Ehemaliges Hauptgebäude der Sparkasse Allgäu schon bald dem Erdboden gleich

Nur noch ein leeres Gerippe

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Manfred Hegedüs (l), Vorstandsvorsitzender Sparkasse Allgäu, und OB Thomas Kiechle (r) vor dem noch stehenden „Gerippe“ des ehemaligen Sparkassengebäudes an der Königstraße.

Kempten – Noch ist das ausgeweidete Gerippe der ehemaligen Haupt-Geschäftsstelle der Sparkasse Allgäu zu sehen. Auch das wird schon in den nächsten Tagen Geschichte sein.

Erstes „schweres Gerät“ hinter dem Bauzaun signalisiert, dass es schon bald ans Eingemachte gehen wird, was Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu und der Verwaltungsratsvorsitzende, OB Thomas Kiechle, im Gespräch mit dem Kreisboten bestätigten.

Nicht betroffen seien natürlich die „Langen Stände“, räumt Hegedüs mögliche Befürchtungen aus. „Die bleiben alle stehen.“ Da sei die Sparkasse auch nur einer von vier Eigentümern und durch den Ensembleschutz „ändert sich gar nichts“. Ebenfalls bleiben sollen der Eingang zur Sparkasse und der Durchgang zum Park sowie die Tiefgarage, die 17 zusätzliche Stellplätze erhalten soll. In die bis vor Kurzem von einem Friseur genutzten Räume neben dem Durchgang zum Park „kommt das Baubüro für die nächsten zwei Jahre“.

Reges Interesse

Immer wieder sind Passanten zu beobachten, die das Geschehen an der Abbruchruine aufmerksam verfolgen. Möglich ist das auch auf der Website des Kreditinstituts, wo eine Webcam jeweils morgens und abends den aktuellen Stand dokumentiert. 2800 Aufrufe seien, so Hegedüs, bislang gezählt worden. „Wir freuen uns über jede Frage“, betonte er, leider habe aber noch keiner der Besucher das integrierte Frageformular genutzt.

Gesprächsstoff bietet der Neubau natürlich trotzdem, sei es beim Espresso um die Ecke, auf den Sitzbänken am Hildegardplatz... Diskussionen sind immer wieder zu hören, zum Beispiel darüber, ob die Sparkasse zu viel Geld habe, denn eine Sanierung hätte doch wohl auch gereicht.

Sinnvolle Investition?

„Ich verstehe die Frage aus Sicht eines Bürgers, der ja kaum mehr Erträge auf sein Erspartes bekommt“, räumte Kiechle ein. Fakt sei, dass das Haus den vorab durchgeführten „Stresstest“ weder bei der Haustechnik, noch bezüglich Energetik oder Brandschutz bestanden habe. Der Neubau sei eine zukunftsorientierte Entscheidung, die heutzutage erforderliche moderne Arbeitsplätze für die Mitarbeiter ermögliche. Wie Hegedüs erläuterte, hätten laut Machbarkeitsstudie bei der „light version“ Sanierung für 17,5 Millionen Euro lediglich technische Bauprobleme behoben werden können. Bei einem Umbau für 31,5 Millionen Euro hätten zusätzlich ein paar der Anmietungen entfallen können. Der Neubau dagegen bringe neben der Lösung der technischen Probleme und betriebswirtschaftlicher Optimierung unter anderem auch die angestrebte Einhäusigkeit oder Barrierefreiheit. Die dafür veranschlagten 35 Millionen Euro beinhalten laut Hegedüs bereits „sämtliche Nebenkosten“.

Befürchtungen, dass die Sparkassen-Kunden für das Bauprojekt zur Kasse gebeten werden könnten, wussten die beiden Herren zu entkräften: Die Finanzierung werde aus dem Grundkapital der Sparkasse geschultert und die Belastung durch Abschreibung auf mehrere Jahre verteilt. Langfristig rechne sich die Investition nicht nur bezüglich der Betriebskosten für das Gebäude. Dass die Kubatur des Neubaus etwas größer ausfallen müsse als die bisherige, sei der Integration der jetzigen Außenstandorte geschuldet, die bei den derzeit guten Immobilienpreisen, dann verkauft oder vermietet werden könnten.

Austauschbare Architektur?

Manche Kritiker sehen in der Architektur eine „austauschbare“ Lösung, die sehr ähnlich bereits an Sparkassengebäuden andernorts umgesetzt worden sei. Dass die Architektur des neuen Gebäudes – wie seinerzeit auch beim alten – „sicher nicht kritiklos bleiben“ würde, liegt für Kiechle in der Natur der Sache. Es sei aber eine gute Lösung gefunden worden, „Moderne und Historie gut in Einklang zu bringen“ und auch der Nutzung als „Zweckbau“ gerecht zu werden. Im Ergebnis werde das künftig frei stehende Weidlehaus besser zur Geltung kommen und die Fassadengestaltung die bereits vorhandene Optik der „Langen Stände“ aufnehmen. Besonders die abfallende Architektur von fünf auf vier Etagen zum Weidlehaus hin „hat Fachleuten sehr gut gefallen“ und gerade der Heimatverein habe diesen Vorteil für das historische Haus sehr anerkannt. „Aber ich habe Verständnis dafür, dass es nicht jedem gefällt“, meinte er.

Einen Gewinn sieht Hegedüs auch in der optisch „deutlichen Beruhigung“ gegenüber der sehr unruhigen Kubatur des alten Gebäudes und innen werde es „nicht nur Glas, Stahl- und Sichtbeton“ geben, sondern vor allem warme Baustoffe, durch die die Regionalität zum Ausdruck gebracht werden soll. Klar sei: „Kempten ist zwar eine historische Stadt, aber auch eine moderne“. Für den Vorstandsvorsitzenden der sechstgrößten der insgesamt 71 Sparkassen Bayerns setzt der Neubau „ein klares Signal für den Standort“ und der gehöre sowohl kunden- als auch mitarbeiterfreundlich ins Zentrum.

Neugestaltung Stadtpark

Aufmerksam wird laut Hegedüs auch die Neugestaltung des Stadtparks seitens der Sparkasse verfolgt, über die schon gemeinsam diskutiert worden sei, unter anderem wegen einer durch den Neubau erforderlichen Wegeveränderung.

Historie im Überblick:

1954 hatte die damalige Kreis- und Stadtsparkasse Kempten an der Horchlerstraße einen Neubau mit Flachdachanbau nach Norden errichtet, diesen 20 Jahre später zu einem fünfstöckigen Gebäude um- und eine Tiefgarage unter der Zumsteinwiese dazugebaut. 1991 wurde die Schalterhalle zu den „Langen Ständen“ durch eine Innenhofüberbauung erweitert und die Tiefgarage um Funktions- und Lagerräume erweitert. Bereits vier Jahre später wurden die Büroflächen durch Eigennutzung des Weidlehauses und Teile der „Langen Stände“ aufgestockt. Nach der Fusion der Kreis- und Stadtsparkasse Kempten, Sparkasse Ostallgäu und Kreis- und Stadtsparkasse Sonthofen-Immenstadt zur Sparkasse Allgäu mit Sitz in Kempten mussten aus Platznot manche Bereiche auf eigene oder angemietete Flächen im Nürnbergerhaus, der Sparkassen-Arkade sowie in Bodman-, Fuchsbühl- und Promenadestraße ausgelagert werden. Im Frühsommer 2017 soll Einzug im neuen Hauptsitz der Sparkasse Allgäu und alle Bereiche unter einem Dach sein.

Christine Tröger

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