Auftakt der Veranstaltungsreihe "Globales Lernen" an der Robert-Schuman-Mittelschule

Die Welt ins Klassenzimmer holen

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Wie kann globales Lernen in den Schulalltag integriert werden? Gymnasiallehrerin Katja Honold (li.) bekommt von Gabriele Winkler entsprechende Tipps.

Kempten – Für eine Schule, an der Kinder aus 35 Nationen lernen und zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler wenig oder kein Deutsch sprechen, ist globales Lernen eigentlich bereits Realität. Die Robert-Schuman-Mittelschule ist, wie Rektor Herbert Rotter bei der Begrüßung erwähnte, dem Europagedanken besonders verpflichtet und mehrfach als Umweltschule ausgezeichnet worden.

Die Auftaktveranstaltung richtete sich insbesondere an die Lehrkräfte von Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen, um sie für nachhaltige Maßnahmen zur Integration und Inklusion zu gewinnen.

Das Motto „Globales Lernen – Kempten lernt“ soll ausdrücken, dass die weltbewegenden Themen nicht weit weg sind, so OB Thomas Kiechle in seinen Ausführungen zu den Herausforderungen der Globalisierung für das Allgäu und die Stadt Kempten. Der drohende Klimawandel beispielsweise mache teure Hochwasserschutzbauten nötig und die Flüchtlingskrise beschäftige die Kommune über die Maßen. „Wir müssen den Herausforderungen im Sinne der strategischen Ziele Kemptens tatkräftig und aktiv begegnen“, bekräftigte Kiechle und bekannte sich zur Mitverantwortung für die globale Weltfamilie.

Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen hat, lenkte den Blick von der Region auf die Welt. „Globales Lernen heißt, die Welt verstehen“, so Müller. Das Wissen habe sich weltweit enorm weiterentwickelt, so dass wir heutzutage rund um den Globus nicht nur Wissen, sondern auch Menschen, Güter und Dienstleistungen austauschen. Allgäuer Produkte finden wir auch in China, was nicht nur Wohlstand, sondern auch Abhängigkeit und Konkurrenz schaffe. „Wir müssen die in New York formulierten Nachhaltigkeitsziele auf Kempten herunterbrechen“, forderte der Minister. Das geschehe vorrangig durch eine schulische und berufliche Bildung, die auch emotionale und interkulturelle Kompetenz vermittle. Er wies auf das globale Verteilungs- und Gerechtigkeitsproblem hin und kritisierte den Konsumstil der Menschen, der zum Beispiel unsinnige Abfallberge verursache: Stichwort Café-To-Go in Pappbechern. Um die Zukunft zu sichern, müsse die Welt ins Klassenzimmer geholt werden.

Auf dem Boden des Veranstaltungsraums ausgebreitet lag eine „Weltspielplane“, auf der die Kontinente ungewohnte Proportionen haben. Angeleitet von Rainer Schwarzmeier von der regionalen Bildungsstelle Baden-Württemberg konnte das Publikum Hütchen auf die Länder setzen, um deren Anteil an der Weltbevölkerung darzustellen. Dabei wurde klar, dass die Hälfte der 7,5 Milliarden Menschen in Asien lebt.

„Wie kann Globales Lernen in den Schulalltag integriert werden?”, fragte die Projektentwicklerin und Trainerin Dr. Judith Abdel-Massih-Thiemann. Sie möchte der Lehrerschaft nicht noch ein weiteres Thema in den eh schon überfüllten Lehrplan pressen, vielmehr jede Schule ihren eigenen Weg gehen lassen. Sie verwies zudem auf die personelle und finanzielle Unterstützung, die etwa für Projekttage und Schulaustauschprogramme zur Verfügung stehen. Aber auch die örtliche Diakonie und die Caritas haben Lernmodule für Schulklassen entwickelt.

Gabriele Winkler stellte Engagement Global vor, einen staatlichen Service für Entwicklungsinitiativen, der an sieben Standorten in Deutschland vertreten ist. Mit vielfältigen Programmen fördert diese Institution das „Lernen auf Augenhöhe“ mit dem globalen Süden, zum Beispiel in Form von Schulpartnerschaften mit Entwicklungsländern. Ihre Bitte an die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer: „Machen Sie weiter, verbreiten Sie die Informationen, nehmen Sie die Unterstützungsangebote an und planen Sie geeignete Aktivitäten!“

Der Schulrat für das Oberallgäu, Lindau und Kempten, Johann Fasser, appellierte in seinem Schlusswort an die Phantasie der Lehrerschaft, der beim Umsetzen der Lernziele keine Grenzen gesetzt seien. Im Mai/Juni 2016 sollen die Ergebnisse präsentiert und Preise für besonderes Engagement verteilt werden.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich die Teilnehmenden an dieser Auftaktveranstaltung praktische Tipps von den Experten und Expertinnen einholen und mit weiterführenden Webadressen und Infomaterial eindecken.

Die Rollen der mitwirkenden Schülerinnen und Schüler sollen nicht unerwähnt bleiben: Zur Begrüßung traten elf Kinder mit ihren Trommeln an und boten einen perfekten Rhythmus, zwei 13-jährige, Fabiana und Erik, waren für die Moderation zuständig und griffen selbstsicher zum Mikrofon, der ebenfalls 13 Jahre alte David mit Schwung in die Klaviertasten. Auch den Kindern der Schülerfirma Catering gebührt ein großes Lob für die Köstlichkeiten, die sie hergestellt, schön präsentiert und dem Publikum nach der Veranstaltung als Fingerfood angeboten haben.

Elisabeth Brock

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