Große Erwartungen

„Es ist wirklich ein Wolf, der unter Hochspannung ist, aber er greift nicht an“, erklärte Oliver Kromm, Kunstpreisträger der Stadt Kempten 2011, einen Aspekt seines Bildes „Unter Hochspannung“. Foto: Kulturamt

Die Werke für die 62. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche sind ausgewählt, die beiden Preisträger und eine Preisträgerin gekürt. Bis 13. August müssen sich die erfahrungsgemäß zahlreichen Ausstellungsbesucher noch gedulden, um sehen zu können, was die siebenköpfige Jury zusammengestellt hat. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler wollten auch diesmal wieder – oder erstmals – dabei sein. Beworben haben sich insgesamt 239 Kunstschaffende mit 410 Werken. Gezeigt werden 98 ausgewählte Werke von 36 Künstlerinnen und 44 Künstlern. Den Schwerpunkt bildet die Malerei mit 48 Exponaten. Bestückt wird die Ausstellung zudem mit 24 Plastiken und Skulpturen, 13 Fotografien, zwölf Grafiken und einer Installation.

Alle drei der ausgelobten Preise wurden vergeben, davon zwei an Fotografien. Ein Kunstmedium, das hier bislang eher eine Art Schattendasein fristete und zuletzt 2007 mit der Vergabe des Kemptener Kunstpreises an Gudrun Gmelch in den Fokus gerückt war. Der mit 5000 Euro dotierte Kunstpreis der Stadt Kempten ging heuer allerdings an zwei Acryl-Malereien, „Unter Hochspannung“ und „Der Fetischist“ aus der Serie „Wolf im Mann“ des 1965 geborenen Oliver Kromm. Als „realistisch und doch nicht“ bezeichnete er die, laut Jury, „geheimnisvoll aufgeladene Begegnung“ einer Frau und eines Wolfes in seinen Bildern. Zur Serie „Wolf im Mann“ sei er durch eine Dokumentation im Fernsehen inspiriert worden, offenbarte der von Beruf Kunststoffformgeber, Puppen- und Kirchenmaler aus Kaufbeuren. Vor allem stark und böse sei der Wolf in den Legenden Europas, während er in der Kultur nordamerikanischer Indianer als „Pathfinder“ , also Führer oder Wegbereiter, hoch geschätzt werde. „Es war eine kleine Anstrengung das Bild aufzubauen“, meinte Kromm mit Blick auf sein Werk „Unter Hochspannung“. So bescheinigt die Jury dem Preisträger auch „hochprofessionelle malerische Fähigkeiten“ und schreibt der „figürlichen Finesse“ seiner Bilderzählungen „eine große Nähe zum Filmischen“ zu. Bessere Qualität Eine „bemerkenswerte In-Szene-Setzung zeithistorischer Architektur der Allgäus“, sieht die Jury in der Fotografie ohne Titel, mit dem Zusatz „Safe/Tunnelbunker Muna Urlau“ von Tobias Wootton, Preisträger des mit 4000 Euro dotierten Thomas-Dachser-Gedenkpreises 2011. Vor zwei Jahren hat der 30-jährige Fotograf im Fach Medienkunst an der HFG/ZKM Karlsruhe mit Diplom abgeschlossen uns ist heuer für den Preis der Darmstädter Sezession nominiert. Bezüglich der abgebildeten, ehemaligen Munitionsfabrik Urlau bei Leutkirch, „war die Erwartung größer als das, was wir vorgefunden haben“, meinte Wootton, der sowohl digital als auch analog – „die Qualität ist einfach besser“ – fotografiert. Herausgekommen ist ein puristisch-ästhetisches Abbild der steril-weiß getünchten leeren Halle, auf dem Wootton laut Jury Gegenwärtigkeit von Raum erzeuge und „die Grenzen zwischen Realität und Fiktion hinterfragt“. Mit „The Dark Passenger I“ hat die diesjährige Preisträgerin des Förderpreises der Dr. Rudolf-Zorn-Stiftung, Florence Bühr, eine Collage aus Fotografien geschaffen, in der die Manipulation nicht augenfällig ist. „Die Arbeit weicht etwas ab von meinen anderen“, gestand die 32-Jährige, der es wichtig ist, immer wieder etwas Neues zu machen. Ihre Faszination beim Rundblick von der Fähre im Hafen von Las Palmas in Gran Canaria, hat sie in einer Art selektierter Erinnerung dramaturgisch aufbereitet. „Was ich empfunden habe, kann ich durch die Collage verstärken“, so die gebürtige Kemptenerin, die mittlerweile in Frankreich und München lebt. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

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