Große Herausforderungen

Dr. Michael Fiedeldey vom AÜW. Foto: Läufle

Welche Herausforderungen birgt die aktuelle Energiediskussion für die Energieversorgung im Allgäu? Dieses und andere Themen waren Bestandteil des 5. von ver.di Allgäu organisierten „Forum Energieversorgung“ am vergangenen Mittwoch beim ZAK. Vertreter von Politik und Wirtschaft gaben den knapp 40 Teilnehmern in Referaten sowohl einen Einblick in die Arbeit des ZAK, als auch in die politische Bedeutung der Energiediskussion und die Herausforderungen für die Energieversorgung im Allgäu.

„Bei Ausschöpfung aller Potentiale könnte das Allgäu sich energetisch autark versorgen“, erläuterte Dr. Michael Fiedeldey, Bereichsleiter Technik beim AÜW und Geschäftsführer der AllgäuNetz GmbH, das Ergebnis der PEESA (Potentiale erneuerbarer und effizienter Stromerzeugung im Allgäu)-Studie, die das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) beim „Fraunhofer Institut Solare Energiesysteme“ in Auftrag gegeben hat. Vor dem Hintergrund der laufenden Energiediskussion referierte er über die Herausforderungen für die Energieversorgung im Allgäu. Angelehnt an das Energiekonzept der Bundesregierung von 2020 bzw. das Leitszenario des Umweltministeriums gab Dr. Fiedeldey zudem einen Einblick in das jährlich benötigte Investitionsvolumen des AÜW für den Ausbau erneuerbarer Energien bis 2020. Summen zwischen 3,28 bis 8,69 Millionen Euro pro Jahr sind demzufolge nur für die Netzeinspeisung nötig. „Das ist eine große Herausforderung“, meinte der Experte in der anschließenden Diskussion und warf eine Frage in den Raum, die sich wahrscheinlich viele stellen: „Wer bezahlt das?“ Eine Antwort darauf hatte er nicht parat. Vernünftiger Mix Die politische Bedeutung der Energiediskussion für die Region Allgäu beleuchtete der Oberallgäuer Landrat und ZAK-Verbandsvorsitzende, Gebhard Kaiser (CSU). Wenn die Energiewende richtig über die Bühne gebracht werden soll, gibt es in den nächsten Jahren für die Region noch einige Herausforderungen, ist sich Kaiser sicher. „Mit einem vernünftigen Energiemix werden wir vorankommen“, meinte er und betonte, dass das nur möglich sei, wenn die Menschen vor Ort mit einbezogen werden. „Ökologische Energieerzeugung ist für uns sehr wichtig“, sprach der ZAK-Verbandsvorsitzende zudem über den Zweckverband für Abfallwirtschaft. Der ZAK habe sich in den vergangenen Jahren zu einem modernen Wirtschaftsbetrieb entwickelt und verfüge über ein modernes Müllheizkraftwerk (MHKW). „Mittlerweile ist das Fernwärmenetz in Kempten auf 35 Kilometer ausgebaut worden“, frohlockte er und hoffte, dass die MHKW in Augsburg und Neu-Ulm künftig auch noch in die Fernwärme gehen. Genauer auf die Leistungen des ZAK ging Geschäftsführer Karl-Heinz Lumer in seinem Vortrag über optimale Energieverwertung in der Abfallwirtschaft am Beispiel des ZAK-Kempten ein. Insgesamt betreibt der ZAK 38 Wertstoffhöfe, die Biovergärungsanlage in Kempten-Schlatt, die Vergärungsanlage im südlichen Oberallgäu, ein MHKW, ein HHKW, eine Spitzenlast-Heizzentrale und zwei Müllumladestationen. Insgesamt entstehen dabei rund 28 Prozent Restmüll, der Rest wird alles wieder- oder weiterverwertet. Wärme verwerten Großes Potential sieht Lumer in der Mitverwertung von Wärme. „Wir haben in den letzten 15 Jahren rund 35 Kilometer Fernwärmenetz gebaut.“ Derzeit werde in St.-Mang weitergebaut, sodass es insgesamt in Kempten bald 40 Kilometer Fernwärmenetz geben wird. „Insgesamt können damit circa 20 000 Privathaushalte/Wohnungen mit Wärme versorgt werden“, unterstrich er. Der ZAK plant derzeit zudem eine Freilandphotovoltaikanlage auf der ehemaligen Deponie in Herzmanns. Daraus soll dann Strom für rund 1600 Privathaushalte gewonnen werden. Dass sich die Abfallwirtschaft des ZAK lohnt, verdeutlichte Lumer anhand einiger Zahlen. Der Gesamtumsatz im Jahr liegt bei rund 35 Millionen Euro. Etwa 17,5 Millionen Euro davon, also die Hälfte, sind Einnahmen aus der Energie- und Rohstoffvermarktung. Für die Bürger haben diese ökonomischen Aspekte ebenfalls Auswirkungen. Lumer zufolge können aufgrund der guten Energie- und Rohstofferlöse die Abfallgebühren voraussichtlich ab 1. Januar 2012 gesenkt werden. Nachdem der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Oberpfalz, Alexander Gröbner, über die Arbeitsbedingungen der EVU (Energieversorgerunternehmen)-Beschäftigten im Rahmen der Energiewende referiert hatte, konnten die Teilnehmer des Forums Energieversorgung abschließend noch das MHKW des ZAK besichtigen.

Auch interessant

Meistgelesen

Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu
Kutter wird fündig
Kutter wird fündig

Kommentare