An der Seite der Kinder

Kinderschutzbund Kempten feiert 40. Geburtstag

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Alle auf die Bühne: die Elternkursleiterinnen, die Mitarbeiterinnen der offenen Kinderbetreuung und des offenen Babytreffs, die Familienpatinnen, die ehrenamtlichen Helferinnen des Mittagskinder-Projekts. Der Vorsitzenden des Kinderschutzbundes Kempten, Cathrin Haller, wird die silberne Ehrennadel des Bundesverbands verliehen.

Kempten – Seit nunmehr 40 Jahren setzt sich der Kinderschutzbund Kempten für das Wohl und die Rechte von Kindern ein und erfüllt damit einen Teil dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe.

Cathrin Haller, die Vorsitzende, hat die vielen Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zur Feier eingeladen, auch um sich bei allen zu bedanken. Sowohl Ehrenamtliche als auch angestellte Fachkräfte haben ihre Arbeit stets an den Grundsätzen des Kinderschutzbundes orientiert: Familien auf Augenhöhe begegnen, Freiwilligkeit statt Kontrolle, verstehen statt verurteilen.

Von Anfang an zeigte diese Lobby für Kinder unmissverständlich auf, dass Schläge Kinder erniedrigen, dass Konflikte friedlich gelöst werden können und körperliche Gewalt der Entwicklung der Kinder schadet. Von Anfang an war „helfendes Handeln“ das Prinzip des Vereins, der sich mit spezifischen Projekten immer wieder den Erfordernissen der Zeit angepasst hat.

Die Kinder- und Familienbeauftragte des Stadtrats, Erna-Kathrein Groll, überbrachte dem Verein die Glückwünsche des Oberbürgermeisters Thomas Kiechle und den Dank für das Gute, das in den vier Jahrzehnten geschaffen wurde: „Wir sind froh und stolz, den Kinderschutzbund in Kempten zu haben und wissen sein Engagement für Kinder, die sonst aus dem Raster fallen und einen holprigen Weg gehen müssen, sehr zu schätzen.“ Groll hob die hohe Fachlichkeit des Vereins hervor, die neben dem „Herzblut“ für diese Arbeit unerlässlich ist, und sicherte die weitere Unterstützung der städtischen Stellen zu.

Perfektionismus im Kinderzimmer

„Was ist gut für mein Kind?“ und „Ist mit meinem Kind alles in Ordnung?“, das sind Fragen, die Eltern umtreiben und an den Kinderarzt Prof. Dr. Harald Bode gestellt werden. Sein Festvortrag führte im Schnelldurchgang durch fast alle Themen, die mit der körperlichen, psychischen und sozialen Entwicklung von Kindern zu tun haben. Vieles davon dürfte dem einschlägig vorgebildeten Publikum vertraut gewesen sein, die konzentrierte Gesamtschau auf die aktuelle Situation von Kindern und Familien in Deutschland war dennoch spannend. Hier eine kleine Auswahl der angerissenen Bereiche: Bode ging auf die heißen Diskussionen über das Pro und Contra der Tagesbetreuung von Kleinkindern ein und fand es verständlich, dass Eltern angesichts der heutigen Normenvielfalt verunsichert sind. Er sieht die Kinder und jungen Eltern unter „Perfektionsdrang“ und rät zu Gelassenheit. Er erwähnte die Bedeutung der sozialen Unterstützung für Alleinerziehende und die hohe „Rendite“ der frühen Förderung.

Elternkompetenz ist für Bode der Schlüssel, um Vernachlässigung, auch Wohlstandsvernachlässigung, zu verhindern, denn „Eltern sind die entscheidenden Bezugspersonen, niemand bringt so viel auf die Waage“. Da inzwischen bei einer Scheidung die gemeinsame elterliche Sorge der Regelfall ist, bedarf es verlässlicher Absprachen, bei denen das Kindeswohl und nicht das Elternwohl im Vordergrund steht, sagte Bode, Kinder dürften in dieser Situation nicht instrumentalisiert und nicht zu Verbündeten gemacht werden.

Das Unternehmernetzwerk Allgäu e.V. unterstützt den Kinderschutzbund mit 10.000 Euro im Jahr und überreichte an diesem Abend die erste Rate. Mit diesen Spenden soll, so Cathrin Haller, das Projekt MIKI – dein Sprungbrett weitergeführt werden, „in dem Kinder frühzeitig in kleinen Gruppen in schulischen und sozialen Belangen unterstützt werden und so eine Möglichkeit der Teilhabe bekommen, die sie ansonsten nicht hätten.“

Mehr zu den frühen Hilfen für Kinder und Familien unter www.fruehehilfen.de.

Chronik: 

• 1977 Gründung des Kinderschutzbundes (KSB) Kempten, erster Vorsitzender Willibald Bonifer. Im gleichen Jahr wird die körperliche Züchtigung von Kindern gesetzlich verboten. Der KSB baut sein Netzwerk zu unterschiedlichen Organisationen aus, die sich um die Förderung des Kindeswohls kümmern. Einrichtung des Zeugnisnotrufs, Spendensammlung für Familien in Not. 

• 1982 Einrichtung des Babysitter-Diensts, der bis heute besteht. 

• 1983 Der Kinderschutzbund-Nikolaus kommt erstmals in die Kinderklinik. 

• 1990 Ursula Glantschnig wird Vorsitzende. Ab dem Jahr gibt es eine Kinderbetreuung in der Vorweihnachtszeit.

• 1993 Unter der Regie von Dr. Renate Kinzer findet der erste Kindertag statt. Alle mit Kinderschutz befassten Institutionen stellen sich der Bevölkerung vor. Es gibt Spielangebote und den Flohmarkt „Kinder verkaufen für Kinder“. 

• 1995 Marianne Krug betreut ehrenamtlich die Sprechstunde für „Fragen zum Leben mit Kindern“. Der Bundesverband verabschiedet die Leitlinie des „Helfenden Handelns“. 

• 1997 Hilde Schmid baut die offene Kleinkinderbetreuung auf, die seit 1998 von Claudia Fink geleitet wird. Annette Schiller-Kaiser ist die erste angestellte Sozialpädagogin, die Tagesmütter schult und vermittelt. Ab 2002 ist dafür das Jugendamt Kempten zuständig. 

• 1999 Der Vorsitz geht an Dr. Thomas Potthast, der das Amt bis 2008 ausübt. Seither wird der Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ angeboten, auch in türkischer und russischer Sprache. 

• 2000 Das Recht auf gewaltfreie Erziehung wird gesetzlich verankert. 

• 2007 Umzug in größere Räume in der Westendstraße, Erweiterung des Angebots um eine Schrei- und Schlafambulanz, Hausaufgabenbetreuung und das Projekt Kids Point in Kooperation mit der Kinderbrücke Allgäu. Aus dem Kids Point wird später MIKI: Mittagskinder – dein Sprungbrett. 

• 2010 Erste Schulung von Familienpatinnen und Familienpaten, die durch eine Fachkraft unterstützt werden.

Elisabeth Brock

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