept gestellt. Bis März kommenden Jahres, so der Auftrag, soll die Konstruktion vertraglich festgezurrt sein. Die Hauptziele des Zusammenschlusses sieht Landrat Kaiser in der optimalen medizinischen Versorgung der Bevölkerung einerseits. Andererseits soll sich darin auch die optimale „Marktabdeckung“ spiegeln. Sprich: Die Spezialisierung soll so umfassend sein, dass Patientenabwanderungen – etwa nach Ulm, Augsburg oder München – verringert werden. „Dazu braucht es schwarze Zahlen“, brachte Kaiser die Ausrichtung auf den Punkt. Die Kliniken müssten in kommunaler Trägerschaft bleiben und dennoch „erfolgreich arbeiten und auf dem Markt sein“, umriss er das Erfolgsrezept. Offenbar ein Erfolgsmodell. In derselben Kreistagssitzung hatte Geschäftsführer Andreas Ruland eine Bilanz des Sanierung der Kliniken Oberallgäu gezogen. Bevor der Kreistag mit dem Sanierungstarifvertrag vor sechs Jahren die Notbremse zog, hatten die Krankenhäuser im südlichen Landkreis rund 8,5 Millionen Euro an Defiziten angehäuft. Zum Ende des Jahres 2009 kann die Gesellschaft wieder ein Plus verzeichnen. Ruland schloss seinen Bericht mit der Feststellung: „Die meisten Sanierungen und Umstrukturierungen scheitern, weil die Kommunalpolitik nicht in der Lage ist, schwer wiegende Entscheidungen zu treffen.“ Den Erfolg schreibt Kaiser mit dem Umstand zu, dass „der eingeschlagene Weg konsequent gegangen“ worden sei. Von schwarzen Zahlen sei beim Beginn der Sanierungsmaßnahmen noch keine Rede gewesen. Der Sanierungstarifvertrag sei auch erfolgreich gewesen, weil er die breite Zustimmung der Mitarbeiter gefunden habe. Immerhin verzichteten die Angestellten der Kliniken während sechs Jahre auf rund sechs Millionen Euro. Die Gefahr, dass die „gesunde“ Kliniken Oberallgäu zukünftig die „kranke“ Schwester Klinikum Kempten-Oberallgäu stützen müsse, sieht Kaiser mit der Gründung der Holding für ein gemeinsames Managements allerdings nicht. Es handle sich um zwei wirtschaftliche Einheiten mit getrennten Abrechnungen. „Wie haben keine Alternative zu diesem Zusammenschluss“, appellierte Kaiser an die Kreistagsmitglieder. Es sei an der Zeit, Vergangenes hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen, zog er einen Schlussstrich unter die Jahre des Gegeneinanders. „Vor drei Wochen wäre ein solcher Schritt noch undenkbar gewesen.“ Endlich sei man aufeinander zugegangen. Kaiser: „Das Gesundheitswesen in kommunaler Hand zu halten können wir nur im Miteinander schaffen.“ Ein Miteinander, dass auch Geschäftsführer Ruland für wesentlich hält: „Wir brauchen gewisse Größen, wenn wir auf dem Markt bestehen wollen.“ Bei zünftigen Verhandlungen mit den Krankenkassen und Verbänden sei Stärke gefragt. Zusammen kommen die beiden Gesellschaften auf rund 145 Millionen Euro Jahresumsatz - bei fast 40000 stationären Patienten.

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