"Goliath" sticht in See

„Nach über drei Jahren Projektentwicklung heißt es heute `Leinen los` für das Errichterschiff“, freute sich jüngst ein sichtlich zufriedener Klaus Horstick, Geschäftsführer des Trianel-Windparks Borkum (TWB). Und mit ihm freute sich beim ersten Hammerschlag in der Nordsee auch Jürgen Herrmann, Prokurist beim Allgäuer Überlandwerk (AÜW). „Das Engagement in Borkum bedeutet für uns einen weiteren wichtigen Schritt für die Erreichung des Energiewende-Ziels im Allgäu“, so Herrmann.

„Wir bauen seit Jahren konsequent die Energie-Erzeugung für das Allgäu aus. Bereits 2010 lag der Anteil der Erneuerbaren Energien mit 27,9 Prozent weitaus höher als der Bundesdurchschnitt mit 17,3 Prozent“, erläuterte der Prokurist. „Unser Ziel für 2020 ist, einen Anteil von mindestens 40 Prozent und mehr an Erneuerbarer Energie“, so Herrmann weiter. Im Allgäu – wie in den anderen Regionen, aus denen die Gesellschafter des Trianel Windparks Borkum kommen – wachse der Wunsch nach einer klimaneutralen Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien. „Mit dem Start des Baus kommen wir der Realisation unserer Ziele daher wieder ein Stückchen näher“, ergänzt AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke. „Dabei stellt der Bau eines Offshore-Windpark zweifellos besondere Anforderungen an die Ingenieure’“, so Lucke. „Die Baustellenlogistik auf See ist eine völlig andere Herausforderung als eine Kraftwerksbaustelle an Land“, beschreibt Klaus Horstick die Aufgabe. Die 160 Meter hohen Windräder vom Typ Areva M 5000 stehen auf gewaltigen dreifüßigen Fundamenten, den sogenannten Tripods. Diese um die rund 700 Tonnen schweren Tripod-Gründungsstrukturen, die zurzeit in Bremerhaven angefertigt werden, werden schließlich jeweils mit drei hohlen, 100 Tonnen schweren Stahlrohren, den so genannten Piles, im Meeresgrund verankert. Schutz für Wale Bereits im Frühjahr haben die Bauvorbereitungen für den ersten kommunalen Offshore-Windpark begonnen. Und zwar mit der Vorbereitung für Maßnahmen zum Naturschutz. An Land wurde der große Blasenschleier getestet, der als Schutz für die marinen Säuger um die Baustelle gelegt wird. Im August haben erste Tests auf See stattgefunden. Ziel des Blasenschleiers ist, vor allem die Schweinswale vor dem Lärm, der bei den Rammarbeiten für die Fundamente entsteht, zu schützen. Dabei fährt das Boot mit dem Blasenschleier an die geplante Fundament-Position, um hier den Blasenschleier um die Baustelle zu legen. Sobald der Blasenschleier mit seinem Durchmesser von etwa 100 Metern geschlossen um die Baustelle platziert ist, fährt das Installationsschiff „Goliath“ in den schallgeschützten Bereich. Dort „positioniert“ sich das Schiff auf seinen vier Füßen, die hydraulisch auf den Meeresgrund abgelassen werden. „Mit ihren hydraulisch betriebenen Beinen steht die Goliath fest auf dem Meeresboden“, so Klaus Horstick. Anschließend wird eine Rammschablone auf dem Meeresgrund platziert und jedes Stahlrohr mit bis zu 3000 Schlägen des hydraulischen Hammers millimetergenau eingerammt. Die Schablone ist nötig, damit die Stahlrohre (Piles) im richtigen Abstand zueinander stehen, um im kommenden Frühjahr die Tripods über die Piles zu heben. Beeindruckende Maße Die Stahlrohre haben ein Durchmesser von 2,5 Metern und eine Länge von 25 bis 30 Meter. Je nach Bodenbeschaffenheit wird ein längeres oder kürzeres Stahlrohr verwendet. „Der Untergrund wurde vorher von Geologen analysiert, sodass wir genau wissen, wann wir welche Stahlrohr Länge nutzen müssen“, berichtet Horstick. Im Sommer 2012 wird die Endmontage der 40 Windräder des ersten Bauabschnitts beginnen, die im Winter 2012/13 abgeschlossen sein soll. Zeitgleich will der Trianel Windpark Borkum (TWP) mit der Stromlieferung beginnen. Der zweite TWB-Bauabschnitt mit weiteren 40 Windrädern soll 2014 angegangen werden. Die Vorbereitungen zur Umsetzung der Phase II laufen bereits. Über ein Nachfolgeprojekt zu Borkum West II denkt die Stadtwerke-Kooperation ebenfalls bereits nach.

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