Über 700 Jugendliche nehmen an der Aktion "72 Stunden" teil

Neue Ein- und Ausblicke

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Beerenbüsche werden an der Klostermauer in Lenzfried gepflanzt.

Kempten – Geboren wurde die Idee bereits 2010 im Haus Altenberg bei Köln während der Hauptversammlung des Bundesverbandes Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ. Am vergangenen Wochenende wurde sie im gesamten Bundesgebiet mit 175 000 Jugendlichen umgesetzt.

Die „72 Stunden Aktion – Uns schickt der Himmel“ wurde in den Regionen Kempten, Lindau und Sonthofen von 722 Jugendlichen in 29 Projekten unterstützt. Ziel der Veranstaltung ist es, sich drei Tage lang ehrenamtlich für andere ein zu setzen. Die jungen Menschen folgen damit dem Grundsatz christlicher Nächstenliebe. 

Die Vertreter der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit in Kempten, Jugendpfarrer Oliver Rid und Jugendpflegerin Andrea Sontheimer, besuchten am Samstag mit Annemarie Leis, der Diözesangeschäftsführerin des BDKJ, sowie Kooperationspartnern aus kirchlichen Verbänden, dem Stadtjugendring, der Politik und der Medien, mit einem Bus, ausgewählte Projekte in und um Kempten. „Eineinhalb Jahre Vorbereitung stecken in dieser Aktion“, erzählt Leis. Alleine die Beschaffung der T-Shirts mit dem bekannten Logo des Projektes war aufwändig, zumal sie aus fairem Handel in Indien stammen sollten. „Wir wussten zu Anfang nicht, wie viele Teilnehmer in der Diözese dabei sein würden. So bestellten wir erst mal tausend Stück. Am Ende brauchten wir allerdings 2850 Shirts und die haben noch nicht gereicht.“ 

Frischer Wind für Kirche 

In Durach, dem ersten Zielpunkt des BDKJ-Busses, wimmeln 48 Buben und Mädchen mit den blauen T-Shirts durcheinander. Sie bemalten Tür- und Fensterrahmen, die anschließend in freier Natur ganz neue Ein- und Ausblicke auf christliche Motive – wie den Christophorus an der Pfarrkirche in Durach oder auf das Primizkreuz in Weidach – vermitteln sollen. Gemeindereferent Martin Zeller und die Landjugendvorsitzende Katrin Mohr erläutern das Projekt, das von Bürgermeister Herbert Seger angeregt wurde. Grundlage sei auch der Gedanke Papst Johannes XXIII. gewesen, der forderte, Türen und Fenster der Kirche weit zu öffnen, um frischen Wind hinein zu lassen. „Ein Garten für alle“ entsteht inzwischen vor der Klostermauer in Lenzfried. Jugendliche aus den Gemeinden Immenstadt, Lenzfried, Hegge und St.-Ulrich arbeiten hier Hand in Hand. Als der Bus anrollt, ist bereits das Grundmuster für ein rundes Blumenbeet mit Kreuzform ausgehoben und eine Kräuterschnecke angelegt. Erste Gehwege sind sichtbar und eine Gruppe Mädchen pflanzt Beerensträucher. Das Projekt entstand in Kooperation mit der Stadt Kempten. Zwei Landschaftsgärtner vom Städtischen Betriebshof stehen den Akteuren mit Rat und Tat zur Seite. Die Gartenfläche soll nach Fertigstellung von den Anwohnern patenschaftlich übernommen und gepflegt werden. Dafür dürfen Erzeugnisse, wie Gemüse und Obst und Blumen, gepflückt werden. „Heute Morgen waren wir noch auf dem Markt in Immenstadt und haben um Kräuterspenden gebeten“, erzählt Bernhard Höß. „Jetzt haben wir vom Schnittlauch, über Oregano und Minze so ziemlich alles, was in eine Kräuterschnecke gehört.“ 

Der Leiter des Kemptener Jugendamtes, Thomas Baier- Regnery sieht die Erwartungen der Stadt mit dem Geschaffenen bereits übertroffen. „Mit so einer großen Fläche hatten wir nicht gerechnet“, freut er sich über das jugendliche Engagement. Carolin Gessel und Veronika Grimme in Betzigau stellen Steinstelen auf dem kleinen Platz in der Nähe des Seniorenwohnheimes zusammen. „Wir wollten gerne mit machen, weil es eine Gemeinschaftsarbeit ist. Uns kommt das vor wie ein Freizeitwochenende mit viel Sinn“, erklären sie ihre Motivation. Ihre Ministranten- und Landjugendkollegen haben eine Pergola errichtet und ein Steinschachbrett auf dem Boden gebaut. Martin Bechteler freut sich über die Vernetzung zwischen Kindergarten, Seniorenzentrum und Bushaltestelle. „Das kann ein richtiger Dorftreffpunkt werden“, hofft er. Gegen ein Uhr endet die gemeinsame Bustour. Rid und Sontheimer fahren jedoch zu allen Projekten, wenigstens auf einen Kurzbesuch. Oy, Unterjoch, Wertach, Scheidegg und Dietmannsried stehen unter anderem auf dem Programm. „Wir sind sehr stolz, dass sich so viele junge Menschen heute einsetzen“, sagt Pfarrer Oliver Rid. „Sie zeigen, dass Kirche lebendig ist.“

Eva Dörr-Schratt

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