Geldspritze vom Freistaat

Scheckübergabe für Seilbahn-Studie stößt auf geteiltes Echo

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Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart (Mitte) höchstpersönlich überbrachte Oberbürgermeister Thomas Kiechle (rechts) den Förderbescheid über 50.000 Euro. Die Hälfte der Kosten-Nutzen-Analyse einer etwaigen Stadtseilbahn ist damit gedeckt. CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag und Kemptener Stadtrat Thomas Kreuzer hält den „Leitfaden für die Entwicklung von Seilbahnen an urbanen Standorten“ in der Hand, den die Staatsregierung herausgegeben hat.

Kempten – Zu morgendlich frischer Stunde war der bayerische Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart am Montag im Kemptener Rathaus erschienen. Im Gepäck hatte er einen Förderbescheid in einer Höhe von 50.000 Euro. Gedacht ist das Geld für eine Kosten-Nutzen-Analyse zum Thema Stadtseilbahn, die insgesamt 100.000 Euro kostet. Die ebenfalls eingeladenen Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen folgten der Einladung nur zum Teil.

Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle zeigte sich vor Vertretern der Stadt und der Presse sehr erfreut und sprach von einem „Förderbescheid mit wichtiger Aussagekraft.“: „Wir sind überzeugt, dass die Chancen einer Stadtseilbahn in Kempten betrachtet werden müssen.“ 

Aber warum unterstützt der Freistaat die Kosten-Nutzen-Analyse? Verkehrsminister Hans Reichhardt nannte als Grund Kemptens Willen, Mobilität neu zu denken, um Verbesserungen für die BürgerInnen zu erzielen. Beim von der Staatsregierung aufgelegten Seilbahnprojekt habe Kempten den größten Aufwand betrieben. Die Stadt gehe als Vorreiter über Grenzen hinaus, bringe viel Erfahrung mit. 

Zwar bekämen auch andere Städte Unterstützung für Machbarkeitsstudien, der Fokus liege aber zunächst auf Kempten, um für einen Anschub zu sorgen. Dabei sei man ganz ergebnisoffen. Wenn sich eine Seilbahn jedoch als sinnvoll erweise, winkt eine erneute Unterstützung vom Staat. Eine Seilbahn könne dabei helfen, große Distanzen, Höhenunterschiede oder Flüsse zu überwinden, erklärte der Minister. 

Auch wenn wie in Kempten eine enge Altstadt begrenzend auf den Verkehr wirke, könne eine Seilbahn eine Lösung sein. Die für die Analyse restlichen 50.000 Euro, die die Stadt selbst berappen muss, seien laut Oberbürgermeister gesichert. 

Dem OB ist es wichtig, dass das Projekt von der Bevölkerung akzeptiert wird. Daher sei die Öffentlichkeit zum Beispiel mit einer Website eingebunden. 

Bei einigen Stadtratsfraktionen stößt das Seilbahn-Vorhaben jedoch nicht auf Akzeptanz. Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion Freien Wähler/ÜP und Landtagsvizepräsident Alexander Hold (FW) nannte die Scheckübergabe eine „Rettungsshow für eine Schnapsidee“. Mit der Nord-Süd-Trasse (Hauptbahnhof-Allgäuhalle-Stadtpark-Rottachstraße,der Kreisbote berichtete), die statt des ursprünglich angedachten Rundkurses nun im Gespräch sei, müsse kein Fluss und keine großen Höhen überquert werden, und Kemptens gut ausgebaute Straße seien ebenfalls aufnahmefähig. Traurig stimmt Hold, dass mit der Studie wertvolle Zeit verloren gehe. Laut ihm ist die Änderung der Streckenführung von Nord nach Süd nötig gewesen, um überhaupt die Fördergelder für die Studie zu erhalten.

Nord-Süd-Trasse nur der Anfang 

OB Kiechle dementiert das. Im Mobilitätskonzept komme zum Ausdruck, dass die ZUM an ihre Belastungsgrenze stoße. Kempten werde wachsen und mithin auch der Verkehr. Entzerrung sollen je ein Verkehrsknoten im Norden und Süden der Stadt liefern. Die aktuelle Frage laute, geht es auch in der Luft? 

„Wenn die Kosten-Nutzen-Analyse positiv ausfällt, dann können wir an die Nord-Süd-Trasse andocken und zum Beispiel auch den APC mit einer Seilbahn erschließen.“ Den Verkehr mit Bussen zu entlasten, bedeute laut OB immer auch Belastungen für die Bürger. „Busse sind Schwerlastverkehr“, sagte er, „sie stoßen mehr Immissionen aus, sind nicht so nachhaltig und mit der Seilbahn haben wir mehr Spielraum für die Neugestaltung von Plätzen.“ Der Scheckübergabe ferngeblieben waren Vorsitzender der Stadtratsfraktion FDP/UB/ödp Ullrich Kremser (FDP) und Thomas Hartmann (Bündnis ´90/Die Grünen). Kremser hält die Seilbahn-Studie für Geldverschwendung. Kempten sei keine Großstadt, wo eine Seilbahn sinnvoll sein könne. Hartmann nennt die großangelegte Scheckübergabe „albern“ und eine „PR-Maßnahme“, weil in den letzten Jahren viele geförderte Projekte abgewickelt worden seien, ohne jemals einen Übergabe-Termin dafür anzuberaumen.

Die anwesende Katharina Schrader, Fraktionsvorsitzende der SPD, begrüßt, dass es eine Studie gibt. Die SPD sei keine Anhängerin des Rundkurses gewesen, deswegen habe sie auch gegen die Studie gestimmt. Jetzt ist allerdings eine neue Trasse im Gespräch. Schrader hält eine gute Anbindung der Stadtteile für wichtig. „Schauen wir mal, ob das mit einer Seilbahn günstiger ist als mit Bussen.“

Susanne Lüderitz

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