Golf für Jedermann

Fröhliches Lachen ertönt auf der Terrasse des Café Mocca, es ist 13.30 Uhr am frühen Samstagnachmittag. Markus, Joachim, Klaus, Anna, Lars, Enzo, Sandra, Reiner, Andi und Michael fühlen sich sichtlich wohl auf der SwinGolf-Anlage in Mywiler bei Opfenbach. Gerade kam die lustige Truppe von der ersten Hälfte ihrer Runde zurück. Neun Loch haben sie seit 10 Uhr geschafft, der Regen hat aufgehört, Sonnenstrahlen tauchen den sattgrünen Platz in ein warmes Licht. Jetzt gibt es Weizen vom Fass und Würstchen mit Senf, eine willkommene Stärkung für die nächsten neun Loch auf dem grünen Rasen. Die Truppe, so stellt sich auf Nachfrage heraus, ist die Belegschaft der Firma Jöcker aus Singen. Die SwinGolf-Anlage im Westallgäu haben sie als Ziel ihres diesjährigen Betriebsausflugs gewählt.

Erwachsene Menschen versuchen, mit keulenförmigen Schlägern einen kleinen weichen Ball von der Größe eines Semmelknödels zu treffen. Gerade am Anfang gehen viele Schläge in die Luft. Der kleine Knödel bewegt sich keinen Millimeter. Kann es sein, dass dieses Freizeitvergnügen Spaß macht? „Ja, ein klares, eindeutiges Ja“, sagt Konrad Kohler mit einem Lachen, „es macht allen Spaß, die uns hier besuchen“. Im Jahr 2000 hat der Nebenerwerbslandwirt einen Artikel über eine SwinGolf-Anlage in der landwirtschaftlichen Pachtzeitung gelesen. Der Sport kommt aus Frankreich und wurde als zweites Standbein für landwirtschaftliche Betriebe vorgestellt. SwinGolf ist Golf für Nichtgolfer, man spielt es mit einem Softball auf Rasen, die Spielbahnen haben zum Teil eine Länge von mehreren 100 Metern. Im Frühjahr 2002 eröffneten die ersten beiden Anlagen in Deutschland, eine in Paderborn, die andere in Abenberg bei Nürnberg. Im Dezember stieß Kohler wieder auf einen Bericht, in dem eine der neuen Anlagen vorgestellt wurde. Schon wenige Wochen später hatte er sich zwei Anlagen persönlich angesehen. Sein Entschluss, einen solchen Platz zu bauen, stand sehr schnell fest. Kohler war sich sicher, dieses einzigartige Angebot passt perfekt in die Urlaubsregion im Westallgäu. Dann ging es Schlag auf Schlag. „Den Bauantrag haben wir im April 2003 gestellt, die Genehmigung kam im Sommer 2004, die ersten neun Loch haben wir schon im Herbst des gleichen Jahres eröffnet“, erläutert der Landwirt die Entstehungsgeschichte. Auf einer Fläche von 4,5 Hektar gingen die ersten neun Bahnen in Betrieb. Die Anlage wurde mit Mitteln aus dem Leader-Plus-Programm der Europäischen Union gefördert und der Erfolg gab Kohler recht. Schon zwei Jahre später wurden der Platz auf 18 Loch ausgebaut und war kurz darauf Austragungsort der SwinGolf Europameisterschaften im Jahr 2007. Sicherheit wichtig In die Platzpflege investiert der Landwirt wöchentlich 12 bis 15 Arbeitsstunden, ein Teil seines Jungviehs ist gerade im Alpsommer. So hat er Zeit, täglich ab 10.30 Uhr die Familien, Urlauber, Vereine, Schulklassen und Firmenausflüge zu betreuen. Jeder Spieler erhält zunächst eine Einweisung in das Putten und in die Schlagtechnik auf den Spielbahnen. Bevor es auf die Runde geht, kann an einem Netz geübt werden. „Auf die Sicherheitsregeln legen wir bei der Einweisung sehr großen Wert“, sagt Kohler. Seine Frau Viktoria unterstützt ihn kräftig beim Betrieb der SwinGolf-Anlage. „Kinder sind es gewohnt zu lernen, die hören besser zu und begreifen schneller“, sagt sie, „Erwachsene sind oft viel zu ungeduldig.“ Diese Erfahrung fand sie in den zurückliegenden Jahren immer wieder bestätigt.

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