Zu viel Schwein macht auch nicht glücklich

Abnehmer für Minischweine gesucht

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„Viele kranke Menschen in unserer Gesellschaft wurden durch Medikamente gerettet, die zuvor an Tieren wie diesen getestet wurden“, sagt Anna. Nun möchte sie den Tieren, die eigens für die Pharmaindustrie gezüchtet wurden, indirekt etwas zurückgeben, „Sie sollen ein schönes Leben haben, wünscht sie sich.“

Betzigau – Eigentlich wollte Anna nur vier bis sieben Göttinger Minischweinchen für ihren Bauernhof, auf dem sie zurzeit im Allgäu lebt.

Die Tiere sollten ihr durch ihren natürlichen Drang, die Erde zu durchwühlen, beim Umbrechen des Bodens für einen späteren Permakultur-Gemüsegarten behilflich sein. Was niemand ahnte: Die weiblichen Schweinchen, die sie bekam, waren trächtig und erwiesen sich überdies als äußerst fortpflanzungsfreudig. Mittlerweile tummelt sich eine zu große Rotte auf dem Grundstück. Nun hofft Anna, die Herzen anderer Schweine- und Tierliebhaber zwecks schlachtfreier Unterbringung der Tiere zu gewinnen. 

„Ich wurde von der rasanten Entwicklung förmlich überrollt“, gesteht Anna. „Nach dem ersten, unverhofften Wurf hatte ich natürlich vor, alle männlichen Tiere kastrieren zu lassen. Dass bei den Göttinger Minischweinen, einer eigens für die Pharmaindustrie gezüchteten Rasse, die Geschlechtsreife mehrere Monate vor dem sonst üblichen Alter eintritt, wusste ich einfach nicht.“ So hatten die neugeborenen Eber noch vor ihrer Kastration innerhalb kürzester Zeit ganze Arbeit geleistet und wieder alle Sauen begattet. Sie habe schon vieles versucht, um einen guten Platz für Tiere zu finden, die sie nach ihrer explosionsartiger Vermehrung in einem provisorischen Gehege untergebracht hat. „Drei Schweinchen sind an eine gemeinnützige Organisation gegangen, wo sie in die tiergestützte Arbeit mit beeinträchtigten Menschen eingebunden sind. Zudem sollten alle kastrierten Eber letzten Herbst von der Tierschutzorganisation Schweine e.V. abgeholt werden. 

Aufgrund eines gesundheitlichen Schicksalsschlages in der Familie der Leiterin musste die Aktion jedoch kurz vor dem festgesetzten Abholtermin abgesagt werden. Die Frau mit den freundlichen Augen und den Händen, denen man ansieht, dass sie an harte Arbeit gewöhnt sind, erzählt, dass es ihr schon seit ihrer Jugend ein Bedürfnis gewesen sei, Tieren und Menschen in Not zu helfen. Dieser Ansatz spiegelt sich auch in ihrem beruflichen Werdegang wider: von der Drogistin und Pharmareferentin wurde sie zur Buchautorin, Gründerin des Kreises „positives Denken“ und Gesundheitsbegleiterin. „Ich habe viele Jahre lang einen Zufluchtshof in Südeuropa betrieben“, berichtet Anna. Mit den Schweinchen wolle sie eine Art Ausgleich dafür schaffen, dass diese Tierrasse sonst nur als Nahrungsmittel oder Versuchsobjekte genutzt wird. „Sie sollen einfach ein schönes Leben haben.“ Die abzugebenden Tiere sind bis zu vier Jahre alt. Sie haben eine Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren. 

Die Bezeichnung „Minischweine“ ist ein wenig irreführend, denn ausgewachsen erreichen sie eine stattliche Größe. „Die Schweine sind allesamt kastriert und gesund. Sie können auf Höfen oder auch in eingezäunten Privatgärten gehalten werden. Allerdings müssen sie wühlen können und brauchen ihr regelmäßiges Schlammbad. Sie sind sehr robust und kommen problemlos auch mit hohen Minustemperaturen zurecht. Somit können sie das ganze Jahr über im Freien sein, sofern sie einen windgeschützten Platz haben.“ Da Schweine die Gesellschaft von Artgenossen brauchen, komme Einzelhaltung nicht in Frage.

„In der bäuerlich geprägten Region um Graz gibt es Seniorenheime, wo Schweine dieser Rasse im Garten gehalten werden. Die Bewohner können sie streicheln und sich ein wenig um sie kümmern. Da auch hier im Allgäu viele Senioren aus landwirtschaftlichen Betreiben stammen, wäre es doch vielleicht eine Bereicherung, diese Idee auch im Allgäu umzusetzen“, regt sie an. Auch für Kinder und Jugendliche seien die Tiere geeignet: „Die Schweine sind sehr intelligent, sozial und feinfühlig – und sie werden innerhalb von 14 Tagen handzahm.“ 

Interessenten können sich schriftlich an die folgende Adresse wenden: Kreisbote-Geschäftsstelle Kempten, Stichwort „Glücksschwein“, Salzstraße 30, Kontakt mit Anna aufnehmen. 

Sabine Stodal

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